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Cartoonist Eugen Egner macht nicht nur Spaß
Geschmack an Groteskem

 

Dummheit ist die Tragödie der Menschheit, meint Eugen Egner. Recht hat er, oder nicht? Enterprise Park leben deshalb gleich auf eigenem Orbit. Der FC Hessen versetzt Kassel in einen Fußballrausch. Die neue Geheimwaffe heißt "Baka". Lesen Sie auch über einen Mann, der eine Woche nur von Wasser lebte und nun der ganzen Welt davon erzählen will.

Jeder kennt Cartoons von Eugen Egner. Sie sind witzig, aber nicht immer komisch. Was geht im Kopf des geborenen Titanicers nur vor? Und welche Farben beherrschen seinen Mikroskosmos? Rot, Grün, Blau oder gar Schwarz? Aufschluß darüber gibt eine wunderbare Ausstellung der Caricatura im KulturBahnhof, die noch bis zum 8. September läuft. Fest steht, daß der geniale Surrealist, der am liebsten daheim in Wuppertal im Garten buddelt, im wirklichen Leben ein Schreiber ist. Zu seinen Ahnen, so verlautet aus gewöhnlich gut informierter Quelle, gehören dichtende Spielkälber wie E.T.A Hoffmann, Lewis Caroll und Spike Milligan. Gleichwohl wird er eher bescheiden wirkende Hochkomiker am 5. September um 20 Uhr in einer Lesung eine Kostprobe seines prosaische Könnens geben: "Getaufte Hausschuhe und Katzen mit Blumenmuster"....

KULTUR!NEWS: Eugen, glaubst Du an eine heile Welt?

Eugen Egner: Ich strebe wie jeder vernunftbegabte Organismus danach. Ohne Lärm, ohne ausgemachte Blödheit, ohne Häßlichkeit. All das, was sich eine unverschämter Mensch so vorstellen kann.

KULTUR!NEWS: Woher nimmst Du deine Ideen?

Eugen Egner: Aus Fehlleistungen. Aus allem, was mit Wahrnehmung, mit Bewußtsein zu tun hat. Ich lese dazu, was Laien verständlich ist, was populärwissenschaftlich abgefaßt ist. Das sind Dinge, die mich fast mehr interessieren als Belletristik.

KULTUR!NEWS: Zum Beispiel?

Eugen Egner: Die Bücher vom Neuropsychologen Oliver Sacks. "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" - schon der Titel spricht mich an. Das Thema ist Bewußtsein, über das Denken, über die Wahrnehmung von Realität etwas erfahren will, muß man klären, wie etwas funktioniert. Nicht, weil man das jetzt irre aufregend findet. Einer der Hauptwege ist die Beschäftigung mit Geisteskrankheiten und Hirnverletzungen. Leider Gottes. In der Medizin ist ja prinzipiell nicht anders. Wir wissen ja immer noch nicht, wie unser Gehirn eigentlich funktioniert. Automatsch kommt dann dieser Themenkomplex. Drogen und anderes. Bis zum Exzeß. Ich habe Geschmack an Groteskem...

KULTUR!NEWS: Du kannst auch darüber lachen?

Eugen Egner: Ja. Indem über eine Sache lachen kann, so schrecklich sie ist - das ist ja nun mal das Wesen des guten Humors - , so lernt man, damit zu leben. über Bosnien kann man nicht lachen, klar. Ich meine natürlich die Heinis. Dummheit ist die Tragödie der Menschheit. Sie ist ja nicht nur schrecklich , sondern auch lächerlich. Adolf Hitler ist nicht nur schrecklich gewesen, sondern in erste Linie lächerlich. Nur der Betroffene kann nicht über sowas lachen. wenn ich mir einen Spaten bei der Gartenarbeit ins Gesicht hauen würde, dann kann ich ja auch hinterher erst drüber lachen, wie dämlich ich war. Eine Frage des Distanz.

