Martin Perscheid

Martin Perscheid, Jahrgang 66, wird häufig in der Nähe von Köln gesichtet, wo er als Texter und Cartoonist sein Dasein fristet. Seine Cartoon-Serie »Abgründe« erscheint in über 50 Tageszeitungen und Zeitschriften, u.a. in der »Frankfurter Rundschau« sowie der »Süddeutschen Zeitung«, und der »Titanic«. Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Cartoon-Produzenten.

Der Künstler lüftet freimütig das Geheimnis seines Erfolgs: »Ich bekomme jeden Monat 40 Ideen von einem taiwanesischen Billig-unternehmen zugeschickt. Die 20 besten gehen nach Polen, wo ich meine Cartoons zu einem günstigen Preis zeichnen lasse. Die 20 schlechteren Ideen leite ich an Uli Stein weiter«. Ganz schön frech.

Na das ist doch klar: Wenn an einer Klospülung das Schild hängt: »Männer bitte Brille hochklappen«, dann schiebt der Herr seine Augengläser auf die Stirn und pinkelt durch den ausgeschnittenen Deckel in die Schüssel. Männer mit Übergewicht, Eierkopf und einer Nase, die wie eine fette Zigarre im Gesicht klebt, machen gewöhnlich keine Karriere. Es sei denn, sie spielen eine gewichtige Rolle in der Cartoonserie von Martin Perscheid. Der namenlose Herr hat Probleme beim Computerkauf, beim Braten von Fischstäbchen und mit Frauen sowieso. Vor allem aber weiß er nicht, wie man sich wäscht, was uns den wunderbaren Cartoon »Wenn Deppen duschen« beschert hat, den man in deutschen Badezimmern nicht mehr missen möchte.

Geradezu boshaft reduziert Martin Perscheid das Äußere seiner Figuren auf die denkbar negativsten Merkmale und stattet sie mit den gröbsten menschlichen Unzulänglichkeiten aus, die wir alle kennen - aber natürlich nur bei anderen. Aus dem Kontrast dieser Reduzierung einerseits und der grotesken Überhöhung andererseits ergeben sich Alltagsdramen, die den Leser Tränen lachen lassen.

»Abgründe« ist denn auch ein treffender Titel für all die dargestellten Dummheiten und Eitelkeiten. Von Martin Perscheid, der den Vergleich mit Gary Larson zwar nicht sonderlich liebt, ihn aber auch nicht zu scheuen braucht.

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