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Vom 21. September bis zum 17. November 1996 präsentiert die
CARICATURA in der hessenweit einzigartigen Galerie für Komische
Kunst in einer ersten großen Werkschau die Arbeiten des
Cartoonisten Rudi Hurzlmeier. Rudi Hurzlmeier, 1952 im niederbayerischen
Kloster Mallersdorf geboren, lebt heute mit seiner Familie in
München. Seit zehn Jahren beschäftigt er sich autodidaktisch
mit komischer Zeichnung und Malerei, nach abwechslungsreichen
Berufserfahrungen u.a. als Tankwart, Dressman, Hotelbuskoch und
Kulissenbauer. Schon bald waren seine Cartoons über die Grenzen
der bayerischen Heimat hinaus bekannt und hochgeschätzt.
In einschlägigen Magazinen wie Titanic und Eulenspiegel werden
seine Werke regelmäßig veröffentlicht, ebenso
in Stern, Penthouse, Gong und vielen anderen Zeitschriften. Hurzlmeiers
Bibliographie umfaßt bislang 16 Bücher, Werke, die
ebenso liebevoll lustig wie abgrundtief niederträchtig sein
können. Zur Ausstellung erscheint in der CARICATURA Edition
ein ganz besonderes Buch von Hurzlmeier, das über den Oldenburger
Lappan Verlag vertrieben wird. Mit dem humoranalytischen Kompendium
"Über das Lächerliche an komischen Zeichnungen"
leistet Hurzlmeier das schier Unglaubliche: mit seinen Bildern
bringt er die Leser zum Lachen und in seinen Texten sagt er ihnen,
warum.
"Nicht von schlechten Eltern!" heißt ein liebenswerter
Cartoonband, in dem dralle Kleinkinder und nervensägende
Gören aufs Erfreulichste ihr Unwesen treiben und damit die
Eltern in ein Wechselbad aus grenzenlosem Stolz und blinder Verzweiflung
stürzen: Hurzlmeier, Vater zweier munterer Knaben und nach
eigener Aussage in "sämtlichen Tücken der Brutpflege
bestens bewandert", weiß, wovon er zeichnet. Dies ist
aber nur eine Seite seines uvres. Was Hurzlmeier auszeichnet,
ist die beeindruckende Fähigkeit zum überraschenden
Wechsel der Perspektive: wo eben noch heitres Amüsement das
Bild beherrschte, erscheinen die Dinge in anderen Zeichnungen
plötzlich fremdartig und obskur. Sein umfangreiches Werk
hat vielerlei Facetten, sowohl in technischer als auch in inhaltlicher
Hinsicht. In fein ausgeführten Aquarellen, minimalistischen
Strichzeichnungen, zarten Tuscheskizzen und bunten Comic-Strips
beherrscht er die leichtfüßige Unterhaltung und den
freundlichen Witz genauso meisterlich wie das Spiel mit dem Grauen,
die Lust am Schock.
Hurzlmeier ist ein Experte des Genres von Grusel und Splatter,
dies jedoch auf die charmanteste Art und Weise. Er habe eine "Poesie
des Horrors" entworfen, befand das Fachblatt "comic
speedline" angesichts des Bildbands "Friss oder stirb!".
Wie surrealistische Traumsequenzen muten Zeichnungen an, in denen
hinter eisgrauen Nebelwänden "unsagbar Grauenvolles"
geschieht, wo Häuser Augen und Zungen haben, lange, schwarze
Haare an Laternen und Kirchturmspitzen wuchern und ohrensammelnde
Obduktions-Assistenten zugange sind. Der Tod in all seinen Spielarten
ist dem Künstler Hurzlmeier vertraut, viele seiner Schauerstücke
sind das Zeichnung gewordene Kreisler-Lied schlechthin. "Ja
ja, denken Sie mal an! Aus reiner Langeweile habe ich alle diese
unschuldigen Vögelchen stranguliert ...!!" gesteht betroffenen
Blicks eine alte Dame in der U-Bahn, ganz offensichtlich selbst
überrascht angesichts des sie umgebenden Fahrgast-Massakers.
