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Gieseking begrüßt zwei in mehrfacher Hinsicht gewichtige
Gäste, Wiglaf Droste und Vincent Klink, Literaten,
Köche und Feinschmecker.
Wiglaf Droste, Schriftsteller, Sänger und Kolumnist
aus Berlin gibt mit seinem Freund Vincent Klink, dem Meisterkoch
aus Stuttgart, »der mir eine ganz neue Welt, die der Kulinarik
eröffnete«, gemeinsam die Kampfschrift »Häuptling
Eigener Herd« heraus. Vierteljährlich erscheinen
Texte und Bilder unter dem Motto »Wir schnallen den Gürtel
weiter«. Droste und Klink sind beide Genießer, leidenschaftlich
in jeglichem Tun, Brüder nicht nur im Geiste.
Droste ist mittlerweile einer der wichtigsten und eigenwilligsten
Kolumnisten Deutschlands.
Immer streitbar, immer wieder böse, klar in der Analyse, brillant
im Wissen, überraschend in der Konklusion, hart gegen seine
Gegner. Dabei liebt dieser Mann vor allem die Sprache, die Literatur,
er ist leidenschaftlicher Leser und Kritiker. Wen er verehrt, dem
gehört sein Herz ganz.
Im März 2005 erschien sein erster Lyrikband »nutzt
gar nichts, es ist Liebe« (Reclam Leipzig). Droste ist
ein Berserker im Schaffen, getrieben von Ideen und Leidenschaften.
Das Singen kommt beinah an erster Stelle. Gemeinsam mit dem legendären
Essener Spardosen-Terzett ist er immer wieder auf Tournee, drei
CDs erschienen bisher, darunter das zauberhafte »Wolken ziehn«
(Roof Music). Seine große Liebe gilt dem Hörbuch und
dem Hörspiel, seine Ansprüche sind hoch, denn schon Vater
Droste sprach für seine Söhne ganze Bücher auf Tonbänder.
Als Zeichen größter Verehrung und Würdigung von
Peter Hacks nahm Wiglaf Droste zuletzt gemeinsam mit F.W. Bernstein,
Rayk Wieland und dem Saxophonisten Ernst-Ludwig Petrowsky ein Hörbuch
auf: »Der Bär auf dem Försterball - Hacks und Anverwandtes«
(Eulenspiegel Verlag).
Im Zentrum seiner Arbeit aber steht der Text, die Kolumne, die Literatur.
Mindestens wöchentlich schreibt er auf der Wahrheit-Seite der
taz, zahlreiche Bücher sind erschienen, seine Lesungen sind
Kult. Franz-Josef Degenhardt schrieb über ihn: »Aufrührerisch,
amüsant, anstößig, komisch, entzaubernd, provozierend,
apodiktisch, beleidigend, grantig oder bösartig das Widerwärtige
widerwärtig nennend, und das in bestem Deutsch.«
Vincent Klink ist nicht nur prominent als Fernsehkoch
(regelmäßig live im ARD-Buffet), sondern bekannt als
Kopf des Restaurants »Wielandshöhe« in Stuttgart.
»Kult« wie kürzlich »Der Feinschmecker«
lobte. Außerdem ist Klink dem Literarischen und Komischen
verpflichtet. Grundregeln der »Wielandshöhe« lauten:
»Wenn wir Traditionelles kochen, dann modernisieren wir diese
Gerichte absichtlich nicht. Maultasche muß Maultasche bleiben
und da gehört kein Lachs oder sonstiger Zeitgeist hinein. Dem
Ruf nach Raffinesse folgen wir nicht. Es ist schön, dem Zeitgeist
zu folgen. Schöner ist es aber, eine Antwort darauf zu haben.«
Klinks literarischen Aktivitäten haben gerade mit »CAMPUS
CULINAIRE« eine neue Zeitschrift für Esskultur
in Deutschland hervorgebracht. Zweimal im Jahr erscheinen gesellschaftskritische,
wissenschaftliche Nachrichten zur Kulinarik. Außerdem erscheinen
regelmäßig Beiträge in Klett Cottas »Kulinarischem
Almanach«.
Einmal im Jahr fahren Dichter, Karikaturisten, Zeichner, Wissenschaftler
und Autoren nach Stuttgart, um sich vom Patron der »Wielandshöhe«
bekochen zu lassen - als Entschädigung für die im »Häuptling
eigener Herd« honorarfrei erschienenen Texte und Zeichnungen.
Was den »Häuptling« von Zeitschriften wie dem
»Feinschmecker« angenehm unterscheidet, ist sein Understatement,
seine Ironie, seine politische Haltung. »Der Prestige-Gourmet
liest uns nicht«, sagt Klink, der aussieht wie Obelix und
ganz offenbar erfahrener Genießer ist. Außerdem ist
die Kampfschrift das einzige nicht essbare Produkt, das jemals diesen
Ort verlassen durfte.
Im Genießen steht Gastgeber Gieseking seinen
literarischen Schwergewichten nicht nach. Ihre Texte ergänzt
er um die Sicht des Ostwestfalen auf Kulinarisches, die späte,
und dort fast zufällige Entdeckung von Zucchini und Auberginen.
Und er deklamiert einen Lobgesang auf Miracoli.
Ein Abend für Genießer.
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