»UNHALTBAR«
Hurzlmeiers komische Kunst
  Eröffung: 20. September 1996, 19:30 Uhr
     
  Ort: CARICATURA Galerie für Komische Kunst
    Bahnhofsplatz 1, 34117 Kassel
     
  Ausstellungsdauer: 21.9. - 17.11.1996, Di. bis So.12 - 21 Uhr
     
  Beiprogramm: Do. 14.11.96: »Über das Lächerliche an komischen Zeichnungen« Buchpräsentation und Lesung mit Dias und Musik.
Interview Rudi Hurzlmeier
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  Presse zur Ausstellung      
  Vorwort im Buch      
  Vorwort Rudi Hurzlmeier      
 


Vom 21. September bis zum 17. November 1996 präsentiert die CARICATURA in der hessenweit einzigartigen Galerie für Komische Kunst in einer ersten großen Werkschau die Arbeiten des Cartoonisten Rudi Hurzlmeier. Rudi Hurzlmeier, 1952 im niederbayerischen Kloster Mallersdorf geboren, lebt heute mit seiner Familie in München. Seit zehn Jahren beschäftigt er sich autodidaktisch mit komischer Zeichnung und Malerei, nach abwechslungsreichen Berufserfahrungen u.a. als Tankwart, Dressman, Hotelbuskoch und Kulissenbauer. Schon bald waren seine Cartoons über die Grenzen der bayerischen Heimat hinaus bekannt und hochgeschätzt. In einschlägigen Magazinen wie Titanic und Eulenspiegel werden seine Werke regelmäßig veröffentlicht, ebenso in Stern, Penthouse, Gong und vielen anderen Zeitschriften. Hurzlmeiers Bibliographie umfaßt bislang 16 Bücher, Werke, die ebenso liebevoll lustig wie abgrundtief niederträchtig sein können. Zur Ausstellung erscheint in der CARICATURA Edition ein ganz besonderes Buch von Hurzlmeier, das über den Oldenburger Lappan Verlag vertrieben wird. Mit dem humoranalytischen Kompendium "Über das Lächerliche an komischen Zeichnungen" leistet Hurzlmeier das schier Unglaubliche: mit seinen Bildern bringt er die Leser zum Lachen und in seinen Texten sagt er ihnen, warum.
"Nicht von schlechten Eltern!" heißt ein liebenswerter Cartoonband, in dem dralle Kleinkinder und nervensägende Gören aufs Erfreulichste ihr Unwesen treiben und damit die Eltern in ein Wechselbad aus grenzenlosem Stolz und blinder Verzweiflung stürzen: Hurzlmeier, Vater zweier munterer Knaben und nach eigener Aussage in "sämtlichen Tücken der Brutpflege bestens bewandert", weiß, wovon er zeichnet. Dies ist aber nur eine Seite seines Œuvres. Was Hurzlmeier auszeichnet, ist die beeindruckende Fähigkeit zum überraschenden Wechsel der Perspektive: wo eben noch heitres Amüsement das Bild beherrschte, erscheinen die Dinge in anderen Zeichnungen plötzlich fremdartig und obskur. Sein umfangreiches Werk hat vielerlei Facetten, sowohl in technischer als auch in inhaltlicher Hinsicht. In fein ausgeführten Aquarellen, minimalistischen Strichzeichnungen, zarten Tuscheskizzen und bunten Comic-Strips beherrscht er die leichtfüßige Unterhaltung und den freundlichen Witz genauso meisterlich wie das Spiel mit dem Grauen, die Lust am Schock.
Hurzlmeier ist ein Experte des Genres von Grusel und Splatter, dies jedoch auf die charmanteste Art und Weise. Er habe eine "Poesie des Horrors" entworfen, befand das Fachblatt "comic speedline" angesichts des Bildbands "Friss oder stirb!". Wie surrealistische Traumsequenzen muten Zeichnungen an, in denen hinter eisgrauen Nebelwänden "unsagbar Grauenvolles" geschieht, wo Häuser Augen und Zungen haben, lange, schwarze Haare an Laternen und Kirchturmspitzen wuchern und ohrensammelnde Obduktions-Assistenten zugange sind. Der Tod in all seinen Spielarten ist dem Künstler Hurzlmeier vertraut, viele seiner Schauerstücke sind das Zeichnung gewordene Kreisler-Lied schlechthin. "Ja ja, denken Sie mal an! Aus reiner Langeweile habe ich alle diese unschuldigen Vögelchen stranguliert ...!!" gesteht betroffenen Blicks eine alte Dame in der U-Bahn, ganz offensichtlich selbst überrascht angesichts des sie umgebenden Fahrgast-Massakers. Hin und wieder erwächst aber auch Hoffnung aus dem Grauen: Als Skelett im Jägerstand sitzend dient der "Ornithologe im Ruhestand" einer Vogelfamilie als Nistplatz. Überhaupt die Tierwelt: unermüdlich ist Hurzlmeier als Schöpfer abstruser Kreaturen, und selten sind diese von der gutherzigen Art. Kopffressertermiten, Klumpfußschneegänse, quittengelbe Riesenkatzen und superintelligente Mörder-Hornissen bevölkern seine Bildwelten, spitzschnabelige Wachteln und krallenbewehrte Murmeltiere dräuen dem Wintersportler in heiler Bergwelt. Und wer garantiert dafür, daß sich in der Fischdose tatsächlich Ölsardinen befinden und nicht "etwas Anderes ... etwas Unerträgliches im Öl liegt"?.
Immer wieder merkt man den Cartoons die geographische und kulturelle Herkunft des Verfassers an: viel fließt in sie ein von der Kultur des Süddeutschen. Aus ländlich-bayerischem Katholizismus und wohl auch aus der Nähe zu Österreich erwächst Hurzlmeiers ganz spezieller Umgang mit den letzten Dingen, mit Angst und Tod, mit Wahn und Religion.
Die CARICATURA-Ausstellung zeigt über 150 Zeichnungen, Bildergeschichten und Gemälde von Rudi Hurzlmeier; darunter auch die handschriftlichen Original-Blättter des Buchs zur Ausstellung "Über das Lächerliche an komischen Zeichnungen". Der Künstler ist zur Eröffnung anwesend.

