Mannheimer Morgen
Doppelt sehen mit Harald

 

Gerhard Haderer verfolgt die ganze normalen Zustände gnadenlos mit bissigen Bildern: "Ich steh mitten drin und bin verzweifelt - aus dieser interessanten Gemütslage ergibt sich dann meine Arbeit." Die brachte ihm so manche Beleidigungsklage ein, vor allem aber eine begeisterte Anhängerschaft, die allwöchentlich seine im "Stern" erscheinenden Cartoons verfolgt. Die 100 besten Originalblätter aus den letzten zehn Jahren werden noch bis 31. März in der Kasseler Caricatura Galerie für Komische Kunst gezeigt (im KulturBahnhof, Bahnhofsplatz 1 dienstags bis sonntags 12-21 Uhr, Katalog im Ueberreuter Verlag 69 Mark). Ob Müllprobleme oder Rinderwahn, ob ausgesetzte Opas oder perverse Gartenzwerge, der 1951 geborene Österreicher stürzt sich auf alles. Seine bitterbösen Szenen präsentierte er in strahlenden Acryltinten, gemischt nur aus den drei Primärfarben und mit dem Pinsel wie ein Aquarell Schicht um Schicht aufgetragen. So erlangen selbst die absurdesten Szenen einen hohen Grad von Realismus.
Unser Foto zeigt das Meisterwerk "Letzte Meldung: Harald Juhnke wieder nüchtern". In Wahrheit gibt der beliebte Entertainer hier freilich eine Anleitung zum Doppeltsehen.

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