Sonntag, 17.4. 2005, 20 Uhr
Giesekings Literaturlounge
Gäste: Wiglaf Droste und Vincent Klink
Komik und Chaos, Literatur und Rausch, Euphorie und Getränke
   
Ort: CARICATURA im KulturBahnhof
  Bahnhofsvorplatz 1- 34117 Kassel
Info: info@caricatura.de und 0561-776499
Karten: Reservierung und VVK in der Caricatura

 

Gieseking begrüßt zwei in mehrfacher Hinsicht gewichtige Gäste, Wiglaf Droste und Vincent Klink, Literaten, Köche und Feinschmecker.

Wiglaf Droste, Schriftsteller, Sänger und Kolumnist aus Berlin gibt mit seinem Freund Vincent Klink, dem Meisterkoch aus Stuttgart, »der mir eine ganz neue Welt, die der Kulinarik eröffnete«, gemeinsam die Kampfschrift »Häuptling Eigener Herd« heraus. Vierteljährlich erscheinen Texte und Bilder unter dem Motto »Wir schnallen den Gürtel weiter«. Droste und Klink sind beide Genießer, leidenschaftlich in jeglichem Tun, Brüder nicht nur im Geiste.

Droste ist mittlerweile einer der wichtigsten und eigenwilligsten Kolumnisten Deutschlands.
Immer streitbar, immer wieder böse, klar in der Analyse, brillant im Wissen, überraschend in der Konklusion, hart gegen seine Gegner. Dabei liebt dieser Mann vor allem die Sprache, die Literatur, er ist leidenschaftlicher Leser und Kritiker. Wen er verehrt, dem gehört sein Herz ganz.
Im März 2005 erschien sein erster Lyrikband »nutzt gar nichts, es ist Liebe« (Reclam Leipzig). Droste ist ein Berserker im Schaffen, getrieben von Ideen und Leidenschaften. Das Singen kommt beinah an erster Stelle. Gemeinsam mit dem legendären Essener Spardosen-Terzett ist er immer wieder auf Tournee, drei CDs erschienen bisher, darunter das zauberhafte »Wolken ziehn« (Roof Music). Seine große Liebe gilt dem Hörbuch und dem Hörspiel, seine Ansprüche sind hoch, denn schon Vater Droste sprach für seine Söhne ganze Bücher auf Tonbänder.
Als Zeichen größter Verehrung und Würdigung von Peter Hacks nahm Wiglaf Droste zuletzt gemeinsam mit F.W. Bernstein, Rayk Wieland und dem Saxophonisten Ernst-Ludwig Petrowsky ein Hörbuch auf: »Der Bär auf dem Försterball - Hacks und Anverwandtes« (Eulenspiegel Verlag).
Im Zentrum seiner Arbeit aber steht der Text, die Kolumne, die Literatur. Mindestens wöchentlich schreibt er auf der Wahrheit-Seite der taz, zahlreiche Bücher sind erschienen, seine Lesungen sind Kult. Franz-Josef Degenhardt schrieb über ihn: »Aufrührerisch, amüsant, anstößig, komisch, entzaubernd, provozierend, apodiktisch, beleidigend, grantig oder bösartig das Widerwärtige widerwärtig nennend, und das in bestem Deutsch.«

Vincent Klink ist nicht nur prominent als Fernsehkoch (regelmäßig live im ARD-Buffet), sondern bekannt als Kopf des Restaurants »Wielandshöhe« in Stuttgart. »Kult« wie kürzlich »Der Feinschmecker« lobte. Außerdem ist Klink dem Literarischen und Komischen verpflichtet. Grundregeln der »Wielandshöhe« lauten: »Wenn wir Traditionelles kochen, dann modernisieren wir diese Gerichte absichtlich nicht. Maultasche muß Maultasche bleiben und da gehört kein Lachs oder sonstiger Zeitgeist hinein. Dem Ruf nach Raffinesse folgen wir nicht. Es ist schön, dem Zeitgeist zu folgen. Schöner ist es aber, eine Antwort darauf zu haben.«

Klinks literarischen Aktivitäten haben gerade mit »CAMPUS CULINAIRE« eine neue Zeitschrift für Esskultur in Deutschland hervorgebracht. Zweimal im Jahr erscheinen gesellschaftskritische, wissenschaftliche Nachrichten zur Kulinarik. Außerdem erscheinen regelmäßig Beiträge in Klett Cottas »Kulinarischem Almanach«.
Einmal im Jahr fahren Dichter, Karikaturisten, Zeichner, Wissenschaftler und Autoren nach Stuttgart, um sich vom Patron der »Wielandshöhe« bekochen zu lassen - als Entschädigung für die im »Häuptling eigener Herd« honorarfrei erschienenen Texte und Zeichnungen.

Was den »Häuptling« von Zeitschriften wie dem »Feinschmecker« angenehm unterscheidet, ist sein Understatement, seine Ironie, seine politische Haltung. »Der Prestige-Gourmet liest uns nicht«, sagt Klink, der aussieht wie Obelix und ganz offenbar erfahrener Genießer ist. Außerdem ist die Kampfschrift das einzige nicht essbare Produkt, das jemals diesen Ort verlassen durfte.

Im Genießen steht Gastgeber Gieseking seinen literarischen Schwergewichten nicht nach. Ihre Texte ergänzt er um die Sicht des Ostwestfalen auf Kulinarisches, die späte, und dort fast zufällige Entdeckung von Zucchini und Auberginen. Und er deklamiert einen Lobgesang auf Miracoli.

Ein Abend für Genießer.

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