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Jubel und Jubiläum. Zum zehnten Mal bereits, seit 1994, präsentiert
Bernd Gieseking seinen Jahresrückblick. Was mit 2 Vorstellungen,
angeregt und organisiert von der Caricatura Kassel, in einem Nebenraum
der Documenta-Halle begann, ist inzwischen jeweils eine zweimonatige
Tournee vor ausverkauften Häusern.
Irgendwann, meist so um den 31.12. ist es vorüber - das Jahr.
Da fehlt nur noch eins - die Bilanz. Giesekings satirischer Jahresrückblick
- Ab dafür! Jeweils im Dezember und Januar ist Gieseking
mit diesem Programm auf Tour. Satiren, Humoresken, Kommentare und
Nonsens über den alltäglichen Wahnsinn. Eine rasante Achterbahnfahrt
durch die letzten zwölf Monate.
Und nun? 2003? Deutschland sucht den Superstart. Aber der Motor
springt nicht an. Nur Michael Schumacher ist ins Ziel gekommen.
Und auch das denkbar knapp. Als Achter Erster geworden. Die Regierung
Schröder spielt solange im Sandkasten mit Reförmchen,
und die Opposition haut ihnen alles wieder kaputt. Nur die Olympiabewerbung
der Stadt Leipzig läuft dagegen wie geschmiert. Die meisten
Genossen reagieren verschnupft bei den Reformen. Das kann sich Friedmann
nicht mehr erlauben. Der wurde trocken gelegt und kommt frisch geföhnt
und nun nicht mehr mit gegelten Haaren.
Gieseking lässt das alles kalt. "Das mit der Rente
ist ne Ente" sagt er. Gieseking hatte per Post eine Rentenauskunft
bekommen, die er nicht haben wollte und hat festgestellt, daß
der austragende Postbote eine lohnendere Partie ist als er selber.
In seinem "Medientagebuch" trauert er um Antje, die Walrossdame
des NDR, hält im Supersommer 2003 Leergut zurück
und muß feststellen: 56% der Deutschen halten Aldi-Gründer
Theo Albrecht für wichtiger als Autoentwickler Ferdinand Porsche.
Dabei würden 98,6% lieber einen Porsche fahren als bei Aldi
einkaufen.
2003. Eine Entlassungswelle erfaßt das Land. Ole von Beust
entlässt Ronald Schill. Verteidigungsminister Peter
Struck entlässt General Günzel. Dieter Bohlen
entlässt Thomas Anders. Nein, anders. Eigentlich hat ja Herr
Hohmann von der CDU dafür gesorgt, dass Herr Günzel
entlassen wurde. Und dann hat Frau Merkel Herrn Hohmann ausgeschlossen.
Das war bis dahin ausgeschlossen.
Herr Mehdorn wurde nicht entlassen, bekam aber für "den
Fall, das" noch eine vorzeitige Vertragsverlängerung.
Vielleicht, weil die Deutsche Bahn im März 2003 den Innovationspreis
der Deutschen Tourismuswirtschaft bekam, obwohl Karneval schon vorbei
war.
LKW-Maut und Dosenpfand, das eine gibt es noch nicht, das andere
immer noch, beides aber ein Durcheinander erster Güte. Ein
Jahr großer Kontinuitäten. Der Krieg im Irak dauert an,
Jörg Schönbohm, Brandenburgs Innenminister sagte
dazu: "Nachdem der Krieg ausgebrochen war, war er unvermeidlich!"
Und das stimmt. Die Massenvernichtungswaffen, die der Kriegsgrund
waren, waren von Georg Bush entweder nicht gefunden oder
vom Iraker einfach zu gut versteckt worden. Aber wenigstens fielen
diesmal die Rosenmontagszüge nicht aus!
Vieles wird besser. Deutschland ist Exportweltmeister! Die Wirtschaft
floriert, denn deutsche Hennen legten ein Ei mehr als im Jahr zuvor.
Gieseking war im ICE unterwegs und ist im Speisewagen (italienische
Wochen!) Silvio Berlusconi begegnet und hat ihm Liebeslieder
abgelauscht. Überhaupt - die Kultur blüht. Deutschland
ist wieder das Land der Dichter und Denker. Daniel Kübelböck
ist auf Platz 16 der "wichtigsten Deutschen". Dieter Bohlen
ist auf Platz 1 der Bestsellerliste. Wolf Biermann, der nur
Russisch kann und kein Wort Englisch spricht, übersetzt Bob
Dylan. Und Bernd Gieseking hat Schröders Rücktrittstagebuch
gefunden. Ab dafür!
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