"Es gibt Tage, da geht alles schief"
»Cartoons«
Gerhard Glück
  Eröffung: Freitag, 19.1.1996, 19:30 Uhr
     
     
     
  Ort: CARICATURA Galerie für Komische Kunst
    Bahnhofsplatz 1, 34117 Kassel
     
  Ausstellungsdauer: 20. Januar bis 24. März 1999
     
Portrait Gerhard Glück
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  Presse zur Ausstellung      
 


In der hessenweit einzigartigen Galerie für Komische Kunst zeigt die CARICATURA von 19.01. bis zum 24.03.1996 Bilder des Kasseler Künstlers Gerhard Glück (*1944). Was Gerhard Glück seit den frühen 70er Jahren malt und zeichnet, sind weniger Cartoons im eigentlichen Sinn als vielmehr komische Gemälde, bestechend durch phantasievolle Mischtechniken und subtile, kunstvolle Genauigkeit in der Darstellung, hinreißend in ihrer leuchtenden Farbigkeit.
Kuriose Vorgänge spielen sich ab in den Glückchen Kunstwelten, die bevölkert sind von wunderlichen Figuren. Immer wieder taucht er auf, allein mit Frau oder in vielfacher Ausfertigung, wie geklont: »der untersetzte, kahlköpfige Zeitgenosse mit der großen Nase, der ... den Eindruck eines gesetzestreuen Bürgers mehr vortäuscht als vermittelt, schillert zwischen hintergründig ironisiertem bürgerlichen Biedersinn und purem Horror.«
Die ganze Melancholie der Welt wird sichtbar, wenn der bebrüte und fruchttragende Konzertsolist mit einer Faschingsröte im Mund auf der Bühne sitzt, ein anderer gesetzter Herr mit Bauplätzen spielend versonnen am Boden hockt oder sich Greise in Rollstühlen statt auf Holzpferdchen im »Strandkarussel« Oft ist Glücks Weltsicht eines eher skeptische, pessimistische. Die Segnungen moderner Technologie sind ihm suspekt, die Zukunft der Menschheit ungewiß. Aus dem U-Bahn-Schacht »Angel« steigen beamtenhaft gewandete Teufel; wie Jesus selbst hängt ein Mensch in einem anderen Bild an der Fitnessstudio Apparatur.
Glück läßt seiner Protagonisten zwar auch die sonnigeren Seiten des Daseins erleben, aber immer verhalten still und etwas abgründig. Stolz sitzt »Museumsdirektor H.G.« vor seinem »Lieblingsbild«, einer roten Tür mit weißem F vor dem Wandschrank mit Löschutensilien; ernster Miene, aber sichtlich heiteren Herzens steht ein anderer Glatzkopf auf seinem Tretroller, angetan mit »seinem Solarmantel« und »bei Sonnenschein kaum zu bremsen«.
Glücks Bildthematik ist selten von tagespolitischer Art; was ihn interessiert, sind die großen Zeitströmungen einerseits, die Entwicklung der Gesellschaft als Ganzes; anderseits sind es die persönlichen Dinge, die kleinen Tragödien und erstaunlichen Glücksmomente des Einzelnen. Das in vielen seiner Cartoons beides aufeinandertrifft, macht die Begegnung mit ihnen so anregend.

 

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