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Die Lange Lesenacht »12 Stunden bis zur Ewigkeit« möchte
Literatur vorstellen, die funktioniert wie ein guter Popsong. Oder
noch besser: wie ein gutes Mix-Tape. Mix-Tape, das ist bis in die
heutige digitale Zeit das polyphone Poesiealbum sammelwütiger
Popmusikconnaisseure auf Magnetband, die individuell zusammengestellte
Klangtapete für eine berauschende Liebesnacht oder das genaue
Gegenteil: das analoge liebestrunkene Anschmachten der unglücklichen
Liebe, kurz: die Breitbandmusik zum Breitbandfilm Leben.
Und so, wie sich die polyphonen Stimmen des Mixtapes zu einem Soundtrack
verbinden, so verbinden sich in den »12 Stunden bis zur Ewigkeit«
die sechs Stimmen der eingeladenen Autorinnen und Autoren zu einem
performativen Ganzen, das mehr ist, als die Summe der einzelnen
Teile. In ihrem Mix und dem komplexen Nebeneinander von Erhabenem
und Niedrigem, von Intellektuellem und Banalem entsteht eine Mehrdimensionalität,
die einen Raum öffnet für eigene Erfahrungen, in einer
Intensität, die nur in der Live-Situation des Vorlesens entsteht.
Wir haben drei Autorinnen und drei Autoren auf Grund ihrer Schreibweise
oder wegen ihres Sujets für unsere Mixtape-Nacht eingeladen:
Wir werden die Journalistin und Geheimagentin Jenni Zylka
undercover erleben; dem Sprach-Player Feridun Zaimoglu zuhören,
wie er mit Macht und Witz neue Sprachen und Textwelten kreiert;
Bas Boettcher dabei beobachten, wie er sich am Kreuzweg von
literarischem Experiment, Hip Hop-Skills und Spoken Word-Poetry
austobt. Wir werden etwas von Silvia Szymanskis lakonischen,
tieftraurigen und sehr komischen Geschichten aus der Provinz erfahren;
auf Karin Duves Pfaden durch das allzu Alltägliche skurriler
Obsessionen wandeln und bei Marcus Orths lernen, dass selbst
das Lehrerzimmer ein Raum für Satire sein kann.
Ein Mixtape aus Poesie und Prosa, Performance und Experiment, Wort
gewordene Musik und kunstvolle Alltagsgeschichte: Dies alles gerührt
und nicht geschüttelt, kunstvoll präsentiert im dritten
Teil der »12 Stunden bis zur Ewigkeit«.
Mit freundlicher Unterstützung des Hessischen Ministeriums
für Wissenschaft und Kunst, des Kulturamts der Stadt Kassel
und des Kasseler Kunstpreises der Dr. Wolfgang Zippel-Stiftung.
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