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Kennen Sie den?
"Herr Ober, in meiner Suppe ist eine Fliege..." Natürlich
kennen Sie den. Kaum ein Humorgenre ist so altbacken wie der Restaurantwitz,
in dem der Beschwerde führende Gast und ein herbeieilender
Koch zu müden Pointen genötigt werden. Der Cartoonist
Ari Plikat schafft es dennoch, ein derart abgestandenes Sujet wieder
lachbar zu machen. Bei ihm trägt der zornige Koch Bin-Laden-Bart
und Sprengstoffgürtel: "Dem Herrn hat's also nicht geschmeckt?"
Dem nörgelnden Esser entgleisen die Gesichtszüge so, dass
ihm in der wunderbaren Zeichnung gar der Mund abhanden kommt. Quod
erat demonstrandum: Auch in scheinbar toten Humorregionen lassen
sich noch gute Lacher finden.
Gegen
die Geschmacklosen
Dass man sich insbesondere beim Thema Essen und Trinken immer noch
ganz köstlich amüsieren kann, dies beweisen Vincent Klink
und Wiglaf Droste alle drei Monate in der von ihnen herausgegebenen
kulinarischen Kampfschrift Häuptling Eigener Herd. Der Starkoch
Klink und der Kolumnist Droste sehen ihr Traktat als eine "gedruckte
Keule", mit der die Autoren der Essays zum Rundumschlag gegen
dummselige Lifestylegourmets, Genussignoranten und alles irgendwie
Geschmacklose in der Kulinarik ausholen. Wesentlicher Bestandteil
der Vierteljahreshefte sind die Illustrationen eines von Ausgabe
zu Ausgabe wechselnden Zeichners aus dem Dunstkreis der komischen
Kunst - speziell aus dem Umfeld der Neuen Frankfurter Schule, darunter
Zeichner wie F. W. Bernstein oder der im vergangenen Jahr verstorbene
F. K. Waechter. Passend zum Erscheinen der 25. Ausgabe dieses Heftes
zeigt die Galerie Caricatura in Kassel unter dem Motto "Wir
schnallen den Gürtel weiter" eine Jubiläums-Schau
mit den besten Häuptlings-Zeichnungen aus sechs Jahren. Gemäß
der inhaltlichen Ausrichtung der jeweiligen Häuptlinge setzt
auch die Ausstellung ihre Schwerpunkte: So findet man etwa die Themen
"Fisch und Fleisch", "Wein und Wasser", "Brot
und Aufstrich" oder "Diät und magere Zeiten".
Das Bildermenü reicht dabei von den hinreißend opulenten
Gemälden Ernst Kahls - sein Kinderteller ist ein Highlight
- bis hin zu den bewusst krude gezeichneten Skurrilitäten des
Zeichnerdoppels Rattelschneck, den Cartoons Ari Plikats sowie einigen
kauzigen Bildern von Funny van Dannen, der sonst eher als sonderbarer
Songwriter bekannt ist. So verschieden die Werke in ihrer künstlerischen
Machart sind, so sehr unterscheiden sie sich auch in der Art des
Witzes - zwischen rustikal-deftig und feinsinnig-komponiert bietet
die Ausstellung ein üppiges Mahl für Auge und Hirn.
Diese Mischung von Naturalienkomik macht Appetit auf die Hefte der
Edition Vincent Klink. Zwar vermag nicht jedes der rund hundert
gezeigten Werke wirklich zum Schmunzeln zu verführen. Und ausgerechnet
die Cartoons von Rudi Hurzlmeier - 2004 wurde er mit dem Deutschen
Karikaturenpreis ausgezeichnet - fallen eher mau aus. Aber beim
Kochen gelingt schließlich auch nicht jedes Gericht.
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