HR4 NORDHESSEN JOURNAL  

 

Er ist ja ein bekannter Mann, der österreichische Cartoonist Haderer, bekannt vor allem als Hauszeichner des Magazins STERN. In der Kasseler Caricatura im KulturBahnhof, also dem ehemaligen Kasseler Hauptbahnhof, wird heute seine große Werkschau "Think positive!" eröffnet. Haderer wird am Abend bei der Eröffnung anwesend sein, für Petra Nagel hat er sich schon eher Zeit genommen. Sie steht jetzt mit dem Übertragungswagen am KulturBahnhof und hat sich wahrscheinlich die Schau schon mit dem Künstler zusammen angeschaut.

HR4: Ja, hab ich hab's sie schon angeschaut, und ich hab' auch schon herzlich gelacht, und ich hab' auch schon einen Lieblingscartoon. Der heißt >Vanessa< - das muss ich vielleicht mal ganz kurz erklären: da sitz eine doch recht verhärmt aussehende Frau auf einem Designersofa, und dann ist alles out, was sie hat: die großen Marmoreier sind out, und die Windspiel-Wuffis, und ein verhärmtes Windspiel - also ein Hund - sitzt vor ihr. Und das hab ich dem Herrn Haderer gerade erzählt, und der hat was Interessantes dazu gesagt.: "Vanessa" ist ein Lieblingskind von ihm.
Haderer: Es ist das deklarierte Lieblingsbild meiner Frau - so isses. Sie hat einfach eine unglaubliche Beziehung zu diesem Thema, ich laß es mal offen, warum das so ist. Aber es liegt natürlich auf der Hand: wenn man sich wirklich an Windspiel-Wuffis und an etliche Design-Geräte klammert, dann kann man schon mal Probleme bekommen damit.

HR4: Lachen Sie eigentlich, wenn Sie Ihre Cartoons herstellen - vorher oder hinterher?
Haderer: Ja, das ist das schöne Klischee: da sitzt jemand am Schreibtisch und lacht den ganzen Tag. Eine Zehntelsekunde täglich bin ich witzig, und der Rest ist Handwerk. So isses bei mir in Wirklichkeit.

HR4: Ihre Zeichnungen sind ja sehr aufwendig gemacht, sehr schöne Cartoons, sehr schöne bunte Bilder, sehr viel Einzelheiten, sehr detailgetreu, und in einer besonderen Technik gemalt. Die müssen Sie mir mal erklären, die hat was mit Acryl zu tun.
Haderer: Ja, das ist Acrylmalerei, verbunden mit Airbrushtechnik, also einfach gesagt, ist das der Schlüssel zu meiner Technik. Es ist sehr viel Training dahinter. Ich mach das ja schon einige Jahre lang. Es geht einigermaßen geläufig von der Hand, so das ich wirklich auch noch Lust und Spaß an der Arbeit haben kann.

HR4: Wie wird man Cartoonist, und wie kommt das, dass man dann irgendwann auch noch davon leben kann?
Haderer: Wie wird man Cartoonist? Eigentlich war ich immer schon einer, hab's aber nicht immer ausgeübt. Fünfzehn Jahre lang hab ich für die Werbung gezeichnet und illustriert. Dann hab ich irgendwann gemerkt, dass ich was im Kopf hab, was mir mehr Spaß macht, und hab's dann einfach von einem auf den anderen Tag in meiner Technik, die wir schon besprochen haben, so umgesetzt, dass ich selber Freude dran hatte, also Bilder geschaffen, die meinem zeichnerischen Anspruch entsprochen haben und gleichzeitig dieses Quentchen an österreichischen Humor, an Schmäh hatten, von dem ich glaub, dass ich ihn heute noch immer transportierten kann.

HR4: Zum Teil sind die Cartoons ja relativ boshaft - malen Sie sich damit auch einfach Dinge von der Seele, die Sie ärgern, die Sie aufregen? Wir kennen sie ja alle aus dem STERN, das sind ja immer diese Figuren, die nicht gerade sympathisch sind, diese Muskelprotze zum Beispiel, die immer ein bißchen Dummheit, Brutalität und Arroganz ausstrahlen. Ist das für Sie auch so eine Art - ich sag's mal ganz vorsichtig - so ne Art Therapie?
Haderer: Das sagen die Psychologen möglicherweise - ich sage: ich komme aus Österreich, und die Menschen um mich herum schauen so aus, sie benehmen sich auch so, also, ich bin ein absolut realistischer Zeichner genaugenommen. Das manche Leute lachen können, das ist eine Reaktion, die ich nicht beabsichtige.

