Donnerstag, 13. November 2003 um 20 Uhr
Giesekings Literaturlounge
Gäste: Fritz Tietz und Hartmut El Kurdi
   
Ort: Caricatura Galerie für Komische Kunst
  Bahnhofsplatz 1 - 34117 Kassel
Info: info@caricatura.de und 0561-776499
Karten: Reservierung und VVK in der Caricatura


Die Literaturlounge, das ComicReading, ein Litera-Lough, das SatireSofa, ein Abend als Komik-Komplott und Kollegen-Kompott.

Bernd Gieseking hat wieder zwei grandiose Gäste aus dem Bereich der komischen Literatur, Fritz Tietz aus Hamburg und Hartmut El Kurdi aus Braunschweig.

Die Messe ist noch nicht gelesen, die Jahresrückblicke werden mit heißer Feder geschrieben und in die Tastaturen gehämmert, hier aber treffen sich künftige Klassiker des Komischen zum Miteinander in Kassel und Minden.

Fritz Tietz ist Gründungsmitglied des legendären Satire-Magazins Dreck in Bielefeld, dann war er bei Titanic, dann Kowalski, seit Jahren arbeitet er als TV-Autor und Kurzfilmer für Extra Drei, Küppersbusch, Monitor und Polylux. Seine satirischen Reportagen suchen ihresgleichen. Er schreibt für die taz-Wahrheit, FR, Konkret, für WDR- und SWR-Hörfunk und sein neuestes Buch "Zwischen Gourmetstation und Suppenhaarmuseum - Expeditionen in die Provinz" (edition tiamat) ist ein Wunderbuch der satirischen Reportage, überbordende Phantasie, Recherche und Groteske gehen eine bezaubernde Verbindung ein.
Wiglaf Droste sagte kürzlich über Herrn Tietz:
"wunderbarer Mann, sieht unglaublich gut aus, also, Fritz Tietz, sieht so aus wie Bruce Willis, wenn Bruce Willis noch'n bisschen schöner wäre. Ganz elegante Komik die er hat und viel zu gut, für das Medium, in dem er einige seiner schönsten Sachen gemacht hat, nämlich das Fernsehen, sein Kurzfilme sind, wenn dann noch Horst Tomayer als Hauptdarsteller dazu kommt, unglaublich gut, da hab ich keine Problem damit, das Monty Pythons Flying Circus an die Seite zu stellen, das ist unglaublich gut, und das ist so offensichtlich. Ich würde mir'n Fernsehapparat anschaffen, wenn ich wüßte, dass einmal in der Woche, einmal im Monat ein Kurzfilm von Fritz Tietz läuft. Solange das nicht eintrifft, brauche ich aber auch kein Fernsehgrät."

Der 1964 in Jordanien geborene und in Deutschland aufgewachsene Hartmut El Kurdi erzählt in seinen Kolumnen und komischen Kurzgeschichten von narkoleptischen Psychotherapeutinnen, bis unter die Vorhaut tätowierten Möbelspediteuren, dem gewaltbereiten schwarzen Block der Opernliebhaber, mehrmals gestorbenen und wiederbelebten arabischen Großmüttern, tabledancenden Stadttheaterdramaturgen und jordanischen Mahlzeiten an nordhessischen Resopalküchentischen. Vor allem stellt er die entscheidenden Fragen des 21. Jahrhunderts: Darf man den Harzer Roller ungestraft als "Goebbels unter den Molkereiprodukten" bezeichnen? Ist es nach Kristiane Allert-Wybranitz noch möglich, Gedichte zu schreiben? Sollte man als Halb-Araber Grenzübertritte nur noch in Begleitung eines möglichst dunklen Afrikaner wagen, um die Grenzbeamten abzulenken und so eine Rektaluntersuchung auf Plastiksprengstoff zu verhindern?
El Kurdis Lesungen sind ebenso entspannt wie skurril. Zwischen seinen Texten plaudert er sich charmant um Kopf und Kragen, stellt auch schon mal Fragen zum Allgemeinwissen des Publikums oder verteilt seltsame Sachpreise.
Hartmut El Kurdi lebt und arbeitet in Braunschweig als Kolumnist (u.a. für die "taz"), Theaterautor, Schauspieler und Regisseur und veranstaltet dort die Live-Lese-Literaturshow "Lemmy und die Schmöker". Seine Schißhasenkomödie "Angstmän" steht auf dem Spielplan vieler deutscher Theater (u.a. auch des Staatstheaters Kassel). Für das gleichnamige vom DeutschlandRadio Berlin produzierte Hörspiel erhielt er den Deutschen Kinderhörspielpreis 2002 und den Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik (2/2003). Buchveröffentlichungen zuletzt: "Die Oma Patrouille" und "Mein Leben als Teilzeit-Flaneur".

Bernd Gieseking, Gründer und Moderator der Literaturlounge, arbeitet gerade an seinem Hörfunk-Feature "Ostwestfalien Aliens" und daraus bringt er Interview-Sequenzen mit, außerdem neueste Dichtungen und vor allem sein Ostsee-Tagebuch. 14 Jahre nach Wiedervereinigung nähert Gieseking sich das erste Mal der mecklenburgischen Küste. Hörgenuss und Musenkuss.

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