Achim Greser

Der Führer privat


"Ich hätte es genauso gemacht.
Man muß doch auch an später denken."

Hitlerbilder für fortgeschrittene Erwachsene

Achim Greser, Teil des Zeichnerduos Greser & Lenz, arbeitet u.a. für das Satiremagazin Titanic und die FAZ. Jetzt liegt eine vielbeachtete Soloproduktion von ihm vor.

Mit dem Zyklus "Der Führer privat" wird Hitler einer Kritik unterzogen, die nach tausenden von schwergewichtigen Wälzern erfreulich unbelehrend und dadurch um so wirkungsvoller ist.
Achim Greser beantwortet die Grundsatzfrage, ob in Deutschland über Hitler gelacht werden darf eindeutig mit Ja. Mit harmonischer Malweise in sicher und wohlig komponierten Bildern entwickelt Greser seine satirische Tücke. Ohne die Opfer des Nationalsozialismus und ihre Leiden der Lächerlichkeit preiszugeben fokussiert Greser den Spott des Betrachters einzig auf die Privatperson Hitler. Dieser wird in seiner ganzen Lächerlichkeit gezeigt - und das ist das Schlimmste, was man dem Führer antun kann.
     
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Ausstellungsübernahme  
 
Auszug aus dem Nachwort zum Buch "Der Führer privat"
Von Wiglaf Droste
Bei einem Buchmessenempfang der Frankfurter Allgemeinen Zeitung fragte der Zeichner Achim Greser den Hitlerforscher Joachim C. Fest: "Herr Fest, finden Sie nicht auch, dass man über Hitler Witze machen kann?" Die Antwort war kategorisch. "Nein", sagte Fest und schritt indigniert von dannen.
Dennoch hat Achim Greser weiter Witze über Adolf Hitler gezeichnet, und das ist gut so. Die Weigerung, Hitler als die lächerliche Figur zu zeigen und zu sehen, die er eben auch war, liegt in der Furcht begründet, damit auch Hitlers Opfer und ihre Leiden der Lächerlichkeit preiszugeben. Die Angst ist verständlich; man möchte in dieser Sache nicht missverstanden werden. Fests Hitlerwitzverdikt ist dennoch falsch. Man kann Witze über Hitler machen, ohne das Ansehen der von seinen Leuten Ermordeten und Gequälten herabzusetzen. Hitlers Opfer sind Opfer seiner Vernichtungsmaschinerie, nicht Opfer der Privatperson Adolf Hitler. Diese Privatperson ist hinter Hitlers eigener Propaganda komplett verschwunden. Aus gutem Grund kam Hitler privat nicht vor in der Selbstdarstellung des Dritten Reichs - da gab es nur den unermüdlich für die deutsche Volksgemeinschaft arbeitenden größten Führer aller Zeiten, den stilisierten GröFaz in lange einstudierter Pose. Alles, was das propagandistisch entworfene Hitlerbild hätte erschüttern können, war unter Verschluss. Achim Greser hat es ausgegraben. Er zeigt uns Hitler als Würstchen.
Achim Gresers "Der Führer privat" hat mit öffentlich beschworener Gratismoral ebensowenig zu schaffen wie mit langweiligen sogenannten "Tabubrüchen", und neben dem Ullstein-Doppeldecker "Opa, was ist Gott?" und "Mama, was ist Auschwitz?" wird man sein Buch ebenfalls vergeblich suchen. Greser hat Hitlerbilder für fortgeschrittene Erwachsene gemacht, für Leute, die Sebastian Haffners "Anmerkungen zu Hitler" ebenso kennen und schätzen wie "Sein oder Nichtsein" von Ernst Lubitsch.

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