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Ausstellung ab 6. März bis 31. Mai 2004
»Mein Elsass«
Tomi Ungerer
 
  Ort: CARICATURA Galerie für
Komische Kunst KulturBahnhof

 

Geöffnet: Do/ Fr 14-20 Uhr und
Sa/ So/ Feiertag 12-20 Uhr

 

   

 

Tomi Ungerer, der »Euromane«, ist eine der imponierendsten Zeichnerpersönlichkeiten und gilt als Humorist-Satiriker von Weltklasse. Er hat eine ausgeprägte Neigung zur Absurdität und Provokation und bezeichnet sich selbst gern als einen "agent provocateur", als einen alles in Frage stellenden Unruhestifter. »Ich habe meine Heimat, kein Vaterland. Ich sage auch immer "Ich bin Elsässer", nicht Franzose und auch nicht Deutscher«, so Tomi Ungerer. Wie kein zweiter hat der populäre Künstler die wechselvolle Geschichte seiner Heimat als Prellbock zwischen Deutschland und Frankreich in sich aufgenommen und künstlerisch verarbeitet.

Tomi Ungerer wuchs zur Zeit der deutschen Besatzung im Elsass auf. Sein Lebenslauf führte ihn nach New York und nach Hamburg, schließlich nach Irland und zurück ins Elsass, das über Jahrzehnte zugleich Zankapfel und Bindeglied zwischen den misstrauischen Nachbarn am Rhein war und, so Ungerer »ein Europa in verkleinertem Maßstab ist«.

Tomi Ungerer wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Bundesverdienstkreuz für seinen Beitrag zum kulturellen Austausch und mit dem "Hans Christian Andersen Award for Illustration". Im Oktober 2000 wurde er vom Europarat zum Botschafter für Kinder und Erziehung in Europa ernannt. 2003 erhielt er den Erich Kästner-Preis. Heute lebt Ungerer mit seiner Familie im Südwesten Irlands und in Straßburg.
In den letzten 40 Jahren hat Ungerer rund 40.000 Zeichnungen angefertigt und über 140 Bücher veröffentlicht. Seine oftmals erotischen und gesellschaftskritischen Karikaturen wurden seit 1979 in über 100 Ausstellungen europaweit gezeigt.

Neben den Zeichnungen über das Elsass ist Ungerer bekannt für seine großartigen Kinderbücher, seine erotischen Zeichnungen und seine gesellschaftlichen Satiren. Um die Vielfalt des mannigfaltigen Schaffens anzudeuten, wurde die Ausstellung »Mein Elsass« um ein Kabinett mit erotischen Blättern des Künstlers erweitert.

Zur Ausstellung:
Die Ausstellung »Mein Elsass« umfasst 60 Originalwerke (Plakate, Skizzen und Zeichnungen) Tomi Ungerers aus Straßburger Museen. Sie erforscht die zwiespältigen und umfassenden Beziehungen, die der Zeichner zu seiner Heimat, dem Elsass, unterhält.

Immer wiederkehrendes Thema seiner Arbeit ist die für die Region besonders schmerzhafte historische Periode des zweiten Weltkrieges, die er selbst in seiner Jugend erlebt hat: in der sehr persönlichen Sichtweise seiner Illustrationen teilen sich Franzosen und Deutsche Verantwortung und Unrecht.

Ab 1957 kehrte Tomi Ungerer dem Elsass den Rücken. Nostalgische Gefühle vielleicht sogar Heimweh verarbeitete er in den malerischen Bildern des »Großen Liederbuches«. Hier entsteht ein mythisches und ideales Elsass. Feldarbeit, häusliche Szenen, Landschaften und Dörfer erinnern an den Stil eines Ludwig Richter und Gustave Doré.

In den Achtzigern verändert sich Tomi Ungerers Sichtweise auf seine Heimat. Sie wird kritischer und satirischer, auch wenn die positiven Seiten des Elsass, vor allem die Vorteile der französisch-deutschen Doppelkultur, und sein sprichwörtlicher Lebenshunger, weiter im Vordergrund stehen.

Seine heftigste Kritik bemängelt die Tatsache, dass das Elsass seine Möglichkeiten nicht nutzt: "Man muss sich fragen, ob das Elsass nicht direkt vom Mittelalter im Rentenalter gelandet ist", bemerkt er ironisch zu diesem Thema....."das schneckenhafte elsässische Wesen", welches den Elsässer in seinem Schneckenhaus einsperrt, ist neben anderen Beispielen, eines der beliebtesten Ziele seiner Kritik.

Daneben beschäftigt sich Tomi Ungerers Satire hauptsächlich mit der Rolle des Elsass in den französisch-deutschen und europäischen Beziehungen: "die Zukunft des Elsass wird die einer Region im neuen Europa der Regionen sein" sowie der Verteidigung der Zweisprachigkeit und der regionalen Identität, vor allem aber spricht aus seiner Arbeit die Zärtlichkeit, die Tomi Ungerer "seiner" Region entgegenbringt.

Tomi Ungerer über die Ausstellungsthematik:
Ein »No Man's Land« zwischen Frankreich und Deutschland mit zerspaltener Identität im Pendeln eines endlosen Hin und Her. Wie eine Toilette: immer besetzt und besessen. Was bin ich? Und jetzt! Ein Brückenkopf zwischen den Kulturen. Das Elsaß: eine schön geheilte Wunde auf der Karte Europas.