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Tomi Ungerer,
der »Euromane«, ist eine der imponierendsten Zeichnerpersönlichkeiten
und gilt als Humorist-Satiriker von Weltklasse. Er hat eine ausgeprägte
Neigung zur Absurdität und Provokation und bezeichnet sich
selbst gern als einen "agent provocateur", als einen alles
in Frage stellenden Unruhestifter. »Ich habe meine Heimat,
kein Vaterland. Ich sage auch immer "Ich bin Elsässer",
nicht Franzose und auch nicht Deutscher«, so Tomi Ungerer.
Wie kein zweiter hat der populäre Künstler die wechselvolle
Geschichte seiner Heimat als Prellbock zwischen Deutschland und
Frankreich in sich aufgenommen und künstlerisch verarbeitet.
Tomi Ungerer
wuchs zur Zeit der deutschen Besatzung im Elsass auf. Sein Lebenslauf
führte ihn nach New York und nach Hamburg, schließlich
nach Irland und zurück ins Elsass, das über Jahrzehnte
zugleich Zankapfel und Bindeglied zwischen den misstrauischen Nachbarn
am Rhein war und, so Ungerer »ein Europa in verkleinertem
Maßstab ist«.
Tomi Ungerer
wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Bundesverdienstkreuz
für seinen Beitrag zum kulturellen Austausch und mit dem "Hans
Christian Andersen Award for Illustration". Im Oktober 2000
wurde er vom Europarat zum Botschafter für Kinder und Erziehung
in Europa ernannt. 2003 erhielt er den Erich Kästner-Preis.
Heute lebt Ungerer mit seiner Familie im Südwesten Irlands
und in Straßburg.
In den letzten 40 Jahren hat Ungerer rund 40.000 Zeichnungen angefertigt
und über 140 Bücher veröffentlicht. Seine oftmals
erotischen und gesellschaftskritischen Karikaturen wurden seit 1979
in über 100 Ausstellungen europaweit gezeigt.
Neben den Zeichnungen
über das Elsass ist Ungerer bekannt für seine großartigen
Kinderbücher, seine erotischen Zeichnungen und seine gesellschaftlichen
Satiren. Um die Vielfalt des mannigfaltigen Schaffens anzudeuten,
wurde die Ausstellung »Mein Elsass« um ein Kabinett
mit erotischen Blättern des Künstlers erweitert.
Zur Ausstellung:
Die Ausstellung »Mein Elsass« umfasst 60 Originalwerke
(Plakate, Skizzen und Zeichnungen) Tomi Ungerers aus Straßburger
Museen. Sie erforscht die zwiespältigen und umfassenden Beziehungen,
die der Zeichner zu seiner Heimat, dem Elsass, unterhält.
Immer wiederkehrendes
Thema seiner Arbeit ist die für die Region besonders schmerzhafte
historische Periode des zweiten Weltkrieges, die er selbst in seiner
Jugend erlebt hat: in der sehr persönlichen Sichtweise seiner
Illustrationen teilen sich Franzosen und Deutsche Verantwortung
und Unrecht.
Ab 1957 kehrte
Tomi Ungerer dem Elsass den Rücken. Nostalgische Gefühle
vielleicht sogar Heimweh verarbeitete er in den malerischen Bildern
des »Großen Liederbuches«. Hier entsteht ein mythisches
und ideales Elsass. Feldarbeit, häusliche Szenen, Landschaften
und Dörfer erinnern an den Stil eines Ludwig Richter und Gustave
Doré.
In den Achtzigern
verändert sich Tomi Ungerers Sichtweise auf seine Heimat. Sie
wird kritischer und satirischer, auch wenn die positiven Seiten
des Elsass, vor allem die Vorteile der französisch-deutschen
Doppelkultur, und sein sprichwörtlicher Lebenshunger, weiter
im Vordergrund stehen.
Seine heftigste
Kritik bemängelt die Tatsache, dass das Elsass seine Möglichkeiten
nicht nutzt: "Man muss sich fragen, ob das Elsass nicht direkt
vom Mittelalter im Rentenalter gelandet ist", bemerkt er ironisch
zu diesem Thema....."das schneckenhafte elsässische Wesen",
welches den Elsässer in seinem Schneckenhaus einsperrt, ist
neben anderen Beispielen, eines der beliebtesten Ziele seiner Kritik.
Daneben beschäftigt
sich Tomi Ungerers Satire hauptsächlich mit der Rolle des Elsass
in den französisch-deutschen und europäischen Beziehungen:
"die Zukunft des Elsass wird die einer Region im neuen Europa
der Regionen sein" sowie der Verteidigung der Zweisprachigkeit
und der regionalen Identität, vor allem aber spricht aus seiner
Arbeit die Zärtlichkeit, die Tomi Ungerer "seiner"
Region entgegenbringt.
Tomi Ungerer
über die Ausstellungsthematik:
Ein »No Man's Land« zwischen Frankreich und Deutschland
mit zerspaltener Identität im Pendeln eines endlosen Hin und
Her. Wie eine Toilette: immer besetzt und besessen. Was bin ich?
Und jetzt! Ein Brückenkopf zwischen den Kulturen. Das Elsaß:
eine schön geheilte Wunde auf der Karte Europas.

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