(k) Kulturmagazin
Caricatura

 

"Wir hatten eine Größe und Akzeptanz erreicht, die einen Schritt nach vorn zwingend machte", blickt Achim Frenz, einer der Macher der Caricatura, zurück. Aus diesem Zwang heraus, sich nach kontinuierlich zu nutzenden Räumlichkeiten umzusehen, entstand 1993 zusammen mit dem Filmladen eine Initiative, die letztlich zur Einrichtung des KulturBahnhofs führte. Dort hat auch die Caricatura ihren Sitz gefunden und ist nun mehr als ein fester Begriff, ein Ort, an dem sich diese Institution für Karikatur und Satire täglich der Öffentlichkeit stellt.
1984 wurde der gemeinnützige Verein zur Förderung, Unterstützung und Verbreitung medienspezifischer Kultur du Kommunikation als Sproß der freien Kulturszene gegründet. Mit dabei Achim Frenz aus Bremerhaven und Andreas Sandmann aus Braunschweig, Lehramtsstunden an der Gesamthochschule Kassel. Ihr Interesse an Karikaturen oder der komischen Kunst allgemein wurde während des Studiums durch die Begegnung mit F.K. Waechter ausgelöst, einem Mitbegründer der Satirezeitschrift "Pardon" und Zeichner bei "Titanic".
Seit nunmehr zehn Jahren veranstalten Frenz, Sandmann und ihre Mitstreiter Ausstellungen im Bereich Satire, Karikatur und Cartoon. Diese Präsentationen fanden im Fridericianum, im Kulturhaus Dock 4, im Museum für Sepulkralkultur, der docomenta-Halle oder auch im Brüder-Grimm-Museum statt. Bundesweit bekannt geworden ist der Verein vor allem durch die großen Ausstellungen Caricatura 1 und 2, die 1987 und 1992 jeweils zeitgleich zur documenta in Kassel stattfanden. Seit 1992 hat sich für die gesamte Initiative dann auch der Name Caricatura allgemein eingebürgert und ist zu einem Begriff geworden.
Ihr neues ständiges Domizil hat die Caricatura mit ihre Galerie für komische Kunst seit dem 1. November 1995 in der umgebauten ehemaligen Kleiderkammer der Bundesbahn gefunden. Rund 230 Quadratmeter Fläche erlauben auch umfangreiche Ausstellungen. Fünf veranstaltet die Caricatura pro Jahr. Außerdem gibt es eine Bühne für Kabarett, Lesungen und Konzerte.
"Die Alternative wäre gewesen, in eine andere Stadt zu gehen", sagt Andreas Sandmann, der sich mit Achim Frenz auch die Leitung des Kulturbetriebes teilt, der irgendwo zwischen Wirtschaftsunternehmen und kleinem Museum steht. Und dieser Betrieb, für den Stamm von zehn Leuten arbeitet, wandelt ökonomisch auf einem schmalen Grat. Durch die Caricatura, die einzige Galerie in Deutschland, die sich ausschließlich mit Komischer Kunst beschäftigt, ist Kassel zu einem wichtigen Zentrum für Karikatur und Satire in Deutschland geworden. Das belegen die hohen Besucherzahlen sowie die positiven Reaktionen in der überregionalen Presse. Doch da die Caricatura außer Projektförderung kein Geld von der Stadt erhält und wegen der finanziellen Misere der Kommune von dieser Seite auch nichts zu erwarten ist, steht das gesamte Projekt auf tönernen Füßen. "Bisher ist uns das Arbeitsamt wohlgesonnen", weist Frenz darauf hin, daß der Großteil der Lohnkosten über ABM-Maßnahmen aufgebracht wird. Weitere Gelder erwirtschaftet die Caricatura durch Eintrittsgelder, den Verkauf von Büchern, Postkarten, CDs, und T-Shirts, die Vermietung ihrer Räume für Tagungen, Pressekonferenzen oder Firmenfeiern sowie die Caricatura CaféBar.
Trotz dieses wackeligen Untergrundes, auf dem sich das Forum für Karikaturisten bewegt, ziehen Frenz und Sandmann nach zwölf Monaten im KulturBahnhof eine Positive Bilanz. "In dem ersten Jahr hatten wir mehr Besucher als manches städtisches Museum", freut sich Frenz darüber, dass die Galerie eine so große Akzeptanz erreicht hat, obwohl die Komische Kunst lange Zeit unterbewertet wurde. Etwas überraschender war daher auch die Resonanz durch alle Altersgruppen und Bevölkerungsschichten. Gut laufe auch die Vernetzung mit dem benachbarten Bali-Kino, dem die Galerie ihre Öffnungszeiten von 12 bis 21 Uhr von Dienstag und bis Sonntag angeglichen hat.
"Die Sachen, die wir ausstellen, sind nicht ausschließlich frech und fies, aber an Tabus ranzugehen, ist schon ein fester Bestandteil unseres Programms", erklärt Sandmann. So sucht sich die Caricatura ihren Weg genau zwischen den Karikaturen zu tagespolitischem Geschehen in der Presse und den Witzzeichnungen in diversen TV-Magazinen und Yellow-Press. "Mit beiden haben wir nichts zu tun", sagt Achim Frenz. Vielmehr widme man sich der bildlichen Seite der Scherzkultur, vergleichbar mit Komödie und Komischer Oper. Deshalb beschränken sich die in der Galerie ausgestellten Arbeiten nicht nur auf Karikaturen, sondern beziehen auch Malerei und Objektemit ein. Oftmals von Künstlern, die mit brillanter Technik die traditionelle Art von Malerei Absichten einsetzen.
Dabei kann man sich wieder bei der nächsten Ausstellung in der Galerie für Komische Kunst überzeugen. Diese wird am 24. Januar eröffnet und präsentiert mit dem "Stern"-Zeichner Gerhard Haderer, der auch persönlich anwesend sein wird, einen der profiliertesten Karikaturisten Europas.

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