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»Die
bildnerische Seite der Scherzkultur«
Gespräch
mit Rudi Hurzlmeier
Bei der CARICATURA
ist zur Zeit Deine erste große Werkschau "Unhaltbar -
Hurzlmeiers komische Kunst" zu sehen. Fühlst Du Dich hier
am rechten Ort? Und was verbindest Du mit dem Begriff Komische Kunst?
Die Caricatura ist mittlerweile ein sehr bedeutender der weltweit
wenigen Orte, an denen Know-how und Idealismus für dieses Metier
vorherrschen. Wo könnte ich mich besser aufgehoben fühlen?
Meine sämtlichen Komplimente für die Kompetenz der Ausstellungsmacher(in).
- Komische Kunst meint die bildnerische Seite der Scherzkultur,
äquivalent etwa zu den darstellerischen Begriffen Komödie,
Komische Oper etc. Natürlich gehört im weitesten Sinn
alles von Karikatur über Comic bis zu lustigen Illustrationen
und meinethalben Jahrmarkts- und Geisterbahnmalerei zur komischen
Kunst. Freilich würde ich die journalistisch/ satirischen
Formen eher weniger - die literarisch/poetischen Formen eher mehr
als Kunst bezeichnen. Und natürlich kommt's (wie
überall) sehr auf die jeweilige Qualität an. Und wenn
was nicht lustig, sondern verschroben ist, dann ist's auch eher
Dada als komische Kunst.
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In Deiner
Biographie zählst Du eine ganze Reihe von Berufen auf, die
Du gemacht hast, u.a. Dressman, Tankwart, Hotelbuskoch und Kulissenbauer.
Was Dich als Zeichner und Maler betrifft, bezeichnest Du Dich als
Autodidakten. Wie wäre Hurzlmeier heute, wenn er die Kunstakademie
absolviert hätte?
Hätte gilt nicht. Wenn ich das wüßte, könnte
ich mir höchstens ins Fäustchen lachen oder müßte
mich in den Arsch beißen!
Wenn man die Medienszene beobachtet, taucht immer häufiger
Dein Name auf - in Titanic und Eulenspiegel, Stern, Penthouse und
vielen anderen Zeitschriften, in Büchern und auf Postkarten.
Auf welchen Feldern bist Du tätig?
Auf den dreien schon sehr. Werbung mache ich auch sehr gern. Natürlich
nur, wenn nützliche oder wohltuende Waren anzupreisen sind
und ordentlich was dabei herausspringt. Den Antiquitätenhandel
habe ich inzwischen ganz aufgegeben - eine reine Gaunerbranche!
Immer wieder mal was fürs Fernsehen - aber unsereins hat ja
nicht endlos Zeit zum Arbeiten. Man muß viel spazierengehen,
auf dem Sofa liegen, rumturteln etc., damit einem auch was einfällt.
Du hast als Ghost-Zeichner für die Fernsehserie Aus
heiterem Himmel gearbeitet - ist Dein Stil immer wieder anders,
je nachdem, in welchem Medium und Zusammenhang Du veröffentlichst?
In dieser Serie kamen in den ersten Folgen Science-Fiction-Comics
mit vollbusigen, halbnackten Amazonen vor. Sowas hatte ich noch
nie versucht. Ich besorgte mir entsprechendes Studienmaterial, kniete
mich hinein und entwickelte eine große Bewunderung für
die Meister dieses Faches. Seitdem hab ich einen schrägen Amazonen-Comic
im Hinterkopf.
Deinen Comic-Helden Alois nannte Ernst Kahl "den bayrischen
Werner, nur viel subtiler". Was ist das für eine Figur?
Er ist tot. Nihil nisi bene! Friede seiner Asche.
In der Ausstellung präsentierst Du Dich nicht nur als Maler
und Zeichner, sondern auch mit skurrilen Objekten, obskuren Automaten
und als Autor des Buchs Über das Lächerliche an
komischen Zeichnungen. Ist diese medienüberschreitende
Arbeitsweise typisch für die komische Kunst?
Tja hm ... ich glaub kaum. Sowas gibt's auch bei Musikanten und
Köchen. Die probieren auch viel aus. Nicht zu reden von Gärtnern
und Tierzüchtern. Mich selber treibt lediglich der Spieltrieb,
der beim akribischen Zeichnen zu kurz kommt. Das ist eine verflucht
anstrengende und bewegungsarme Angelegenheit. Entspannte, krakelige
Zeichnungen lassen sich schwer verkaufen. Deswegen mag ich sehr
die Malerei und jede Form von Abwechslung.
Siehst Du Dich in einer Tradition? Gibt's Vorbilder?
Regelrechte Vorbilder hab ich nicht, ich war ja bereits bald dreißig
und schon ein Individualist, als ich mich auf das Fach verlegte.
Allerdings fühlte ich mich seit den frühen 70er Jahren
stark von den Meistern der Neuen Frankfurter Schule
angesprochen. Große Bewunderung hegte ich auch - und tu's
noch - für Multikünstler, die sich vor nichts genieren,
wie Tomi Ungerer, Picasso und Ernst Kahl.
Und für stilsichere Großmeister wie Chas Addams, Sempé,
Deix, Sowa. In der Literatur bewundere ich eh jede(n), die/ der
einen Roman zusammenschrauben kann. Besondere Faibles habe ich uferlos.
Nächstes
Jahr findet zum 10. Mal die documenta statt, zum 3. Mal parallel
dazu die CARICATURA. Wie wünschtest Du Dir eine documenta
der komischen Kunst? Oder sollte man das gar nicht trennen?
Die documenta ist eine internationale Avantgarde-Show. Entsprechend
müßte man die internationale Avantgarde innerhalb des
komischen Bereichs heranziehen, um überhaupt einen solchen
Annäherungsversuch zu haben. Dafür fehlt wirklich die
weltweite Kommunikation und das Begriffsrüstzeug sowie eine
wenigstens ansatzweise Ahnung von der Sache bei den Medien. Die
documenta kann der komischen Kunst aber sehr hilfreich sein, einigen
Ehrgeiz zu wecken, um sich auf manchen Ebenen an das Präsentations-Know-how
der Avantgarde-Kunst heranzupirschen. Dafür wünsche ich
der Caricatura Lust und Laune, Kondition und Gönner mit weitgeschnittenen
Spendierhosen.
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