Presse-Echo  
 

Reaktionen auf die Ausstellungseröffung am 19.04.02 in der Caricatura

Liebevoll und jugendfrei
Gerhard Haderers umstrittene Jesus-Cartoons werden in Kassel gezeigt

Die Galerie für Komische Kunst im KulturBahnhof Kassel gewährt den verfolgten Karikaturen Asyl. 27 Zeichnungen um das Wunderkind von Nazareth und einige neue Cartoons sind zu sehen. Wer aufgrund des Wirbels harsche Gemeinheiten gegen Christentum und Jesuskult erwartet, sieht sich getäuscht: Die bunten Heiligenbilder von Haderer sind brav unartig...
Eigentlich kann dieser Kerl nichts wirklich. Er ist ein Weichei, Kiffer, Scharlatan. Die Finger zum Peace-Zeichen gereckt, die nach ihm benannten Latschen an den Füßen, ist er bloß ein Blumenkind mit verklärtem Blick und breitem Grinsen im Gesicht. Hingebungsvoll malt Haderer Jesus' Leben für uns, liebevoll und jugendfrei: Nicht einen One-Night-Stand gönnt er dem Gottessohn und uns keinen Showdown auf Golgotha. Kinderbibeltauglich steigt Jesus in den Himmel auf, liegt lendenbeschurzt auf einer Wolke und vergnügt sich mit den jung Gestorbenen der Bestenliste: Lennon, Hendrix, Joplin.
Jenseits der ganzen Aufregung überzeugen Haderers Bilder aber kaum. In Kassel kann man sehen, wozu er eigentlich imstande ist. Seine neuesten Cartoons, bei Caricatura als Zugabe ausgestellt, scheren sich nicht um religiöse Konventionen und politisch Korrektes. Da erst kommt er richtig zur Geltung, der teuflisch böse Zeichenstrich. Doch während sein Jesus arg lieb im Himmel weilt, erhält Haderer Anzeigen und Drohanrufe. Die hat er (sich) nun wirklich nicht verdient.
Die Zeit 25.04.02

Bombendrohung bei Haderer-Schau

Vor der Eröffnung einer Ausstellung des international angesehenen Karikaturisten Gerhard Haderer hat es in Kassel eine anonyme Bombendrohung gegeben. Die Präsentation in der Caricatura, der Galerie für Komische Kunst, mit 27 Zeichnungen aus dem »Jesus-Zyklus« musste zeitweise vom Bundesgrenzschutz gesichert werden. Die Karikaturen waren von führenden Vertretern der katholischen Kirche in Österreich wiederholt als blasphemisch kritisiert worden. Auch mehrere Strafanzeigen gegen Haderer wurden erstattet. Der Karikaturist hatte Jesus in seinem Zyklus unter anderem als einen von Weihrauch berauschten Hippie dargestellt.
Berliner Morgenpost 21.04.2002

Jesus Christ, Medienstar

Der Blasphemivorwurf bringt Publizität:
In der Caricatura in Kassel wurde eine Ausstellung von Gerhard Haderer eröffnet.

»Einen Herabwürdiger würdigen«–vor diese paradoxe Anmutung sah sich Ernst A. Grandits, Moderator der Sendung »Kulturzeit« in 3sat, in der schier zum Bersten voll besetzten Caricatura gesellt. Unter den Gästen befanden sich auch einige Sicherheitskräfte, denn der von höchster kirchlicher Stelle erhobene Blasphemivorwurf, der Gerhard Haderers Buch »Das Leben des Jesus« zu enormer Publizität, dem Autor und seinem Verlag aber zu rüden Beschimpfungen verholfen hat, rief auch in Kassel einen Kulturkämpfer auf den Plan.
Die Bombendrohung, die am Nachmittag in der Galerie für Komische Kunst im KulturBahnhof eintraf, erwies sich als leere Worthülse. Ein kraftloser Ausläufer jener Hysterie, die das Alpenland seit Erscheinung des Buches erschüttert, und deren tiefe Ursache, sie liegt in der existenzbedrohlichen Krise der österreichischen Amtskirche, Grandits in seiner Laudatio mit profunder Sachkenntnis und geschliffener Ironie zu Tage förderte.
HNA Sonntagszeit 21.04.2002

