HR 2, Radio Kurhessen, Journal am Mittag
22.1.1996
Autorin: Angela Fitsch

 

Wenn Sie mal wieder Lust haben, herzhaft zu lachen - und wann hat man das nicht -, dabei aber nicht fürchten, daß Ihnen möglicherweise auch das Lachen im Halse stecken bleibt, dann wäre die Ausstellung, die zur Zeit in der CARICATURA, der Galerie für Komische Kunst in Kassel, gezeigt wird, genau das Richtige. Gerhard Glück, ein bekannter Kasseler satirischer Maler, präsentiert seit dem vergangenen Wochenende seine Werke, die einen hintergründigen Witz haben und die kleinen Alltäglichkeiten auf die Schippe nehmen. Angela Fitsch war bei der Ausstellungseröffnung von Gerhard Glück dabei.

"Geboren am 13. Juli 1944 in Bad Vilbel, aufgewachsen in Frankfurt am Main, studierte Gerhard Glück statt Pantomime Grafikdesign an der Werkkunstschule in Kassel. Nach dem Studium führte ihn dann ein verlockendes Angebot nach Süddeutschland, zu einem Spiele- und Kinderbuchverlag. Enttäuscht kehrte er im Winter 1971 nach Kassel zurück und studierte noch einmal, jetzt Kunsterziehung an der GhK. Während dieser Zeit entstehen die ersten Cartoons für Zeitungen und Magazine. Er wird Lehrer an der Kasseler Goetheschule, illustriert Schul-bücher und hat Lehraufträge für Karikatur und Illustration an der Gesamthochschule, Fachbereich Kunst. Wie sieht Gerhard Glück sich selbst?

Als ausgesprochen ängstlichen, pessimistischen Mensch, der wahrscheinlich weit mehr Ängste hat als, sagen wir mal, sehr viel Freude; also ich fliege beispielsweise ungern, muß also regelrecht in Flugzeuge reingenötigt werden, ich hab Angst vor Unwettern und allem möglichen anderen Kram und letztlich aber auch vor allem vor politischen Aktionen, und da haben wir ja genug, wo wir uns, glaub' ich, ganz kollektiv fürchten können, und es ist keine Ausnahme, da Karikaturist zu sein.

Gerhard Glück ist satirischer Maler, kein Cartoonist im eigentlichen Sinne, seine Bilder sind nicht grade Lieblichkeiten fürs Biedermeierzimmer. Sie haben auch in ihren freundlichsten Kompositionen eine finstere Note, und das schon allein durch seine Akteure. Glatzköpfige, langnasige Typen mit ernster Miene, der immer wiederkehrende Mann mit den weit aufgerissenen Augen und den unbewegten Gesichtszügen, ein Jeder- oder Biedermann, eine Kunstfigur, schrecklich witzig. Was Glück glücklicherweise zum Ausdruck bringt, sind die Analogien zum wirklichen Leben, und dabei darf schon mal kräftig gelächelt werden, aber ja nicht zuviel, es bleibt einem im Halse stecken. Er zählt auf menschliche Schwächen, Mißverständnisse, Absurdes, soziale Mißstände, Torheiten und vor allem, als besonderes Anliegen, auf den deutschen Pessimismus. Stellvertretend für diese Spezies mag ein Bild gelten, das einen Mann mit dunkler Brille und auf der Stirn die rosarote Brille zeigt. Er hat heruntergezogene Mundwinkel, weil er die Welt so sehen will und nicht anders. Oder: im Schaufenster wird die Metzgersgattin rosarot auf dem Tablett serviert, darunter die Bildunterschrift: Die Dame bürgt auch im neuen Jahr für Qualität. Böse. Fällt Gerhard Glück immer was ein?

Bisher ja, ob man natürlich das in der gleichen Qualität immer machen kann, ist die Frage. Und was nicht unbedingt von der Qualität ist, werd' ich Ihnen auch nicht verraten, das weiß natürlich derjenige nur selbst, der die Dinge macht, die kleinen Ungereimtheiten sieht man wahrscheinlich als Erster und vielleicht auch übertrieben stark, mag sein, aber es ist natürlich in jedem Bild auch, sagen wir mal, die Dreck-Ecke enthalten.

Gehandelt wird der Künstler hoch und seriös, seine Cartoongemälde wurden und werden in in- und ausländischen Magazinen und Zeitungen veröffentlicht, unter anderem im Manager Magazin, im Eulenspiegel, im Stern, in der Süddeutschen Zeitung und im Magazin der Neuen Zürcher Zeitung. Ein Glück, daß es Glück gibt, ein Mann, der selbst sehen und andere zum Sehen anregen kann. Das meinten auch die zahlreich erschienen Ausstellungsgäste."

Und wenn Sie auch Glück haben wollen, zum Anschauen und zum Lachen: die Ausstellung ist täglich, außer montags, von 12 bis 21 Uhr noch bis zum 24. März in der CARICATURA am KulturBahnhof zu sehen.

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