HNA
Zu Gast in Kassel
Gerhard Haderer, Cartoonist

 

Warum eigentlich nicht: Dieser Mann hatte eine unauffällige Kindheit in Linz, weshalb er ein Protestlied schrieb. Das Stück "Ich kann keine Befriedigung erlangen, hey, hey" kam dem großen Sänger Jagger zu Ohren, er übersetzte es ins Englische und beschäftigte unseren Mann fortan als Kammbläser in seiner Band. Mit "I can ´t get no satisfaction (hey, hey, hey)" eroberten sie die Welt, aber unser Mann wurde des Kammblasens müde und verlegte sich aufs Zeichnen.

Wahr ist das nicht, was Rolf Dickmann vom Humorressort des "Stern" am Freitag abend in der Caricatura über den Cartoonisten Gerhard Haderer erzählte. Aber von der Tendenz würde es in einen Lebenslauf passen, der die Stationen Gebrauchsgrafiker, Graveur, Schlagzeuger, Auslagendekorateur, Milchflaschenreiniger, Panoramakarten-Zeichner aufweist. Cartoonist steht auch drin, an bisher letzter Stelle und mit der Angabe "seit 1984" davor. Da hatte Haderer die Nase voll davon, nette Bildchen für Werbebroschüren zu zeichnen, verbrannte sein Oeuvre und wurde Karikaturist. Seither macht der 46jährige "nur noch das, was mich freut."
Das ist schön früh für ihn, und da er damit den eigenen Lebensunterhalt, den seiner Frau, von vier gemeinsamen Kindern und eines ebenfalls gemeinsamen Kleintierzoos bestreitet, hat das auch noch einen Nutzwert. Dieser endet nicht vor der Haderschen Haustür am Attersee, die Leser einiger österreichischer Magazine, die des "Stern" und der "Titanic" profitieren ebenfalls davon.

Denn Haderer erzählt ihnen pro Cartoon eine Geschichte aus seiner fortlaufenden Chronik des Alltagswahnsinns. Jeder bekommt sein Fett weg: Fitnessfanatiker, Autonarren, Rechtsradikale, Esoteriker, Jäger, Pfarrer, und Spießer von nebenan. Das sind die Megaperls aus dem Karikaturen-Schatzkästlein Mitteleuropas - jeder Cartoon beinhaltet das Grauen in konzentrierter Form und befreit schöngefärbte Wirklichkeitsbilder von Rosarot-Tönen. Garantiert. Mehrmaliges Hinschauen erhöht die Wirkung - denn Haderer ist Detailpedant.

Ja, das stimme, nickt er erbarmungsloser Zeichner, aber schüchterne Sprecher, jede Antwort klingt wie eine Rechtfertigung seines Tuns. Er halte immer die Augen offen und da falle ihm nach und nach immer noch etwas ein, "was sofort ins Bild reinmuss". Das freut viele, aber nicht alle. Es gab schon diverse Morddrohungen nach Veröffentlichung von kirchlichen und waidmännischen Themen. Jüngster Skandal: Das Bild von der Bethlehem-Krippe mit der Josef Sprechblase: "Die gute Nachricht: Es ist weiß....". Das Baby in der Krippe ist weiblich. Haderer sein schlaues Fuchs lächeln und sagt, da habe er wohl wieder einmal einen wunden Punkt getroffen. Dabei "male ich ja nicht mit Salzsäure im Pinsel". Das ist nicht nötig.

Die Ausstellung, die bis zum 31. März in der Caricatura zu sehen ist, heißt übrigens "Think positive" - denk positive.

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