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Haderers
Bilder wurden oft mit den Arbeiten seiner österreichischen
Kollegen Manfred Deix und Gottfried Helnwein verglichen, und sicher
sind diese wie jene geprägt von dem, was eine Journalistin
die "hohe österreichische Schule der Denunziation"
nannte. Augenzwinkernder Humor und ausgelassener Leichtsinn sind
in dieser Sparte komischer Kunst eher selten anzutreffen. Was vorherrscht,
ist der erbarmungslose Blick auf das Alltägliche, die akkurat
gezeichnete Analyse von Dummheit, Arroganz, Brutalität und
Dekadenz. Haderer konzentriert sich dabei nicht auf einzelne gesellschaftliche
Gruppen oder Schichten, in seinen Karikaturen beschäftigt er
sich mit allen gleichermaßen: mit hochrangigen Vertretern
aus Politik, Klerus und Showbusiness ebenso wie mit kleinkarierten
Spießbürgern und durchgestylten Modenarren, mit dumpfen
Rechtsradikalen und korrupten Militärs genauso wie mit scheinheiligen
Gutmenschen und verwirrten Esoterikern. "Wunderbar Haderers
Gesichter", schrieb Wiglaf Droste in der Berliner tageszeitung,
"Glommsen, Visagen, Wabbelwangen, Schinkenspeckgesichter, Zähneblecker,
halslose Keltenköpfe, bierig aufgequollene Schädel, Hängekinne,
Kneifmünder, böse, schadenfrohe Augen. Dazu die birnenförmigen
Plumpsackkörper. Was Dashiell Hammett mit der Sprache gelang,
schafft Gerhard Haderer mit Papier und Pinsel".
Haderer liebt es zu fabulieren und Geschichten zu erzählen.
Und so beschränkt sich das Inventar seiner Werke niemals auf
das schlechthin Notwendige. Stets wimmelt es in seinen Bildern von
Details, die der Betrachter oft erst auf den zweiten Blick wahrnimmt.
Die Wohnzimmerfliesen des nationalistischen Ehepaars, das, anstatt
dem 50 Jahre zurückliegenden Holocaust zu gedenken, den vergangenen
Zeiten nachtrauert, sind in dezentem Hakenkreuzmuster verlegt. Anläßlich
des Papstbesuches in Österreich finden sich auf dem überbordenden
Verkaufstisch eines Devotionalienhändlers nicht nur Tassen
und Teller im Vatikan-Design, sondern auch bodenküssende Papst-Aufziehpuppen
und garantiert wasserwandeltaugliches Schuhwerk mit integrierten
Schwimmflügelchen. Einem soeben von seiner Frau verlassenen
Mann dient ein Stapel Playboy-Hefte als Ersatzpfosten des durchgesägten
Doppelbetts. "Haderer vergnügt sich daran, die tragende
Bildidee mit einer Fülle von Einfällen zu garnieren, die
er allenthalben im Bild versteckt" , schrieb der Kunstwissenschaftler
Hans Ries, "Damit lockt er den Betrachter zum Nachvollziehen.
Wer genauer hinsieht, wird belohnt."
Haderers Arbeiten leben jedoch nicht nur von eindeutiger gesellschaftlicher
und politischer Stellungnahme und wunderbar ausschmückenden
kuriosen Bildideen; was sie allesamt auszeichnet, ist die künstlerisch-handwerkliche
Perfektion, mit der sie angefertigt werden. Zunächst zeichnet
Haderer kleinformatige Bleistiftskizzen, die er mittels Epidiaskop
vergrößert auf den Originalbogen, meist aus kräftigem
Karton, projiziert. Die Projektion wird, wieder mit Bleistift, durchgezeichnet.
Große Sorgfalt widmet Haderer der Farbauswahl, abhängig
sowohl von der Bildaussage als auch von den jeweiligen drucktechnischen
Möglichkeiten des Publikationsorgans, für das das Bild
bestimmt ist. Die von ihm bevorzugt verwendeten Acryltinten trägt
Haderer meist mit Pinseln, selten mit dem Airbrush-Gerät auf.
Alle Farbtöne mischt er ausschließlich aus den 3 Primärfarben:
dies gewährleistet ihre naturgetreue Wiedergabe im Druckverfahren.
Von seiner Ausbildung und jahrelangen Tätigkeit als Werbegrafiker
profitiert der Karikaturist Haderer nicht nur im Bereich des künstlerischen
Handwerks. Die Bibeln der Warenwelt, Hochglanzprospekte, Warenkataloge
und Werbeplakate, inspirieren ihn auch inhaltlich. Vom Reklameproduzenten
ist er zum Reklameverwerter geworden, die detailgenauen Abbildungen
und bizarren Weiterentwicklungen von Gütern, Posen und Aussagen
aus der Welt des Konsums verleihen seinen Arbeiten den Bezug zur
Realität, der beim Betrachter auf Anhieb den Wiedererkennungseffekt
auslöst.
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