KULTUR!NEWS: Was würdest Du tun, wenn Du wüßtest, Du stürzt jeden Moment mit dem Flugzeug ab?

Eugen Egner: Ich hätte die Hosen bis zum Stehkragen voll. Vielleicht würde ich kotzen oder sowas.

KULTUR!NEWS: Mit wem würdest Du beruflich tauschen?

Eugen Egner: Mit niemandem. Es ist schon ein harter finanzieller Kampf, aber das ist relativ. Ich tue das, was ich am besten kann - oder am wenigsten schlecht. Im übrigen wäre ich mit 45 Jahren schwer vermittelbar.

KULTUR!NEWS: Hast Du nicht in einer Werbeagentur gelernt?

Eugen Egner: Nicht abgeschlossen. Das war eine winzige Firma von 1967 bis 1970. Ich hab mich in der Grafik herumgedrückt und dummes Zeug gemacht. Damals waren das ja noch paradiesische Zustände im Arbeitsleben, im Gegensatz zu heute. Was auch schön war: Da habe ich die Pretty Things kennengelernt und die frühen Fleetwood Mac. Die haben sich sogar mit meinen Werken beschäftigt. Irgendwann begann ich zu schreiben und zu schreiben. Letzteres ist ein peinvoller Vorgang, mit Technik verbunden. Aber ich habe so ne Notwehrtechnik entwickelt, da stehen einem die Haare zu Berge: Ich mache selten Vorzeichnungen, skizziere mit Füller, damit ich die Grundidee habe. Dann fang ich aber gleich auf dünnem Karton an und zeichne, radiere, zeichne - bis das Papier schon halbwegs durch ist. Dann mache ich eine Konturzeichnung mit Tusche - und da stimmt auch die Hälfte nicht. Also wird das weggekratzt. An den Stellen, wo das Papier im Eimer ist, muß ich mit dec kenden Farben zuspachteln. Um einen homogenen Eindruck herzustellen, wäre das andere Aquarellfarben zu bemalen. Wenn die Spachtelung halbtrocken ist, wird das Papier wieder glattgerieben und wieder eine deckende Farbe aufgetragen. Guckt man genau hin, sieht man das auch. Aber für den Druck reicht es. Am Ende ziehe ich sämtliche Konturen nochmal nach.

KULTUR!NEWS: Womit wir wieder am Anfang wären. "Aber wie es so zu gehen pflegt, ist plötzlich alles aus!" sagt Egner. Stimmt nicht. Es gibt ja noch ne Lesung...

Egner-Daten

Geboren 1951 in Ingelfingen Verheiratet, lebt in Wuppertal Ex-Mitglied der Band Armutszeugnis Kurzhörspiele für den WDR Fernsehbeiträge, u.a. für "Die Sendung mit der Maus"
"Mächtig schreitet die Egner-Forschung voran! Und die Abhängigkeit nimmt zu"
Frankfurter Rundschau

BÜCHER

Als die Erlkönige sich Freiheiten herausnahmen (1986, Sisiphos Verlag) Glücklich ist, wer vergißt, daß er nicht zu retten ist (1991, Semmel Verlach). Aus dem Tagebuch eines Trinkers (1991, Haffmanns Verlag) Das Blöcken der Blumen (1992 Semmel Verlach) Der Universumsstulp (1993 Haffmanns Verlag) Phrenesie-Album (1994 Verlag Weisser Stein)

Im Herbst 1996 erscheinen:
Getaufte Hausschuhe und Katzen mit Blumenmuster (Reclam Leipzig) Was geschah mit der Pycmac_Expedition (Verlag Weisser Stein) Als der Weihnachtsmann eine Frau war (Neuauflage, mit Illustrationen von Michael Sowa; Haffmanns Verlag)
Veröffentlichungen in Der Rabe, Kowalski, Titanic, Eulenspiegel.
Auszeichnung Hamburger Comic-Förderpreis (1992)

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