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Kassel
(eig. Ber.). Der Papst tut's und hebt milde lächelnd sein zum
Segenskuß in den Matsch gedrücktes Haupt. Die Galeerensträflinge
tun's und legen sich begeistert in die Riemen. Auch die Beamten
und Spießbürger, Neonazis und Alt-Hippies, die da oben
und die da unten tun's: Sie denken positiv. Nur einer tut's nicht,
nämlich Gerhard Haderer, der sie mit seinen bissigen Bildern
verfolgt. Er gibt zu Protokoll: "Ich steh' mittendrin und bin
verzweifelt - aus dieser interessanten Gemütslage ergibt sich
dann meine Arbeit."
Die brachte ihm zwar so manche Beleidigungsklage ein, vor allem
aber eine begeisterte Anhängerschaft, die allwöchentlich
seine im "Stern" erscheinenden Bilder verfolgt. Die 100
besten Originalblätter aus den letzten zehn Jahren werden nun
in der Kasseler Caricatura-Galerie gezeigt. Ob Müllprobleme
oder Rinderwahn, ob ausgesetzte Opas, perverse Gartenzwerge oder
Dämlichkeit beim Bankraub per Computer, ob Ferien in Krisengebieten
oder Fremdenfeindlichkeit: Der 1951 geborene Österreicher stürzt
sich auf alles und jeden.
Die bitterbösen Erzählungen präsentiert Haderer in
strahlenden Acryltinten. Alle Töne mischt er aus den drei Primärfarben
und trägt sie mit dem Pinsel wie ein Aquarellist Schicht um
Schicht auf. So erlangen selbst die absurdesten Szenen des detailverliebten
Künstlers einen hohen Grad von Realismus. Sie wirken fast wie
dokumentarische Fotos, was gelegentlich noch durch kalkuliert eingesetzte
"Unschärfen" im Vorder oder Hintergrund betont wird.
Dieser
Artikel erschien so oder ähnlich auch in folgenden Tageszeitungen:
Darmstädter Echo - Main-Echo, Aschaffenburg - Neue Westfälische,
Bielefeld - Gießener Allgemeine - Landshuter Zeitung - Trierischer
Volksfreund - Allgemeine Zeitung, Mainz - Mannheimer Morgen
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