HNA
Schimmel schiebt Nashorn
Rudi Hurzlmeiers Animalische Malerei in der Kasseler Caricatura

 

KASSEL. Das Bonmot des vor zehn Jahren verstorbenen Rock-Avantgardisten Frank Zappa, der Jazz sei nicht tot, er rieche nur ein wenig streng, lässt sich such auf den Surrealismus übertragen. Man kennt diese Schöpfungen, die - nicht ohne Erfolg - auf den Kunstmessen feilgeboten werden. Da werden ohne Sinn und Verstand Artefakte zusammengeworfen, die nicht zusammengehören, fertig ist das surreale Gemälde, und das nächste folgt sogleich.

Auf den ersten Blick verfährt Rudi Hurzlmeier (Ru Di Hu) mit seiner "Animalischen Malerei" nicht anders. Während jedoch viele Kollegen vor geheuchelter Bedeutung strotzen, zeigt Hurzlmeier dem Kunstkenner die Nase. Seine Ölkompositionen sind groß und wuchtig, mit fetten Farben gemalt und golden gerahmt. Von weitem hat man barocke Ahnungen, beim Nähertreten wird es surreal, und wenn man davor steht, entdeckt man liebevollen Schweinkram. Seine bevorzugten Motive sind Frauen, Pferde und Vögel, die sich in minutiös gemalten Bergpanoramen gar seltsam tummeln.

Ein Nilpferd durchkreuzt die Lichtung, indem es von einem Pferd angeschoben wird. Schmetterlinge umflattern das Paar. Hurzlmeier nennt das (Return of the Unicorn" (Rückkehr des Einhorns). Hier wird kein tieferer Sinn geheuchelt. Es gibt keinen. Auch Hurzlmeier bringt zusammen was nicht recht gehen will, aber: Es funktioniert. Mit dem Titel gibt Ru Di Hu Assoziationen vor, die die Lust Abgründiges zu entdecken, erstaunlich beflügeln.

Man erkennt zudem zahlreiche Anspielungen an berühmte Vorbilder. So erinnert Hurzlmeiers "Perlentaucherin" an die "Ophelia" des Präraffaeliten John Everett Millais von 1851, nur hockten auf deren Brustwarzen bekanntlich Frösche. Der Eindruck, den Hurzlmeiers Schöpfungen hinterlassen, ist überwältigend und im Bereich der komischen Kunst, ja der Kunst überhaupt, neu.

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