HR 2, Radio Kurhessen, Journal am Mittag
2.11.1995
Autorin: Angela Fitsch
 

 

Seit bald zehn Jahren betreibt die CARICATURA in Kassel erfrischende und erfolgreiche Ausstellungs- und Veranstaltungsarbeit in den Bereichen Karikatur und Cartoon, Kritik und Komik. Mit der Galerie für Komische Kunst, die gestern abend im Rahmen der Feierlichkeiten zum KulturBahnhof eröffnet wurde, wird es nun in Kassel ein ständiges Forum für die Präsentation der Kunst von Karikatur und Satire geben, das als solches hessenweit einzigartig ist. 121 Meisterwerke der Komischen Kunst von Ernst Kahl bilden den Auftakt. Angela Fitsch war gestern abend dabei.

"Großer Bahnhof gestern auf dem KulturBahnhof. Zur Einstimmung auf die Eröffnung der Galerie für Komische Kunst der CARICATURA spielte die Band "Blech und Schwafel" schrille Töne. Das war komisch, sollte es auch sein, aber schließlich gab's etwas zu feiern und zu bewundern: 121 Meisterwerke von Ernst Kahl machen den Anfang. Hartgesotten muß man dabei schon sein, denn der Künstler nimmt so ziemlich alles auf die Schippe, was das Leben angeht. Sex, Gewalt, Alter, Sport und Tiere - kurios, bizarr und skurril. Die böse Botschaft taucht immer in seinen Zeichnungen und Malereien unter dem Deckmäntelchen des Komischen auf. Ob es das Bild vom Schlachter ist, der das allzu vermenschlichte Schwein grade abschlachtet, oder das Mädchen mit dem Kanarienvogel auf der Schulter, die da in einer Sprechblase sagt: "Ausländer ja, aber sie sollen Tiere sein", für deutsche Wohnzimmer können diese Szenen, pingelig mit Öl auf Leinwand gebracht, nicht grade den Platz des röhrenden Hirsches ersetzen. Ernst Kahl ist ein komischer Zeichner, der nicht nur komisch ist, sondern auch zeichnen und sogar dichten kann.

Ich hing mal ganz traurig in ner Bar am Tresen
und neben mir saßen zwei süße Friseusen.
Da sagte die eine: Ich kann Dich gut leiden,
und ich würd' gern bei mir Dir die Haare schneiden.
Ich fragte: Wie heißt Du? Sie sagte: Therese.
Sie war keine Ärztin, sie war nur ne Friseuse.

In der gestern eröffneten Ausstellung nimmt er sogar noch Bezug auf die Kunstgeschichte. Wahre Klassiker tun sich da im ersten Moment auf, doch beim näheren Betrachten sieht man, daß der Heilige Franziskus einen toten Fisch in der Hand hält statt, wie beim Original von 1639, in Meditation versunken ist. Ernst Kahl treibt's ziemlich weit. In der verkehrten Welt seiner Bilder tauchen Biedermänner und Teufel, Nonnen und Sensenmänner, Märchenprinzessinnen und undankbare Frösche auf. Komisch, oder? Ist er im richtigen Leben auch so?

Manche finden das schon, aber es lauert hinter der Maske des Frohsinns ja auch immer die leichte Melancholie.

Er malt und zeichnet für Konkret oder Titanic, arbeitet an Drehbüchern und fürs Fernsehen und probt, wenn er nicht grade die Filmmusik für Manta-Filme komponiert, mit seiner Hausband, der Trinkenden Jugend. Ein Mann für viele Fälle und grade der Richtige für die Galerie für Komische Kunst in Kassel, die seine Arbeiten noch bis zum 7. Januar zeigt, täglich von 12 bis 21 Uhr.

Zurück

Startseite