Rattelschneck

Zeichnen im Doppelpack

Über mir schwebte das Damenkloschwert. Ich hatte mich in der Tür geirrt.
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Rattelschneck ist ein meisterhaftes Zeichnerdoppel, berühmt für absonderliche Cartoons und famose Bildergeschichten der ganz eigenen Manier. Wer das Schicksal teilt, Kindheit oder Jugend in den 70ern durchlebt zu haben, wird sich an vielen Witzen besonders freuen - wer nicht, kann jedenfalls was lernen. Mit ethnographischer Akribie gräbt Rattelschneck bevorzugt im Fundus des Jahrzehnts, in dem Peinlichkeiten jedweder Art aufeinanderprallten. Eins aber ist sicher: besser als die Anthroposophenkinder mit Hanuta-, Fernseh- und Plastiktaschenverbot hatte es allemal der Durchschnittsbub mit Spiegelbrille und Bonanza-Rad, an dessen Hinterreifen der Eisstielmotor ratterte - auch wenn er sich in Gesellschaft seiner klappradfahrenden Eltern zu Tode schämen mußte. Was das Rattelschnecksche Werk auszeichnet, ist der durch nichts zu erschütternde Stoizismus krakeliger Verliererfiguren; hinzu kommen verblüffende Pointen und die besonders schönen Wortverdrehwitze. »Zu früh gefreut«, bescheidet der Chef hinterm Schreibtisch den begeistert durch sein Büro hiphopenden Azubis. »Ich sagte, ich bin euer Brotherr - nicht Brother.«

Bauarbeiter
Plakatmotiv

Gunter Hansen schreibt im Münchner Stadtmagazin: »Die ›Helden‹ - ob nonchalante Sympathieträger oder blöde Säcke - sind immer überzeugend. Die Zeichnungen bringen knapp und ohne großes Drumherum nicht nur einen Ausdruck, sondern wirklich das Gemüt der Figuren 'rüber.« Rattelschneck schreckt aber auch vor härteren Gangarten nicht zurück. Ohne Scheu vor Verstößen gegen political correctness stellt er auch garstige Kinderschänder, schmierige Onkels und jungsverführende Nachbarinnen ins Zentrum seiner Witze. Die Zeit schreibt über Rattelschneck: »Die Welt von Rattelschneck ist nicht nur kindlich, abgründig und erzieherisch äußerst wertvoll. Sie ist auch schlecht gezeichnet. Da wird geschlampt und geschmiert, und es spucken die Kugelschreiber vor sich hin. Dieses ästhetische Unvermögen freilich ist Ergebnis einer gediegenen graphischen Ausbildung ... Und es ist das, was die Kunstgeschichtsschreibung einen ›Stil‹ nennt, nämlich jener der caricature brute.«

Marcus Weimer und Olav Westphalen, geboren 1963 in München bzw. Hamburg, lernten sich an der Hamburger Fachhochschule für Gestaltung im Rahmen einer Gastprofessur von F.K. Waechter kennen. Über ihr Programm sagen sie selbst: »Rattelschneck ist keine Person, sondern ein Kollektiv; gegründet als utopisches Projekt«. Rattelschnecks Zeichnungen werden u.a. in Titanic, Kowalski, Zeit-Magazin und Wochenpost veröffentlicht. Im Lappan Verlag gibt es mehrere Cartoonbände.

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