Das Buch zur Ausstellung:
Rudi Hurzlmeier "Über das Lächerliche an komischen Zeichnungen"

Daß Rudi Hurzlmeier sehr genau weiß, was er tut und wie alles zusammenspielt, zeigt er in seinem neuesten Buch, das die CARICATURA Edition zur Ausstellung im Lappan Verlag herausgibt. Das humoranalytische Kompendium "Über das Lächerliche an komischen Zeichnungen" könnte zum endgültigen Standardwerk in Sachen Komischer Kunst werden. Leichthin über Witzbilder lachen, ist das eine - ein anderes und ungleich komplizierter ist die Frage nach dem Warum. Kompetent und gründlich, aber stets im ansprechenden Plauderton beleuchtet der Autor Anhöhen und Abgründe seiner umfänglichen Materie. Nichts bleibt ungeklärt, sei's der Sympathiewert der Ente als Witzprotagonist, sei's das Wienerliedsummen des Rindes in seinem Wahn oder die Unfähigkeit des Tieres zu abstraktem Denken überhaupt. Hurzlmeier assoziiert und parallelisiert, daß es eine Pracht ist; von verschütteten Kindheitserinnerungen berichtet er und von verschütteter Milch: "Man kann sich an ihrem Rinnsal erfreuen, aber keinen Pudding mehr davon kochen." Auch scheut er sich nicht vor den Herausforderungen, die aktuelle Themen Tag für Tag an den verantwortungsvollen Zeichner stellen. Gewissenhaft widmet er sich dem Wesen politischer Porträtkarikatur und ihrer mannigfachen Fallstricke, schonungslos bekennt er eigene Fehltritte. In Wort und Bild führt Hurzlmeier heran ans Metaphysische, expliziert die optische Täuschung und verblüfft mit flirrenden Vexierbildern. Immer wieder gelingt ihm das schier Unglaubliche: mit seinen eigenen Bildern bringt er uns zum Lachen und in seinen Texten sagt er uns, warum. Kurz, Hurzlmeier trifft mit seinem scharfsinnigen und polyästhetischen Kompendium den Nagel auf den Punkt und stellt sich und uns aufs Neue stets die letztlich wichtigste aller Fragen: Was soll da dran lustig sein?

Rudi Hurzlmeier: Über das Lächerliche an komischen Zeichnungen.
CARICATURA Edition / Lappan Verlag. 48 S., ca. 24,90 DM.
Rudi Hurzlmeier: Unhaltbar! Cartoons. Lappan Verlag.

 

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