Kassel aktuell
Ausstellung von Gerhard Glück

 

In der Galerie für Komische Kunst am Bahnhofsplatz 1 in Kassel zeigt die Caricatura vom 19.1. bis zum 24.3. Bilder des Kasseler Künstlers Gerhard Glück. Was Gerhard Glück seit den früheren 70er Jahren malt und zeichnet, sind weniger Cartoons im eigentlichen Sinne als vielmehr komische Gemälde, bestechend durch phantasievolle Mischtechniken und subtile, kunstvolle Genauigkeit in der Darstellung, hinreißend in ihrer leuchtenden Farbigkeit.

Kuriose Vorgänge spielen sich ab in den Glückschen Kunstwelten, die bevölkert sind von wunderlichen Figuren. Immer wieder taucht er auf, allein mit Frau oder in vielfacher Ausführung, wie geklont: "der untersetzte, kahlköpfige Zeitgenosse mit der großen Nase, der den Eindruck eines gesetzestreuen Bürgers mehr vortäuscht als vermittelt, schillert zwischen hintergründig ironisierendem bürgerlichen Biedersinn und purem Horror". (HNA 13.4.94) Die ganze Melancholie wird sichtbar, wenn der bebrillte und fracktragende Konzertsolist mit einer Faschingtröte im Mund auf der Bühne sitzt, ein anderer gesetzter Herr mit Bauklötzen spielend versonnen am Boden hockt oder sich Greise in Rollstühlen statt auf Holzpferdchen im "Strandkarussel" drehen. Oft ist Glücks Weltsicht eher eine skeptische, pessimistische. Die Segnungen moderner Technologie sind ihm suspekt, die Zukunft der Menschen ungewiß. Aus dem U-Bahn-Schacht "Angel" steigen beamtehaft gewandete Teufel; wie Jesus selbst hängt ein Mensch in anderen Bild an der Fitnessstudio Apparatur. Glück läßt seine Protagonisten zwar auch die sonnigen Seiten des Daseins erleben, aber immer verhalten, still und etwas abgründig. Stolz sitzt "Museumsdirektor H.G." vor seinem "Lieblingsbild", einer roten Tür mit weißem F vor dem Wandschrank mit Löschutensilien: mit ernster Miene, aber sichtlich heiteren Herzens steht ein anderer Glatzkopf auf seinem Tretroller, angetan mit "seinem Solarmantel" und "bei Sonnenschein kaum zu bremsen".
Glücks Bildthematik ist selten tagespolitischer Art; was ihn interessiert, sind die großen Zeitströmungen einerseits, die Entwicklung der Gesellschaft als Ganzes; anderseits sind es die persönlichen Dinge, die kleinen Tragödien und Glücksmomente des Einzelnen. Das in vielen seiner Cartoons beides aufeinandertrifft, macht die Begegnung mit ihnen so angenehm.

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