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Herr
Krüger, was bedeutet Ihnen malen?
"Diese Form der Kreativität ist meine Art, mich auszudrücken.
Ich glaube, das ist für mich ein Ventil, um Aggressionen los
zu werden. Malen und Zeichnen besitzen bestimmt für jeden Künstler
ein stark therapeutische Wirkung."
Erinnern Sie sich noch mal, wann Sie zum ersten Mal gezeichnet
haben?
"Da war ich wohl drei Jahre alt. Ich stamme aus einer künstlerisch
"vorbelasteten" Familie, daher wurde mein Zeichentalent
schon früh erkannt und gefördert."
Wie entsteht Ihren Händen ein Bild?
"Das Bild existiert zunächst im meinem Kopf. Ich male
dann so lange, bis das Bild auf der Leinwand mit meiner Vorstellung
identisch ist. Der Atelierboden ist mit Fotos der betreffenden Person
übersät."
"Die Person, die ich zeichne oder male sollte vor allem ein
interessantes Gesicht und Ausstrahlung besitzen. Ich versuche, alles
über die Person zu erfahren, sammle alle Informationen, die
ich über den- oder diejenige erhalten kann. Musiker male ich
besonders gern, denn mit ihnen kann ich mich gut identifizieren.
Ich schlüpfe in die andere Person hinein. Ein Bild trägt
für mich den Charakter eines Selbstpotraits, es drückt
immer auch etwas von mir aus."
Ist Sebastian Krüger ein kreativ-chaotischer oder eher
ein disziplinierter Künstler?
"Das hängt stark vom Bild ab. Ist der Zeitdruck groß,
etwa bei einer Auftragsarbeit, habe ich einen geregelten Tagesablauf
und erlege mir eine große Disziplin auf. Oft muss ein Motiv,
vor allem eine Karikatur, innerhalb von zwei Tagen nach Auftragserteilung
beim Kunden vorliegen. Wenn ich hingegen für mich selber male,
folge ich ausschließlich meinem Gefühl. Ich habe viele
Bilder im Kopf, aber sie müssen reifen, ehe ich damit beginnen
kann sie zu malen."
Sie sind als Karikaturist etabliert, haben sich aber auch als
Portraitmaler einen Namen gemacht. Wo liegt für Sie der Unterschied
zwischen Karikatur und Portrait?
"Ich nehme da eigentlich gar keinen Unterschied wahr. Für
mich sind die Übergänge fließend. Es verschieben
sich lediglich die Schwerpunkte."
Was reizt Sie an der Karikatur?
"Karikaturen sind überzeichnete Wahrheiten, gezeichnete
Satiren. Grundsätzlich interessiert mich bei einer Karikatur
die Frage, inwieweit ich ein Gesicht verzerren kann und die Betrachter
die Person trotzdem auf den ersten Blick erkennen. Für mich
ist die Karikatur gelungen, wenn die Leute sagen: "Um Gottes
Willen, nein!"
Wie reagieren die, die von Ihnen karikiert werden?
"Unterschiedlich. Manche reagieren gar nicht, andere wiederum,
rufen an, um mir das Bild abzukaufen. Häufig kommen Prominente
auf mich zu mit der Bitte, ein Portrait von Ihnen anzufertigen.
Zum Beispiel Manfred Krug oder Mike Krüger, für die ich
ein Plattencover gestaltet habe.
Herr Krüger, Sie besitzen eine große Nähe zu
dem Rolling Stones, sowohl in Ihrem Werk als auch persönlich.
Wie kam es dazu?
"Ich bin ein großer Stones-Fan. Das hat mit Keith Richards
angefangen, den ich früher sehr oft gezeichnet habe. Ende der
Achtziger mein damaliger Agent mit einer Arbeitsmappe von mir zum
Stones-Manager nach London geflogen. Richards fand sofort Gefallen
an den Bildern. 1990 gab es dann das erste Treffen mit Keith Richards
und Ron Wood im Backstage-Bereich. Wir haben uns auf Anhieb verstanden,
ich glaube, wir sind Soulmates. Ich besuche die beiden ab und zu."
Ab dem 10. Juni werden im Mövenpick-Foyer im Flughafen fünfzehn
Ihrer Werke zu sehen sein. Welchen Schwerpunkt haben Sie bei der
Auswahl der Motive gesetzt?
"Es ist natürlich schwer, bei dieser relativ geringen
Anzahl einen Querschnitt zu zeigen; ich habe aber versucht, einerseits
Bilder auszuwählen, die der ein oder andere schon mal gesehen
haben könnte und anderseits aber auch relativ unbekannte Arbeiten
von mir zu zeigen, die in das Foyer passen und Besucher dort interessieren
könnten."
Die Ausstellung ist ab dem 10. Juni bis 28. August 2003 im Foyer
des Mövenpick Konferenz Center in Terminal B am Hannover Airport
zu sehen. Öffnungszeiten mo. - fr. 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr,
sams. geschlossen, sonntags 10:00 Uhr - 17:00 Uhr.
Zu sehen sind Sebastian Krügers Werke außerdem vom 5.9.
bis 16.11 im Karikaturmuseum "Caricatura" im Kasseler
Hauptbahnhof unter dem Motto "Krügers Kapital", und
vom 18.5 bis 12.10 im Karikaturmuseum in Krems, Österreich,
mit dem Titel "Krüger Showdown".
Zum
Schluß eine Kurzbiographie:
Sebastian
Krüger wurde am 30. Juni 1963 in Hameln geboren. Nach seiner
Schulzeit begann er 1982 ein Studium im, Fach Malerei an der Hochschule
für bildende Künste in Braunschweig. Seit 1986 ist der
Künstler freiberuflich als Karikaturist, Illustrator und Maler
tätig. 1989 erschien die erste Publikation über seine
Arbeiten; weitere folgten, und seit 1992 sind auch Kunstkalender
von Krüger erhältlich. Er gestaltete Titelblätter
und Illustrationen für Zeitschriften wie Stern, Der Spiegel,
Capital, Musik-Express/Sound, Kowalski, Petra, L'Espresso, Playboy,
Penthouse. Überdies entwarf Krüger Covers für LP's
und CD's. Ausstellungen seiner Werke über die Rolling Stones
und die seiner Stars wurden im In- und Ausland gezeigt. Mit den
Rolling Stones verbindet Krüger seit vielen Jahren eine besondere
persönliche Freundschaft. Der Künstler lebt in Springe
bei Hannover.
Link auf Homepage: www.sebastiankrueger.com
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