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Marburg:
Ernst Kahl ist ein "Allround-Talent": Er malt, schreibt
Drehbücher und wenn´s sein muß, dann macht er auch
Musik
Ein
Blick auf den Terminplan der Marburger Komik-Tage macht deutlich,
daß der in Schleswig-Holstein aufgewachsene Maler, Zeichner,
Musiker und Autor eine zentrale Figur der alternativen deutschen
Komik-Szene ist: Gestern abend trat er mit Hardy Kayser im KFZ auf
(Bericht folgt) und gestern wurde auch sein Ausstellung in der Brüder-Grimm-Schule
eröffnet.
Dort sind 12 Arcylbilder des 46jährigen zu sehen, die zuletzt
von der Kasseler "Caricatura" in einer Ausstellung unter
dem Titel "121 Meisterwerke - Ernst Kahl und die Kunst"
gezeigt wurden. Die Marburger Schau anläßlich der Komik-Tage
ist eine Miniaturausgabe der Kasseler Ausstellung, aber gleichwohl
sehr lohnenswert- zumal die Bilder wohl letztmals in der Öffentlichkeit
zu sehen sind. Nach Auskunft eines Mitarbeiters des Marburger Literaturforums
sind sie alle bereits verkauft.
Kein Wunder: Kahl ist witzig, ketzerisch und ein ausgezeichneter
Maler. In der Brüder-Grimm-Stube vorgestellt wird beispielsweise
das großformatige Bild "Jesus zeigt Lenin seine Wundmale",
an gelehnt an ein Gemälde eines unbekannten Malers des sowjetischen
Realismus. Jesus - über ihm schwebt der Heiligenschein - hockt
mit dem ernst wirkenden Sozialisten an einem kleinen runden Tisch.
Er schmunzelt, wie die Apostel, die die Szene beobachten. Sie haben
ihren Spaß mit Lenin.
Er zitiere alte Meister, um Inhalte und Aussagen zu brechen, sagte
Kahl in einem Interview. Gefallen würde ihm, eines seiner Gemälde
im Gekreuzigtensaal der alten Pinakothek zu sehen, das "Jesus
mit einer Dornenkrone zeigt, in der ein kleiner Vogel nistet.
Sein "Jesus zeigt Lenin seine Wundmale" ist eine seiner
"Meisterüberraschungen", wie eine Kasseler Zeitung
seine Bilder bezeichnete.
Dies gilt auch für Kahls kleines Bild "Der Kampfhund"
aus dem Jahr 1991, in dem er entfernt Edvard Munschs "Marats
Tod" zitiert. Ein kleines Mädchen, gekleidet wie ein Puppe
mit sorgfältig gekämmten Haar, steht mit blutverschmiertem
Mund und weit aufgerissenen Augen in einer dunklen Nacht neben einem
Kampfhund, der alle viere von sich streckt. Sie hat ihn zerfleischt.
Ein "Bonbon" in der Ausstellung ist die Henkersmahlzeit":
Eine Ente, vielleicht Donald Duck, hockt an einem reich gedeckten
Tisch. Sie wird umlagert von 3 feinsten Gestalten: Einem Henkersknecht,
einem fetten Mönch und dem Wärter, der sie bedient. Die
Ente ist sichtlich guter Dinge, sie beachtet den schmunzelnden Koch
wohl nicht, der in der Türe steht und wartet.
"Komische, absurde Kunst" mache er, sagte Ernst Kahl in
einem Interview und beklagte zugleich den geringen Stellenwert,
den komische Kunst in Deutschland habe. In Deutschland messe man
"dem Pathetischen, dem Großen mehr Gewicht" bei.
Auch er mag Pathos - um es zu persiflieren.
Ernst Kahl, der in Zeitschriften und Magazinen wie "stern",
"Titanic" oder "Der Feinschmecker" veröffentlicht,
hat seit dem Überraschungshit "Wir können auch anders"
(Regie: Detlev Buck) auch einen Namen als Drehbuchautor, auch wenn
er es haßt, "ins Kino zu gehen".
Kahl
spricht am Samstag, dem 13.Januar, um 11.40 Uhr in der Alten Aula
über den Film "Wir können auch anders".
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