|
Der
Kulturbahnhof in Kassel ist auch ein Ausstellungsort. Die von der
Caricatura begründete Galerie für Komische Kunst kann
langfristig zum Museum werden.
Kassel.
Wenn man unter einem Museum einen Ort der dann soll und kann die
Galerie für Komische Kunst im Kasseler KulturBahnhof kein Museum
werden - nicht nur, weil in der Galerie auch gelacht werden darf.
Gleich in der Eingangszone ist eine Cafébar eingerichtet,
in der auch Pendler ihre Wartezeit überbrücken können.
Geschickt ist die Bar durch eine Holzwand vom Ausstellungsraum abgetrennt,
wobei kleine Fenster den Blick durch die Wand ermöglichen.
Die Kasseler Caricatura hat einen neuen Status erreicht. Nachdem
sie seit ihrer ersten Parallelschau zur documenta von 1987 an verschiedenen
Orten immer nur mit zeitlich begrenzten Projekten an die Öffentlichkeit
getreten war, ist sie nun im städtischen Leben fest verankert.
Aber nicht nur dort. Derzeit ist die von einem Verein getragene
Caricatura das einzige ständige Forum der Karikaturisten, die
als die "Neue Frankfurter Schule" hervorgetreten sind
("Pardon", "Titanic"). Die jetzt eröffnete
Galerie könnt also zum Archiv und gar Museum für diese
prominente Karikaturensparte werden. Andererseits hat die Caricatura
auch gute Kontakte zum Greizer Satiricum geknüpft, das über
die Zeit der DDR hinaus über eine einzigartige Spezialsammlung
Komischer Kunst verfügt.
Gute Voraussetzungen also, die nun begründete Galerie zu einem
Zentrum spöttischer Kunst mit bundesweiter Ausstrahlung werden
zu lassen. Auch der Start ist vielversprechend: Zur Eröffnung
wird das Werk des in Hamburg lebenden Künstlers Ernst Kahl
(Jahrgang 1949) vorgestellt. Diese Ausstellung macht plausibel,
warum der Begriff Karikatur für diese Art von Kunst nicht oder
nur zu kurz greift. Natürlich zeichnet Kahl auch Karikaturen,
die vom Einzelbild bis hin zur Comic-Serie reichen. Aber die sind
nur die eine Seite seines Werkes, denn Kahl malt dem Sinn für
das Komische und Spöttische auch faszinierende Gemälde.
Dabei nimmt er oftmals Sprachbilder beim Wort: Ein Hase badet seinen
Rücken genüßlich in Rotwein, und Kuchenstücke
fliegen zur Tortenschlacht.
Er ist eine Schau voller Anregungen, zumal Kahl viele seiner Bilder
nicht bloß mit dem ironischen Blick auf die Realität,
sondern auch auf die Kunst gezeichnet und gemalt hat. Nicht umsonst
heißt die Ausstellung: "121 Meisterwerke - Ernst Kahl
und die Kunst". (Bis 7.Januar)
|