Dienstag, 22. Mai 2001, ab 20.00 Uhr
Arnold Stadler
»Ein hinreißender Schrotthändler«
 

In Arnold Stadlers schwäbischem Geburtsort Meßkirch sind Stall und Heidegger eine Einheit. Wahrscheinlich auch die Verwandtschaft mit Abraham a Sancta Clara in einem Landstrich, wo über Jahrhunderte allenfalls 2000 Menschen am Geschlechtsverkehr teilnehmen. Und Schwackenreuth ist nicht weit, Name für die »eindrückliche Lächerlichkeit all dieser Untergangsgeschichten, die ich erzähle«.

Arnold Stadlers feinsinnige Prosa belegt, dass literarische Komik häufig nur die andere Seite der Melancholie ist: »Urkomisch - und zugleich todtraurig«, urteilte daher Laudator Peter Hamm bei der Verleihung des Büchnerpreises im Jahr 1999. Dabei wollte der »Woody Allan des Schwabenlandes« (Titanic) ursprünglich Papst werden. Doch zu schamlos sein Umgang mit zeitgenössischen Tabus: Einsamkeit, Tod, Gott - ja Gott: »Übers Ficken kann man ja heute auf jedem Stehempfang reden, nur wenn Sie "Gott" sagen, werden Sie ausgelacht«.

Arnold Stadler
, geb. 1954, studierte katholische Theologie und Literaturwissenschaft. Seit 1995 lebt er vorwiegend in seinem Heimatort Rast. Er erhielt neben dem Büchner- u.a. auch den Marie-Luise Kaschnitz-, den Thaddäus-Troll- und den Nicolas-Born-Preis. Die Titel seiner Bücher lauten: »Kein Herz und eine Seele. Man muß es singen können« (1986), »Ich war einmal« (1989), »Feuerland« (1992), »Mein Hund, meine Sau, mein Leben« (1994), »Der Tod und ich, wir zwei« (1996), »Ein hinreißender Schrotthändler« (1999), »Erbarmen mit dem Seziermesser« (2000).

Die Lesung wird in Zusammenarbeit mit dem Verein der Förderer des Kasseler Hospitals veranstaltet.

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