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Die
Komische Kunst hat ihre besonderen Freunde, und deren Zentrum ist
Kassel. Dort organisiert der Verein Caricatura seit 1984 Ausstellungen
von Karikaturen, Cartoons und Bildergeschichten. Feste Adresse ist
seit einem Jahr die Caricatura Galerie im KulturBahnhof Kassel,
zumindest landesweit eine einmalige Einrichtung. Im documenta-Jahr
wird die Galerie ihrer Sonderstellung besonders gerecht: Zum dritten
Mal zeigt eine Querschnittsaustellung die Größen der
hintersinnigen Kunst.
Begonnen
hat alles 1984: Damals wurde der Verein zur Förderung, Unterstützung
und Verbreitung medienspezifischer Kultur und Kommunikation gegründet.
Hinter dem kompliziert anmutenden Namen verbirgt sich eine Gruppe
von Studenten, Zeichnern und anderen Kulturinteressierten, die es
sich zum Ziel gesetzt hatten der Kunstform Karikatur ein angemessenes
Forum zu schaffen. Pate standen von Anfang an namhafte Mitglieder
der renommierte Neuen Frankfurter Schule, ein in den 60er Jahren
gegründeter Zusammenschluß von Komikproduzenten in Wort
und Bild, die sich auf die Suche nach einem neuen Humorverständnis
machten, jenseits von dröger Pressekarikatur und albernen Illustrierten-Witzbildchen.
F.W. Bernstein und F.K. Waechter lehrten als Gastdozenten an der
Hochschule für Bildende Kunst in Kassel. Zu ihren Studenten
Achim Frenz und Andreas Sandmann, die heutigen Hauptakteure des
Vereins.
Bundesweite Bekanntheit erlangte die Initiative vor allem durch
die groß angelegten Querschnittsaustellungen CARICATURA I
und II in den Jahren 1987 und 1992 jeweils parallel zur documenta
in Kassel. Dieses Projekt ist seither fester Bestandteil im Kulturprogramm
der Stadt Kassel während der 100tägigen Kunstschau und
Höhepunkt in der Vereinsarbeit. Auch für diesen Sommer
ist eine große multimediale Sammelaustellung mit den Werken
zahlreicher renommierter Zeichner in Vorbereitung. Doch im Gegensatz
zu 1992, als sich die Caricatura - wie spätestens seit 1992
auch der Verein genannt wird - an mehreren Ausstellungsorten in
der Stadt präsentierte, konzentriert sich das Geschehen 1997
auf den Hauptbahnhof und seine unmittelbare Umgebung. Dabei profitiert
der KulturBahnhof davon, daß er inzwischen selbst zu einem
der documenta-Standorte aufgewertet wurde: Am KulturBahnhof beginnt
und endet der von documenta-Leiterin Catherine David konzipierte
Parcours, der die einzelnen Ausstellungen in der Stadt miteinander
verbindet und am 21. Juni 1997 feiert die Kunstwelt dort das internationale
documenta-Eröffnungsfest! Die Caricatura III kann also auf
gute Resonanz hoffen.
Aber auch ohne documenta-Jahr ist die Arbeit der Caricatura mit
der eines kleineren Museums vergleichbar. In mindestens fünf
Ausstellungen pro Jahr werden historische und aktuelle Arbeiten
aus den Bereichen Karikatur. Cartoon, Bildergeschichten, Comic,
Komische Zeichnung, Komische Malerei Objekte gezeigt. Dabei wechseln
thematische Ausstellungen und Werkschauen einzelner Künstler.
Derzeit fordert Gerhard Haderer: Think positive!". Eine Auswahl
von mehr als 100 farbenprächtigen Acrylbildern, angefangen
bei Werken aus den 80er Jahren bis hin zu aktuellen Arbeiten, gibt
einen Überblick über das Werk des österreichischen
Zeichners und Cartoonisten, dessen Cartoons jede Woche exklusiv
im "Stern" veröffentlicht werden.
Dem Publikum bieten die Caricatura-Ausstellungen auch die Möglichkeit,
auf andere Weise mit den Künstlern in Kontakt zu kommen. Das
gilt zum einen für Kunstliebhaber, die am Kauf von Originalblättern
interessiert sind: Zwar ist die Galerie für Komische Kunst
in erster Linie eine Ausstellungshalle und keine Verkaufsgalerie:
die Caricatura ist aber jederzeit gern bereit, den Kontakt zwischen
Künstler und Kunden herzustellen und beim Verkauf von Originalen
zu vermitteln. Bedient wird aber auch der Ausstellungsbesucher,
der nicht gleich ein Original erwerben möchte. In der Galerie
gibt es eine Verkaufsabteilung, wo dem Publikum ein besonderes Sortiment
ausgewählter Postkarten, Plakate, Kunstdrucke, Kataloge, Bildbände,
CDs und satirischer Literatur angeboten wird, das es in dieser Zusammenstellung
im regulären Buchhandel üblicherweise nicht gibt. Neben
Publikationen anderer Verlage sind hier auch alle Veröffentlichungen
aus der Caricatura Edition erhältlich. Die Caricatura Edition
gehört zu den renommiertesten Verlagen im Bereich der Publikation
von Bildsatire. Hier werden zahlreiche Postkarten, Plakate und Kunstdrucke
verschiedener Karikaturisten, mit denen die Caricatura besonders
eng zusammenarbeitet verlegt. Dazu gehören die Titanic-Zeichner
Achim Greser und Heribert Lenz, Ernst Kahl, Eugen Egner, Gerhard
Glück, Rudi Hurzlmeier und viele andere mehr. Den professionellen
Vertrieb über den Fachhandel organisiert die Northheimer Firma
modern times. Außerdem werden in der Caricatura Edition Ausstellungskataloge
und andere Bücher zum Thema Karikatur und Satire veröffentlicht.
Neben Ausstellungskatalogen zu Ernst Kahl und Rudi Hurzlmeier erschien
im vergangenen Jahr das umfangreiche Buch "Vremd & vertraut"
mit Cartoons und satirischen Texten zur deutschen Einheit. Mindestens
zweimal im Monat ergänzen satirische Lesungen. Kabarettabende
oder Konzerte das Programm. Einen besonderen Reiz erhält die
Kombination aus Ausstellungs- und Veranstaltungsarbeit nicht zuletzt
durch die tagsüber und abends geöffnete Caricatura CaféBar.
Zu deren Gästen gehören die Ausstellungsbesucher ebenso
wie Zugreisende oder Gäste. die die CaféBar unabhängig
vom Kulturangebot oder Reisegeschehen besuchen.
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