Hin und wieder erwächst aber auch Hoffnung aus dem Grauen:
Als Skelett im Jägerstand sitzend dient der "Ornithologe
im Ruhestand" einer Vogelfamilie als Nistplatz. Überhaupt
die Tierwelt: unermüdlich ist Hurzlmeier als Schöpfer
abstruser Kreaturen, und selten sind diese von der gutherzigen
Art. Kopffressertermiten, Klumpfußschneegänse, quittengelbe
Riesenkatzen und superintelligente Mörder-Hornissen bevölkern
seine Bildwelten, spitzschnabelige Wachteln und krallenbewehrte
Murmeltiere dräuen dem Wintersportler in heiler Bergwelt.
Und wer garantiert dafür, daß sich in der Fischdose
tatsächlich Ölsardinen befinden und nicht "etwas
Anderes ... etwas Unerträgliches im Öl liegt"?.
Immer wieder merkt man den Cartoons die geographische und kulturelle
Herkunft des Verfassers an: viel fließt in sie ein von der
Kultur des Süddeutschen. Aus ländlich-bayerischem Katholizismus
und wohl auch aus der Nähe zu Österreich erwächst
Hurzlmeiers ganz spezieller Umgang mit den letzten Dingen, mit
Angst und Tod, mit Wahn und Religion.
Die CARICATURA-Ausstellung zeigt über 150 Zeichnungen, Bildergeschichten
und Gemälde von Rudi Hurzlmeier; darunter auch die handschriftlichen
Original-Blättter des Buchs zur Ausstellung "Über
das Lächerliche an komischen Zeichnungen". Der Künstler
ist zur Eröffnung anwesend.
Das Buch zur Ausstellung:
Rudi Hurzlmeier "Über das Lächerliche an komischen
Zeichnungen"
Daß Rudi Hurzlmeier sehr genau weiß, was er tut und
wie alles zusammenspielt, zeigt er in seinem neuesten Buch, das
die CARICATURA Edition zur Ausstellung im Lappan Verlag herausgibt.
Das humoranalytische Kompendium "Über das Lächerliche
an komischen Zeichnungen" könnte zum endgültigen
Standardwerk in Sachen Komischer Kunst werden. Leichthin über
Witzbilder lachen, ist das eine - ein anderes und ungleich komplizierter
ist die Frage nach dem Warum. Kompetent und gründlich, aber
stets im ansprechenden Plauderton beleuchtet der Autor Anhöhen
und Abgründe seiner umfänglichen Materie. Nichts bleibt
ungeklärt, sei's der Sympathiewert der Ente als Witzprotagonist,
sei's das Wienerliedsummen des Rindes in seinem Wahn oder die
Unfähigkeit des Tieres zu abstraktem Denken überhaupt.
Hurzlmeier assoziiert und parallelisiert, daß es eine Pracht
ist; von verschütteten Kindheitserinnerungen berichtet er
und von verschütteter Milch: "Man kann sich an ihrem
Rinnsal erfreuen, aber keinen Pudding mehr davon kochen."
Auch scheut er sich nicht vor den Herausforderungen, die aktuelle
Themen Tag für Tag an den verantwortungsvollen Zeichner stellen.
Gewissenhaft widmet er sich dem Wesen politischer Porträtkarikatur
und ihrer mannigfachen Fallstricke, schonungslos bekennt er eigene
Fehltritte. In Wort und Bild führt Hurzlmeier heran ans Metaphysische,
expliziert die optische Täuschung und verblüfft mit
flirrenden Vexierbildern. Immer wieder gelingt ihm das schier
Unglaubliche: mit seinen eigenen Bildern bringt er uns zum Lachen
und in seinen Texten sagt er uns, warum. Kurz, Hurzlmeier trifft
mit seinem scharfsinnigen und polyästhetischen Kompendium
den Nagel auf den Punkt und stellt sich und uns aufs Neue stets
die letztlich wichtigste aller Fragen: Was soll da dran lustig
sein?
Rudi Hurzlmeier: Über das Lächerliche an komischen
Zeichnungen.
CARICATURA Edition / Lappan Verlag. 48 S., ca. 24,90 DM.
Rudi Hurzlmeier: Unhaltbar! Cartoons. Lappan Verlag.
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