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Giesekings Jahresrückblick ist mittlerweile ein Klassiker, im 14. Jahr mit über 50 (meist ausverkauften) Tourneeterminen zwischen Kassel und Darmstadt, zwischen Dortmund und Rottweil, zwischen Frankfurt und Düsseldorf, zwischen Göttingen und Bonn. Satire, Komik, Kommentar und Nonsens über den alltäglichen Wahnsinn. Eine rasante Achterbahnfahrt durch die letzten 12 Monate.
Konfusion, der große ostwestfälische Weise, hat gesagt: „Das Schöne am Erinnern ist, es hilft gegen das Vergessen.“ Und mit diesem Motto und mit Konfusions Hilfe durchschreitet Gieseking das Jahr.
2007. Wir wurden „Weltmeisterin“. Frauen-Fußball- Weltmeisterin. Das war schon irgendwie demütigend, dass den Frauen gelang, was die Männer nicht schafften! Außerdem sind wir Handballweltmeister geworden, aber da ist ja gottseidank der Ball kleiner. Das kann man als Fußball-Fan gut ignorieren.
2007 war ein erfolgreiches Jahr für Deutschland. Wir bekamen einen Oskar, zwei Nobelpreise, Physik und Chemie, und die Tante von Gregor Gysi hat den Literaturnobelpreis bekommen! Doris Lessing. Angeblich Engländerin, aber der Name klingt so Deutsch, den schreiben wir einfach bei uns mit zu. Merkt doch eh keiner!
Die Telekom AG hat sich endgültig aus dem Sponsoring des Fahrrad Rennteams T-Mobile zurückgezogen, „weil sich immer mehr Profis beim Doping erwischen lassen.“ Auch das deutsche Kabarett hat einen herben Abgang zu verzeichnen: Edmund Stoiber. Weil keiner der CSU-Heroen Stoiber vom Platz zu schubsen in der Lage war, mußte eine an sich ganz sympathische Fürther Motorradfahrerin das machen. Danach zog sich Frau St. Pauli für ein Foto Stulpen-Handschuhe an, und die Republik tat so, als hätte der Papst die Soutane gehoben. Ach Gott, wie verrucht!
Eva Hermann war in aller Munde und äußerte sich auch über den Lokführerstreik der GDL: „Ohne Hitlers Autobahnen wären wir doch völlig aufgeschmissen gewesen!“
Der Siemens-Affäre und der VW Skandal zogen sich durch das Jahr und Bernd Gieseking führt „Die große VW-Oper“ auf. geschrieben, in 2 Akten, mit dem VW-Aufsichtsratsvorsitzendem Ferdinand Piech als dem Phantom dieser Oper, der in der Schlußszene zu Mephisto mutiert.
Außerdem kommt die Moritat von Heinz, dem Lokführer, zur Aufführung, Heinz – das Abitur mit 1, wollte sich nicht promovieren, der will nur Loks auf Gleisen führen. Und Gieseking deckt auf, was Klimakonferenzen noch gar nicht berücksichtigt haben: Die Kochshows auf allen Kanälen heizen den Treibhauseffekt nur noch mehr an. Und darum war Gieseking in der Arktis. Er war dort, wo’s schmilzt, in dem Land, in dem „Knut“ noch gegessen wird. Sein Reisebericht aus Nunavut/Kanada, dem Land der Inuit, ist faszinierend und komisch zugleich.
Ab dafür! Frech, schnell, sauber, komisch, aberwitzig und köstlich. Gieseking macht Schnitte, auf die mancher Metzger neidisch ist. Politik und Gesellschaft, die elektronischen Medien und die Tagespresse geben immer wieder Stichworte für Sprachwitz und Komik, für groteske Logik und verspielten Unsinn. Gereimt, geschüttelt und gerührt. Gieseking legt den Spülgang ein. Mal böse, mal verschmitzt. Politik zwischen Barzahlung und Blamagen, Persönliches und Persönlichstes, Tagebuchaufzeichnungen, Kurzmeldungen und der tägliche Irrsinn werden von Gieseking noch einmal in atemberaubendem Tempo in Erinnerung gebracht.
Bernd Gieseking, 2007
Weitere Informationen unter: www.bernd-gieseking.de |