Bombendrohung gegen den »Jesus-Zyklus«

»Das Leben des Jesus« aus der Feder des österreichischen Karikaturisten Georg Haderer sorgt immer wieder für Aufruhr: Kurz vor der Ausstellungseröffnung in der Kasseler Caricatura ging am Freitag eine anonyme Bombendrohung ein. So mußte die Eröffnungsfeier für die 1. Ausstellung des »Jesus-Zyklus» in der Bundesrepublik unter Aufsicht des Bundesgrenzschutzes über die Bühne gehen....
Doch nicht erst mit der Bombendrohung in Kassel war der »Kulturkampf aus Österreich nach Deutschland getragen worden«, so der Caricatura-Chef Martin Sonntag.
Das ARD-Nachrichtenmagazin »Report« hatte Haderer kürzlich »Behindertenfeindlichkeit« vorgeworfen, weil auf einer Zeichnung ein Mädchen gezeigt wird, das in einem Zimmer herumtanzt, und sich dabei Beulen am Kopf und blutige Zehen holt, bevor es von Jesus dadurch geheilt wird, daß er ihr rät, von zu Hause abzuhauen.
Andere Stimmen hingegen beurteilen die umstrittenen Jesus-Bildchen gelassener: Haderers österreichischer Kollege Manfred Deix konnte nur »Harmlosigkeit« feststellen.
Frankfurter Rundschau 22. 04. 2002


Reaktionen in Österreich auf Gerhard Haderers Buch »Das Leben des Jesus«

Kardinal Schönborn: »Ich protestiere...«
Eklat um Verspottung von Jesus Christus

»Maria und Josef, ein von Kind an rauschgiftsüchtiger Jesus, dessen Wunder schlechter Ulk, dessen Abendmal ein verhaschtes Saufgelage, dessen Kreuz kein Tod, sondern eine Entrückung in eingerauchtem Zustand ist, in einen Himmel voller Haschwolken«. Schönborn (»Haderer soll sich bei den Menschen entschuldigen«) verwahrt sich dagegen, daß zum wiederholten Male der Glaube, auf den viele ihr Leben bauen, »permanent verhöhnt und lächerlich gemacht wird, bevorzugt im Namen der Freiheit der Kunst«.
Neue Kronen Zeitung 17.3. 2002


Strafanzeigen gegen Haderer

Gegen den »Jesus« -Karikaturisten Haderer werden jetzt weitere Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft wegen »Herabwürdigung« religiöser Lehren erstattet.
Neue Kronen Zeitung 28.3. 2002

Wiens Alterzbischof Kardinal König teilt die Kritik an der Jesus- Verspottung durch den Karikaturisten Haderer, merkt aber positiv an, daß wieder über Jesus diskutiert werde.
Neue Kronen Zeitung 3.4. 2002


Gastkommentar von Kardinal Schönborn in der »Presse«.

Ja, ich gehöre zu den vielen Menschen in diesem Land, die sich nicht daran gewöhnen können, daß der Glaube, auf den sie ihr Leben bauen, permanent verhöhnt, lächerlich gemacht wird, die sich nicht damit abfinden können, daß die Symbole ihres Glaubens mißbraucht werden, bevorzugt im Namen der Freiheit der Kunst. In dieser »Biographie« wird alles aufs Primitivste lächerlich gemacht, Maria und Josef, ein von Kind an rauschgiftsüchtiger Jesus, dessen Wunder schlechter Ulk, dessen Abendmal ein verhaschtes Saufgelage, dessen Kreuz kein Tod, sondern eine Entrückung in eingeräuchtem Zustand ist, in einen Himmel voller Haschwolken. Nun hat sich eine Argumentationsfigur bei intellektuelleren Christen eingebürgert, die in allen und jeden Verhöhnungen ihres Glaubens immer noch verborgene Sehnsüchte nach Gott, Hilfeschreie einer suchenden Seele zu finden bemüht und ihm damit geheimnisvolle Tiefe, ja paradoxe Mystik abzugewinnen. (...)
Ich schäme mich vor Menschen anderer Kulturen und Religionen: Welchen Eindruck müssen sie von einer Gesellschaft haben, die schweigend oder gar witzelnd einen solchen Umgang mit dem Stifter jener Religion hinnimmt, die das Antlitz dieses Landes zutiefst geprägt hat? Ohne Ehrfurcht vor dem Heiligen wird bald uns Menschen nichts mehr heilig sein, auch nicht der Nächste.
Katholischer Nachrichtendienst 16.3. 2002


