Ausstellung vom 24. Februar bis 1. April 2002
 
Achim Greser
Mehr Bildmaterial
»Ich hätte es genauso gemacht. Man muß doch auch an später denken.«
  Eröffnung: Samstag, den 23. Februar 2002 um 19.30 Uhr
   
Laudatio: Wiglaf Droste
 
Ort: Caricatura Galerie für Komische Kunst
  im KulturBahnhof Kassel info@caricatura.de

 

 
Mit seiner Bilderserie »Der Führer privat« tritt durch Achim Greser nach Ernst Lubitsch, Charlie Chaplin und Mel Brooks endlich wieder jemand an, der den Führer in seiner ganzen Lächerlichkeit zeigt - und das ist das Schlimmste, was man Hitler antun kann. Der Zyklus unterzieht Hitler der einzigen Kritik, die nach tausend schwergewichtigen Wälzern noch möglich ist.

 

Weil die wissenschaftliche Kritik ihren Gegenstand als seriös voraussetzen muß, wurde immer eins unterschlagen - daß Hitler eine vollkommen lächerliche Figur war. Diese tiefe Weisheit hat Achim Greser in seinen Bildern festgehalten. Die Blätter wurden durchweg wohlwollend besprochen, nachdem ausgerechnet die ausländische Presse, wie der Sunday Telegraph, die Washington Post und die BBC den Tenor vorgegeben hatten. So schrieb denn auch die Welt: »Wer hier nicht lacht, hat nichts kapiert.«

Achim Greser, Teil des Zeichnerduoas Greser & Lenz, arbeitet u.a. für das Satiremagazin Titanic und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Jetzt liegt eine vielbeachtete Soloproduktion von ihm vor.

Wer ist der schlimmste Mensch des Jahrtausends?« fragte die New York Post im November 1999 ihre Leser. Wie immer gewann Adolf Hitler diesen Hitparaden-Wettbewerb. Hitler Superstar - der »Führer« ist zum globalen Inbegriff des monströsen Bösen geworden. Auch hierzulande ist er omnipräsent. Kein Jahrgang des Spiegels kommt ohne einen Hitler-Titel aus. Über keine Figur der Zeitgeschichte wurde mehr geschrieben, und niemand hat mehr Einträge in den Personenregistern der Nachkriegsliteratur. Er ernährt eine ganze Generation von Journalisten. Das Medienimperium von Guido Knopp verdankt seinen Erfolg allein Adolf Hitler. Das wird sich auch nicht ändern, denn in jedem Jahr wird sich aufs neue eine Gelegenheit ergeben, das Tausendjährige Reich mit öden Gedenkveranstaltungen abzufeiern und eine Hitlerwiederaufführung zu inszenieren. Achim Gresers Bilderserie wurde zuerst im Satiremagazin Titanic veröffentlicht. Sie startete 1995, als die mediale Erinnerungs-, Mahn- und Warnwalze zum 50.Jahrestag des II. Weltkriegsendes besonders mächtig anhob und den Zeichner zum dritten Mal in seinem Leben erfaßte. Die Motivation für diese Serie war eine persönliche Gespensterbeschwörung und beruflicher Ehrgeiz, d.h. der Versuch, aus der Figur der Geschichte, die im FAZ-Fragebogen fleißig und wacker verabscheut wird, mit zeichnerischen Mitteln komische Funken zu schlagen.

»Der Hitler, den Greser in seinen in wunderbaren Aquarellfarben hingetuschten Blättern zeigt, ist ein später Nachfahre von Arturo Ui und vom großen Diktator: mehr Würstchen als Mensch. (...) Natürlich darf über Hitler gelacht werden: schon deshalb, weil er selber ein völlig humorloser Mensch war.« Der Tagesspiegel, 20.8. 2000

Zurück

Startseite