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Bernd Gieseking, Kabarettist und Autor aus Kassel, präsentiert sein fünftes Solo-Programm als ›Preview‹ an zwei Abenden im Oktober bei der Caricatura. Bei dieser Gelegenheit wird ein Live-Mitschnitt für seine CD produziert, die ab Dezember 1997 im Handel erhältlich ist. Wer also jetzt schon nach einem originellen Weihnachtsgeschenk sucht, sollte sich diese Chance auf keinen Fall entgehen lassen – denn wer kann schon von sich sagen, daß sein Lachen und Applaus auf einer CD zu hören ist?
Gieseking präsentiert seinen Perlentaucher in klassischem Kabarett-Stand-Up. Er taucht ab in seinen Fundus aus Texten, Szenen, Gedichten und Kuriositäten der letzten Jahre für Bühnen, Hörfunk und Fernsehen und holt echte Perlen an die Oberfläche. Schräge, komische, aktuelle und zeitgemäße genauso wie seine ›zeitlosen Klassiker‹. Er bezieht Standpunkte, wo es nötig ist. Mit großem Hang zu Komik und Nonsens läßt er seiner Sprachakrobatik freien Lauf. Seine Vierzeiler sind Legende.
Wer Gieseking kennt, erlebt hier noch einmal die Höhepunkte seines Schaffens, entdeckt aber vor allem viel Neues. Diejenigen, die Gieseking noch nicht kennen, erleben hier ein brillantes kabarettistisches Feuerwerk.
Da steht er auf der Bühne (»Klein und gemein«, Neue Westfälische, Bielefeld), verschmitzt, grinst und plaudert drauf los – über sich, über uns, über den Wahnsinn des Alltags, selbstironisch, direkt, schnell und präzise und doch immer wieder mit überraschenden Wendungen und spitzfindiger Logik. Gieseking – ein Meister der Improvisation – präsentiert pralles Leben auf der Bühne. »Bestechender Sprachwitz und erfrischende Spontaneität!«, wie die Lahrer Zeitung feststellte.
Worum geht es? Oft um scheinbar Nebensächliches, um dann von der Peripherie ins Zentrum zu stoßen, subversiv und philosophisch zugleich.
Giesekings Themen liegen auf der Straße, ob es sich um seinen Briefwechsel mit der AOK handelt oder um Reiseerinnerungen an Gomera. Eine literaturkritische Rezension der Zeitschrift ›Dekoratives Häkeln‹ steht neben der wissenschaftlichen Frage ›Geht die Sonne im Osten auf oder gehen wir im Osten unter?‹, das Zusammenleben mit einer Katze beschäftigt ihn genauso wie die Beschränktheit der Politik, denn Gedanken bewegen sich nur mit sechs Zentimetern pro Sekunde. Giesekings Verhältnis zu Kassel als gebürtiger Ostwestfale, das ›Erben‹ – natürlich erst, wenn die Eltern sterben, die Rechtschreibreform, die ›ReiseFrische‹ der Deutschen Bahn, Zwischenmenschliches und die Panik beim Zahnarztbesuch, der Wunsch eines jeden Autofahrers, einmal Erster zu sein im Stau – aber wie wenigen ist das bisher gelungen! – all diese Höhepunkte aus drei Jahren intensiver Hörfunk-Arbeit für den WDR und den HR sind Perlen, die Gieseking in atemberaubenden Tauchgängen an die Oberfläche holt.
»Bernd Gieseking ist ein begnadeter Conférencier und Entertainer. Ihm ist allerlei Kurioses, Absonderliches, aber auch Naheliegendes aufgefallen, und er hat es mit spitzer Feder kommentiert. Der da vorne parliert und schwadroniert so schön, gar nicht genug kann man davon bekommen. Das ist eine ganz eigene Form des Geschichtenerzählens. Das erinnert in seinen prickelndsten Momenten an das pardon der frühen Jahre. Und diese Form des Vortrags bekommt durch Giesekings engagierte und gekonnte Körpersprache, durch seine mit dem Text korrespondierende Schauspielerei eine Intensität, die das Publikum in seinen Bann schlägt«, Mindener Tageblatt, 1997 |