Österreichs Kirche geißelt Haderer

Der Kreuzzug der obersten Kirchenführung der Alpenrepublik gegen das Satirebüchlein geht dem Linzer Satiriker doch zu weit: »Das gibt s in keinem anderen demokratischen Land Europas, dass sich jemand anmaßt, von der Kanzel herab einen Künstler derart zu desavouieren.«
Lachen in der Kirche verboten?
»Ein kleiner Rest von Selbstironie würde schon genügen, die Verhältnisse ins rechte Licht zu rücken«, sagte Haderer, aber anscheinend sei Lachen in der Kirche immer noch streng verboten. »Und wenn mir das Verletzen von Glaubensgrundsätzen unterstellt wird, kann ich nur sagen: Falls es ein Glaubensgrundsatz sein sollte, dass der Heilland niemals weihrauchsüchtig war, dann entschuldige ich mich dafür. In diesem Punkt erhebe ich nämlich nicht den Anspruch absoluter Wahrhaftigkeit. Zufrieden?«
stern KulturLounge

Begriffe wie Blasphemie, Gotteslästerung oder Beleidigung der Kirche haben seitdem in Österreich mal wieder Konjunktur. (...)
Doch seitdem der ansonsten als liberal geltende Wiener Kardinal Christoph Schönborn in der konservativen Tageszeitung Die Presse seinen Unmut über Haderer kundtat, ist in Österreichs katholischer Kirche Schluß mit lustig:»Im Namen der vielen Kinder und Alten, einfachen Menschen und Akademiker, die wehrlos darunter leiden, protestiere ich gegen Gerhard Haderer und gegen jene, die ihm applaudieren.« Woraufhin im erzkatholischen Österreich kein Gelächter über diese Formulierung losbrach, sondern ein Sturm der Entrüstung über das »gottlose Machwerk Haderers«, der jeglicher Verhältnismäßigkeit Lügen strafte. Die Kronen Zeitung - wer sonst - bemüßigte sich mit seitenlanger Stimmungsmache, die Leserbriefseiten der Zeitungen brandeten über, das nationale Fernsehen kannte rund um Ostern neben den Geschehnissen in Israel und Haderers »Kirchenattacken« wenig anderes. (...)
Mittlerweile hat die Wiener Staatsanwaltschaft nach einem halben Dutzend Strafanzeigen sogar Ermittlungen wegen Herabwürdigen religiöser Lehren eingeleitet. Katholische Privatschulen kündigten an, in Zukunft den Ueberreuter Verlag, in dem das Buch erscheint, beim Kauf von Schulbüchern zu boykottieren. Auf Grund der verständlicherweise starken Nachfrage geht das Büchlein des Cartoonisten, der für Magazine wie Stern oder Profil arbeitet, im Übrigen bereits in die zweite Auflage.
Frankfurter Rundschau 7.4. 2002


Haderer gewinnt Bestseller-Rennen

Im Wettstreit zweier »Skandalbücher« liegt der Karikaturist Gerhard Haderer (»Das Leben des Jesus«) klar vor Ernst Hofbauer (»Unsere Klestils«). Der Ueberrreuter-Verlag hat bereits mehr als 80 000 Exemplare verkauft, der Ibera-Verlag knapp 20 000 Exemplare der Streitschrift gegen das Präsidentenpaar.
News 18.04.2002

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