Die Literaturlounge, das ComicReading, ein Litera-Lough,
das SatireSofa, ein Abend als Komik-Komplott und Kollegen-Kompott.
Bernd Gieseking hat wieder zwei grandiose Gäste aus
dem Bereich der komischen Literatur, Fritz Tietz aus Hamburg
und Hartmut El Kurdi aus Braunschweig.
Die Messe ist noch nicht gelesen, die Jahresrückblicke werden
mit heißer Feder geschrieben und in die Tastaturen gehämmert,
hier aber treffen sich künftige Klassiker des Komischen zum
Miteinander in Kassel und Minden.
Fritz Tietz ist Gründungsmitglied des legendären
Satire-Magazins Dreck in Bielefeld, dann war er bei Titanic, dann
Kowalski, seit Jahren arbeitet er als TV-Autor und Kurzfilmer für
Extra Drei, Küppersbusch, Monitor und Polylux. Seine satirischen
Reportagen suchen ihresgleichen. Er schreibt für die taz-Wahrheit,
FR, Konkret, für WDR- und SWR-Hörfunk und sein neuestes
Buch "Zwischen Gourmetstation und Suppenhaarmuseum - Expeditionen
in die Provinz" (edition tiamat) ist ein Wunderbuch der satirischen
Reportage, überbordende Phantasie, Recherche und Groteske gehen
eine bezaubernde Verbindung ein.
Wiglaf Droste sagte kürzlich über Herrn Tietz:
"wunderbarer Mann, sieht unglaublich gut aus, also, Fritz Tietz,
sieht so aus wie Bruce Willis, wenn Bruce Willis noch'n bisschen
schöner wäre. Ganz elegante Komik die er hat und viel
zu gut, für das Medium, in dem er einige seiner schönsten
Sachen gemacht hat, nämlich das Fernsehen, sein Kurzfilme sind,
wenn dann noch Horst Tomayer als Hauptdarsteller dazu kommt, unglaublich
gut, da hab ich keine Problem damit, das Monty Pythons Flying Circus
an die Seite zu stellen, das ist unglaublich gut, und das ist so
offensichtlich. Ich würde mir'n Fernsehapparat anschaffen,
wenn ich wüßte, dass einmal in der Woche, einmal im Monat
ein Kurzfilm von Fritz Tietz läuft. Solange das nicht eintrifft,
brauche ich aber auch kein Fernsehgrät."
Der 1964 in Jordanien geborene und in Deutschland aufgewachsene
Hartmut El Kurdi erzählt in seinen Kolumnen und komischen
Kurzgeschichten von narkoleptischen Psychotherapeutinnen, bis unter
die Vorhaut tätowierten Möbelspediteuren, dem gewaltbereiten
schwarzen Block der Opernliebhaber, mehrmals gestorbenen und wiederbelebten
arabischen Großmüttern, tabledancenden Stadttheaterdramaturgen
und jordanischen Mahlzeiten an nordhessischen Resopalküchentischen.
Vor allem stellt er die entscheidenden Fragen des 21. Jahrhunderts:
Darf man den Harzer Roller ungestraft als "Goebbels unter den
Molkereiprodukten" bezeichnen? Ist es nach Kristiane Allert-Wybranitz
noch möglich, Gedichte zu schreiben? Sollte man als Halb-Araber
Grenzübertritte nur noch in Begleitung eines möglichst
dunklen Afrikaner wagen, um die Grenzbeamten abzulenken und so eine
Rektaluntersuchung auf Plastiksprengstoff zu verhindern?
El Kurdis Lesungen sind ebenso entspannt wie skurril. Zwischen seinen
Texten plaudert er sich charmant um Kopf und Kragen, stellt auch
schon mal Fragen zum Allgemeinwissen des Publikums oder verteilt
seltsame Sachpreise.
Hartmut El Kurdi lebt und arbeitet in Braunschweig als Kolumnist
(u.a. für die "taz"), Theaterautor, Schauspieler
und Regisseur und veranstaltet dort die Live-Lese-Literaturshow
"Lemmy und die Schmöker". Seine Schißhasenkomödie
"Angstmän" steht auf dem Spielplan vieler deutscher
Theater (u.a. auch des Staatstheaters Kassel). Für das gleichnamige
vom DeutschlandRadio Berlin produzierte Hörspiel erhielt er
den Deutschen Kinderhörspielpreis 2002 und den Vierteljahrespreis
der Deutschen Schallplattenkritik (2/2003). Buchveröffentlichungen
zuletzt: "Die Oma Patrouille" und "Mein Leben als
Teilzeit-Flaneur".
Bernd Gieseking, Gründer und Moderator der Literaturlounge,
arbeitet gerade an seinem Hörfunk-Feature "Ostwestfalien
Aliens" und daraus bringt er Interview-Sequenzen mit, außerdem
neueste Dichtungen und vor allem sein Ostsee-Tagebuch. 14 Jahre
nach Wiedervereinigung nähert Gieseking sich das erste Mal
der mecklenburgischen Küste. Hörgenuss und Musenkuss.
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