HR4: Waren Sie denn schon mal in Kassel, sagt Ihnen die Caricatura was, die ja in Deutschland einmalig ist, hier im KulturBahnhof?
Haderer: Ja selbstverständlich, die Caricatura hat doch Weltruf, das ist ja ganz klar. Ich freu mich richtig, dass ich hier bin, bin aber das erste Mal da.

HR4: Hm, dass erstaunt mich ja eigentlich. So im Prinzip denkt man ja: documenta und so, alle Welt muss schon mal in Kassel gewesen sein.
Haderer: Ach so, ja, das verfolgt man schon das ist klar, aber ich bin auch das erste Mal in Kassel, das ist richtig.

HR4: Achim Frenz von der Caricatura, wie haben Sie das denn geschafft, den Herrn Haderer hier her zu holen, denn das ist ja nicht so ganz ohne, dass der jetzt hier in der Caricatura in Kassel heute abend eine Ausstellung eröffnet und diese Ausstellung hier Premiere hat?
Frenz: Wir haben miteinander telefoniert und haben gleich einen Draht zueinander gefunden, und er hat mir dann auch gleich zugesagt. Gleichzeitig haben wir das auch geschafft über die Galerie am Chamissoplatz, den Werner Tammen in Berlin, die uns einen Teil der Bilder zur Verfügung gestellt haben.

HR4: Ich habe vorhin gesagt, ich hab sehr oft herzhaft gelacht, dies ist eine Galerie für komische Kunst. Deshalb an Sie die Frage, Herr Frenz, was ist denn komische Kunst?
Frenz: Was ist komische Kunst? Das ist ein weites Thema, da, glaub ich, kommen wir mit der Zeit nicht hin...

HR4: Also, wenn Sie lachen, wenn Ihnen der Karikaturist oder Cartoonist gefällt, sagen Sie: "dann versuch ich, die Ausstellung hier her zu kriegen"?
Frenz: Das ist ein Kriterium, ja.

HR4: Und was ist der Unterschied zwischen einem Karikaturisten und einem Cartoonisten? Der Herr Haderer ist ja hier als Cartoonist eingeführt.
Frenz: Also, was wir nicht machen, ist Zeitungskarikatur, Leitartikelkommentare. Wir zeigen gerne komische Kunst, komische Bilder und Cartoons, die sozusagen außerhalb von diesem politischen Anspruch sind.

HR4: Herr Haderer, wann lachen Sie denn laut und herzhaft, tagsüber, so ab und an mal? Welche anderen Karikaturisten oder Cartoonisten schätzen eingeführt.
Haderer: Also, im Augenblick lach ich über die Fragen meisten, denn ich kann sie nicht beantworten.

HR4: Ja, das ist natürlich nun in der Tat schade. Haben Sie denn einen Lieblingscartoon, die Ihnen besonders am Herzen liegt? Wollen Sie denn auch Botschaften vermitteln.
Haderer: Das mit Sicherheit überhaupt nicht, ich hab keine Botschaften zu vermitteln. Ich sag's vielleicht mal mit einem Umweg: Zeichner, Cartoonisten, die ich wirklich sehr gern hab, dazu gehört der Michael Sowa, der Ernst Kahl, zum Beispiel, und da merkt man wahrscheinlich schon, dass ich dieser Ecke der malerischen satirischen Zeichner mehr verhaftet bin als den Karikaturisten, weil ich keine Lust hab, mich mit verkürzten politischen Äußerungen auseinanderzusetzen. Ich mag einfach Bilder zeichnen, die sowas Augenzwinkerndes haben, aber bitte wirklich keine Botschaften.

HR4: Ja, und "Vanessa", das ist nun sehr augenzwinkernd. Das waren die ersten Eindrücke - heute abend um 19.30 Uhr wird eröffnet, dann kann man sich die Ausstellung hier angucken, damit gebe ich zurück ans Studio Kassel Wilhelmshöhe aus der Caricatura.

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