Mittwoch, 21. Februar 2001, ab 20.00 Uhr Annegret
Held
»Die Baumfresserin«

Von Kistenweibern und groben Kerlen, von großen
Gefühlen und kleinen Niederträchtigkeiten: Ein buntes
Sittengemälde der deutschen Provinz.
Sägen, Hobel, Nagelmaschinen, Stanzen rattern,
zischen und kreischen, übertönt nur vom Gatter, der in
einer tiefen Gruft verankerten, gewaltigen, dröhnenden
Senkrechtsäge. Die Magie der geschälten, glatten
Oberfläche, der betörende Duft des frischen Holzes hat
es allen angetan, die hier arbeiten. Den
Kistenweibweibern und Kerlen.
Der Kistenfranz ist als Chef zu weich, dafür mögen ihn
alle sehr, und viele tanzen ihm auf der Nase herum.
Estella, die Mannstolle, hat ein Geheimnis, Rudi ist ein
Altenschinder. Paula will später studieren und jobbt
vorab in der Kistenfabrik. Sie hat ein Problem: Ihr Alex
sieht immer so merkwürdig aus, beim Lieben. Veronika,
auch eine von den Kistenweibern, will ihrem Hardy jede
Nacht eine verführerische Geliebte sein... In der Fabrik
verknoten sich die Lebensfäden.
»Ich endete, wie ich anfing, voller Anteilnahme für
dieses höchst ungewöhnliche Völkchen, das da mitten
auf dem deutschen Lande Tag für Tag in die Fabrik geht,
um Kisten für alle Welt herzustellen. Mir hat dieser
Schauplatz ebenso eingeleuchtet wie der liebevolle
Realismus, mit dem die in den Jahreslauf eingebetteten
Aufschwünge und Abstürze des Kistenvolks geschildert
werden. Romane aus der Arbeitswelt sind rar, zu lachen
gibt es bei den meisten nichts. »Die Baumfresserin«
bildet da eine bemerkenswerte Ausnahme.« (Robert
Gernhardt)
Annegret Held, geboren 1962 in Pottum im
Westerwald. Polizeischule Wiesbaden, danach drei Jahre im
Streifendienst in Darmstadt. Sie studierte Ethnologie und
Kunstgeschichte in Heidelberg. Heute lebt sie als freie
Schriftstellerin mit ihrer Tochter in Frankfurt am Main.
Publikationen: »Meine Nachtgestalten« Eichborn 1988,
»Mein Bruder sagt, du bist ein Bulle« Rowohlt 1990,
»Mein Schatten, mein Echo und ich« Rowohlt 1994, »Am
Aschermittwoch ist alles vorbei« Rowohlt 1997, »Die
Baumfresserin« Rowohlt 1999.
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