KuBa-Magazin
Ausstellung
Gerhard Haderer: "THINK POSITIVE!"

 

Das neue Jahr begann bei der Caricatura mit einem echten Highlight: am 24.1. wurde in Anwesenheit des Künstlers die große Gerhard Haderer Werkschau mit über 100 meisterhaften Arbeiten des berühmten österreichischen Zeichners eröffnet. Unter dem Titel "Haderers Werkschau" werden die Cartoons jede Woche im stern veröffentlicht. Als Eröffnungsredner war Rolf Dieckmann der Leiter der stern Humorredaktion, zu Gast bei der Caricatura. Haderers Bilder gehören zum Stärksten, was das Genre zu bieten hat. Sie sind so witzig wie hintergründig, so aktuell treffend wie zeitlos komisch. Nicht umsonst erscheinen sie außer im stern in zahlreichen Büchern und Bildbänden und in so bekannten Magazinen wie Geo und Wiener, titanic, profil und trend. "Noch eitel feixende, doch längst verheerte Bodybuilder, die bald schon tot & chic sein werden, eine dumpf glotzende Familie, die auf einen Fernsehschirm starrt, auf dem eine dumpf glotzende Familie auf sie starrt; Bettler am Boden, die sich ihre Beins abschneiden, um Geld ergattern zu können - witzige, wütende, wehe Lebenszeichen, ersehen und nur wenig ersonnen, erfaßt und fast nicht erfunden, erfüllt von Gestalten des Alltags an der Grenze zum Alptraum: Das sind die Fußnoten, mit denen Haderer der Welt in den bequemen Hintern tritt. .....Wenn der nicht selten völlig verzweifelte Beobachter die scheinbar kleinen und großspurigen Landsleuten auf den Luftpinseln nimmt, wenn er Mediokres, Mieses und Makabres in trügerisch strahlendem Acrylglanz pointilliert - denn bei ihm steckt der Teufel auch im Detail - dann tut er dies nicht aus Feigheit vor gesalbten Häuptern, sondern um gesellschaftliche Mechanismen furchtlos freizulegen - und die wirken sich halt allemal bei uns da unten aus. Die da oben in ihrer Aufgeblasenheit oder Verlogenheit demaskiert er mit respektloser Ironie. "Haderer" sagt Haderer, "ist nur gut, wenn er aggressiv ist; er ist schlecht, wenn er sich wohl fühlt." ... Daß er - neben Manfred Deix und Gottfried Helnwein - der dritte im Bunde der jüngeren österreichischen Gesellschafts-Porträtisten ist, würde auch er nicht bestreiten, aber welchen Winkel er in der Höhle der tabubrechenden Sinnbilder für sich reklamiert, ist so leicht nicht zu sagen: "Ich sage nie: Ich bin Karikaturist", weil das ihn schon wieder einengen würde: "Zum Lachen zu bringen ist angenehm", nickt er artig, um pfeilschnell trotzig hinzuzufügen: "Sowas muß aber nicht sein." Lachen ist für ihn noch keine Qualität, "denn es gibt Maler, die Cartoons machen können, aber auch Cartoonisten, die nicht malen können". Schockieren allein genügt nicht, wenn sich dazu nicht Betroffenheit und Gültigkeit schlägt, aber ja keine Gelassenheit: "Ich habe mich noch nie gerühmt, die Position des abgehobenen Kommentators zu erreichen. Im Gegenteil: Ich steh mitten drin und bin verzweifelt - aus dieser interessanten Gemütslage ergibt sich dann meine Arbeit." Das Ärgste für ihn, der "sowieso eine schlimme Beziehung zu Gags" hat, wäre übrigens, "für einen Humoristen gehalten" zu werden. - Denn seit wann sind Röntgenbilder komisch."

Auszüge aus dem Vorwort von Reinhard Tramontana zum Haderer Buch:
"Think Positive - die besten Cartoons aus 10 Jahre<, 208 S., durchgehend vierfarbig. Ueberreuter Verlag, Wien 1996. DM 69.-

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