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Seit
bald zehn Jahren betreibt die CARICATURA in Kassel erfrischende
und erfolgreiche Ausstellungs- und Veranstaltungsarbeit in den Bereichen
Karikatur und Cartoon, Kritik und Komik. Mit der Galerie für
Komische Kunst, die gestern abend im Rahmen der Feierlichkeiten
zum KulturBahnhof eröffnet wurde, wird es nun in Kassel ein
ständiges Forum für die Präsentation der Kunst von
Karikatur und Satire geben, das als solches hessenweit einzigartig
ist. 121 Meisterwerke der Komischen Kunst von Ernst Kahl bilden
den Auftakt. Angela Fitsch war gestern abend dabei.
"Großer
Bahnhof gestern auf dem KulturBahnhof. Zur Einstimmung auf die Eröffnung
der Galerie für Komische Kunst der CARICATURA spielte die Band
"Blech und Schwafel" schrille Töne. Das war komisch,
sollte es auch sein, aber schließlich gab's etwas zu feiern
und zu bewundern: 121 Meisterwerke von Ernst Kahl machen den Anfang.
Hartgesotten muß man dabei schon sein, denn der Künstler
nimmt so ziemlich alles auf die Schippe, was das Leben angeht. Sex,
Gewalt, Alter, Sport und Tiere - kurios, bizarr und skurril. Die
böse Botschaft taucht immer in seinen Zeichnungen und Malereien
unter dem Deckmäntelchen des Komischen auf. Ob es das Bild
vom Schlachter ist, der das allzu vermenschlichte Schwein grade
abschlachtet, oder das Mädchen mit dem Kanarienvogel auf der
Schulter, die da in einer Sprechblase sagt: "Ausländer
ja, aber sie sollen Tiere sein", für deutsche Wohnzimmer
können diese Szenen, pingelig mit Öl auf Leinwand gebracht,
nicht grade den Platz des röhrenden Hirsches ersetzen. Ernst
Kahl ist ein komischer Zeichner, der nicht nur komisch ist, sondern
auch zeichnen und sogar dichten kann.
Ich
hing mal ganz traurig in ner Bar am Tresen
und neben mir saßen zwei süße Friseusen.
Da sagte die eine: Ich kann Dich gut leiden,
und ich würd' gern bei mir Dir die Haare schneiden.
Ich fragte: Wie heißt Du? Sie sagte: Therese.
Sie war keine Ärztin, sie war nur ne Friseuse.
In
der gestern eröffneten Ausstellung nimmt er sogar noch Bezug
auf die Kunstgeschichte. Wahre Klassiker tun sich da im ersten Moment
auf, doch beim näheren Betrachten sieht man, daß der
Heilige Franziskus einen toten Fisch in der Hand hält statt,
wie beim Original von 1639, in Meditation versunken ist. Ernst Kahl
treibt's ziemlich weit. In der verkehrten Welt seiner Bilder tauchen
Biedermänner und Teufel, Nonnen und Sensenmänner, Märchenprinzessinnen
und undankbare Frösche auf. Komisch, oder? Ist er im richtigen
Leben auch so?
Manche
finden das schon, aber es lauert hinter der Maske des Frohsinns
ja auch immer die leichte Melancholie.
Er
malt und zeichnet für Konkret oder Titanic, arbeitet an Drehbüchern
und fürs Fernsehen und probt, wenn er nicht grade die Filmmusik
für Manta-Filme komponiert, mit seiner Hausband, der Trinkenden
Jugend. Ein Mann für viele Fälle und grade der Richtige
für die Galerie für Komische Kunst in Kassel, die seine
Arbeiten noch bis zum 7. Januar zeigt, täglich von 12 bis 21
Uhr.
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