| |
In der hessenweit einzigartigen Galerie für Komische Kunst
zeigt die CARICATURA von 19.01. bis zum 24.03.1996 Bilder des
Kasseler Künstlers Gerhard Glück (*1944). Was Gerhard
Glück seit den frühen 70er Jahren malt und zeichnet,
sind weniger Cartoons im eigentlichen Sinn als vielmehr komische
Gemälde, bestechend durch phantasievolle Mischtechniken und
subtile, kunstvolle Genauigkeit in der Darstellung, hinreißend
in ihrer leuchtenden Farbigkeit.
Kuriose Vorgänge spielen sich ab in den Glückchen Kunstwelten,
die bevölkert sind von wunderlichen Figuren. Immer wieder
taucht er auf, allein mit Frau oder in vielfacher Ausfertigung,
wie geklont: »der untersetzte, kahlköpfige Zeitgenosse
mit der großen Nase, der ... den Eindruck eines gesetzestreuen
Bürgers mehr vortäuscht als vermittelt, schillert zwischen
hintergründig ironisiertem bürgerlichen Biedersinn und
purem Horror.«
Die ganze Melancholie der Welt wird sichtbar, wenn der bebrüte
und fruchttragende Konzertsolist mit einer Faschingsröte
im Mund auf der Bühne sitzt, ein anderer gesetzter Herr mit
Bauplätzen spielend versonnen am Boden hockt oder sich Greise
in Rollstühlen statt auf Holzpferdchen im »Strandkarussel«
Oft ist Glücks Weltsicht eines eher skeptische, pessimistische.
Die Segnungen moderner Technologie sind ihm suspekt, die Zukunft
der Menschheit ungewiß. Aus dem U-Bahn-Schacht »Angel«
steigen beamtenhaft gewandete Teufel; wie Jesus selbst hängt
ein Mensch in einem anderen Bild an der Fitnessstudio Apparatur.
Glück läßt seiner Protagonisten zwar auch die
sonnigeren Seiten des Daseins erleben, aber immer verhalten still
und etwas abgründig. Stolz sitzt »Museumsdirektor H.G.«
vor seinem »Lieblingsbild«, einer roten Tür mit
weißem F vor dem Wandschrank mit Löschutensilien; ernster
Miene, aber sichtlich heiteren Herzens steht ein anderer Glatzkopf
auf seinem Tretroller, angetan mit »seinem Solarmantel«
und »bei Sonnenschein kaum zu bremsen«.
Glücks Bildthematik ist selten von tagespolitischer Art;
was ihn interessiert, sind die großen Zeitströmungen
einerseits, die Entwicklung der Gesellschaft als Ganzes; anderseits
sind es die persönlichen Dinge, die kleinen Tragödien
und erstaunlichen Glücksmomente des Einzelnen. Das in vielen
seiner Cartoons beides aufeinandertrifft, macht die Begegnung
mit ihnen so anregend.
|