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"Think
positive" - positiv denken - heißt eine Ausstellung des
österreichischen Karikaturisten Gerhard Haderer in der "Kasseler
Caricatura".
Kassel
¦ Positiv denken fällt heute oft schwer. Trotzdem oder
gerade deshalb stellt der berühmte österreichischer Cartoonist
Gerhard Haderer, der regelmäßig im Magazin "Stern"
seine Cartoons veröffentlicht, seine neue Ausstellung unter
diesen Titel "Think positive". Jetzt wurde diese eindrucksvolle
Sammlung von Haderers besten Cartoons aus den letzten zehn Jahren
in der Caricatura in Kassels KulturBahnhof eröffnet.
Kennzeichnend
für alle Arbeiten ist die genaue Zeichnung, die detaillierte
Wiedergabe von Einzelheiten im Raum, die Differenziertheit in Gesichtern,
Typen und Gegenständen, die eine fotorealistische Wirkung erzielte,
wären da nicht die bitterbösen Übertreibungen, die
karikierenden Zuspitzungen und der abgründige Humor, der die
Normalität erst auf den zweiten Blick entlarvt.
In
Bildern lesen
"Der vordergründige Witz liegt mir nicht, ich möchte
mit meinen Bildern Geschichten erzählen", sagt Haderer
und erwartet von seinem Publikum, "dass es in meinen Bildern
liest wie in einem aufgeschlagenen Buch." Bei ihm werde Sprache
durch Bilder ersetzt, und eine gewisse Bildung müsse der Betrachter
schon mitbringen, um alle Andeutungen und Querweise zu erkennen.
Erst dann wird einem das volle Vergnügen an Haderers satirischen
Humor zuteil. Um alle Ebenen der kritischen Entlarvung zu entdecken,
muss man sich Zeit nehmen, denn Haderer baut um die Hauptaussage
kleine Nebengeschichten, die in den Details der Zeichnung versteckt
sind, und den Kern der Geschichte erweitern oder gar zusätzlich
persiflieren.
Das "Spazierengehen" im Bild macht Spaß, weil man
immer mehr Varianten des schwarzen Humors entdeckt. Häufig
kommt es sogar vor, dass man kuriosen kleinen Dinge sieht und sich
daraus wie aus Puzzlestücken die Gesamtaussage zusammensetzen
muss, bis dann der erlösende Aha-Effekt eintritt. Das freut
den Künstler, denn er will, dass der Betrachter sich Zeit nimmt
und im Gegensatz zur längst üblich geworden 3-Sekunden-Bildwechsel
Sehmentalität sich wieder wirklich auf ein Bild und seine Aussage
einläßt". Die köstliche Ideenvielfalt, die
er in seinen mit Acryltinte und Airbrushtechnik auch farblich sehr
fein ausgestalteten Cartoons versteckt, belohnt jeden entdeckungsfreudigen
Betrachter.
Schwierigkeiten
auf der Suche nach neuen Themen hat er nicht: "Fast alles habe
ich irgendwie schon gesehen oder erlebt. Dann mache ich dazu kleine
Skizzen, die die Kernaussagen festlegen und gehe sehr schnell zur
farbigen Gestaltung über. Die vielen zusätzlichen Ideen
entwickeln sich dann während des Arbeitsprozesses. Zeichnen
ist für mich äußerst produktiver, lustvoller Vorgang"
- wie auch der des Betrachtens seiner wundervollen Arbeiten. Zur
Ausstellung ist auch ein Katalog unter dem gleichen Titel erschienen.
(bis 31.3.1997)
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