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In
einer großen Übersichtsausstellung präsentiert die
Caricatura das Werk des berühmtesten österreichischen
Zeichners und Cartoonisten Gerhard Haderer, dessen Cartoons in Deutschland
jede Woche exklusiv im "stern" veröffentlicht werden.
Zu sehen über den 100 farbenprächtige Acrylbilder, angefangen
bei Werken aus den 80er Jahren bis hin zu ganz aktuellen Arbeiten.
Gerhard Haderer, geboren 1951 in Leonding bei Linz, arbeitete zunächst
als Grafiker in der Werbung, bis er 1984 seinen Beruf aufgab, um
sich ganz der satirischen Zeichnung und Malerei zuzuwenden. "Ich
hörte einfach auf, Ramsch für die Kung-Fu-Welt zu produzieren",
erzählte Haderer 1994 in einem Berliner Stadtmagazin "zitty",
"ich wollte schon immer satirisch arbeiten, habe fortan alle
Werbeaufträge abgelehnt und nur noch Cartoons gezeichnet. Seitdem
lebe ich vergnügter." Der sofort einsetzende Erfolg gab
ihm recht: seine ersten Arbeiten erschienen im Blatt "Oberndorf
aktuell" und in der Satirezeitschrift "Watzmann".
Durch diese Zeichnungen wurde das österreichische "Spiegel"-Pendannt
"profil" auf ihn aufmerksam, ebenso das Satiremagazin
"Titanic" und der "stern", in dem Haderers Karikaturen
an exponierter Stelle seit 1991 regelmäßig erscheinen.
Haderers Bilder wurden oft mit den Arbeiten seiner österreichischen
Kollegen Manfred Deix und Gottfried Helnwein verglichen. Augenzwinkernder
Humor und ausgelassener Leichtsinn sind in dieser Sparte komischer
Kunst eher selten anzutreffen. Was vorherrscht, ist der erbarmungslose
Blick auf das Alltägliche, die akkurat gezeichnete Analyse
von Dummheit, Arroganz, Brutalität und Dekadenz. Haderer konzentriert
sich dabei nicht auf einzelne gesellschaftliche Gruppen oder Schichten,
in seinen Karikaturen beschäftigt er sich mit allen gleichermaßen:
mit hochrangigen Vertretern aus Politik, Klerus und Showbusiness
ebenso wie mit kleinkarierten Spießbürgern und durchgestylten
Modenarren, mit dumpfen Rechtsradikalen und korrupten Militärs
genauso wie mit scheinheiligen Gutmenschen und verwirrten Esoterikern.
Haderers Arbeiten leben jedoch nicht nur von eindeutiger gesellschaftlicher
und politischer Stellungnahme und wunderbar ausschmückenden
kuriosen Bildideen; was sie allesamt auszeichnet, ist die künstlerisch-handwerkliche
Perfektion, mit der sie angefertigt werden. Von seiner Ausbildung
und jahrelangen Tätigkeit als Werbegrafiker profitiert der
Karikaturist Haderer nicht nur im Bereich des künstlerischen
Handwerks. Die Bibeln der Warenwelt, Hochglanzprospekte, Warenkataloge
und Werbeplakate, inspirieren ihn auch inhaltlich. Vom Reklameproduzenten
ist er zum Reklameverwerter geworden, die detailgenauen Abbildungen
und bizarren Weiterentwicklungen von Gütern, Posen und Aussagen
aus der Welt des Konsums verleihen seinen Arbeiten den Bezug zur
Realität, der beim Betrachter auf Anhieb den Wiedererkennungseffekt
auslöst. Katalog: Think Positive! Die besten Cartoons aus 10
Jahren. Ueberreuter Verlag, Wien 1996,69 DM.
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