Kassel Programm
Der KulturBahnhof im August
Großer Bahnhof für den Sommer

 

Wir haben mal nachgezählt: Es gibt im KulturBahnhof im Monat August 69 Filmvorführungen, es gibt an 27 Tagen Komische Kunst zum lachen und zum Schmunzeln in der Caricatura. Hinzu kommen die Übertragung der Olympiade aus Atlanta auf einem auf einem Großbildschirm in der Fahrkartenhalle - es gibt also täglich mehrere gute Gründe, stundenlang im KulturBahnhof zu verweilen. Mit Farbenfreude und einer außerordentlichen Liebe zum Detail erzählt der Wuppertaler Karikaturist Eugen Egner Geschichten, die den Betrachter mitten ins Geschehen ziehen, grotesk und wundervoll im wahrsten Sinne des Wortes. Surrealistsich anmutende Welten tun sich auf, wenn Egner wie auf einem Spielbrett seine Figuren im Verlauf der Handlungen, die oft blitzartigen und unvorhersehbare Wendungen nehmen, von einem Abenteuer ins nächste schickt.

Königlich
"Magischer Naturalismus" wurde diese Kunstrichtung getauft, in der die Protagonisten mit Schlappohren, Spiral- und Schnauzennasen sowie einem pharaonenhaften Kinnforsatz ihren teilweise absonderlichen Alltag bestehen. Die Werkschau ist übrigens die erste große Eugen-Egner-Soloaustellung in der Bundesrepublik. Sie heißt Königliches Amüsement, und ein ebensolches wünschen wir beim Besuch der Caricatura, täglich (außer Montag) von 12 Uhr bis 21 Uhr.

Kleines Fressen
Eigentlich sollte der Film des jungen Regisseurs Laurent Benegui über einen Wirt und Meisterkoch, der seinen Geruchs- und Geschmacksinn verloren hat und seine Freunde zu einem Abschiedbankett einlädt, "Das kleine Fressen" heißen, eine mehr oder weniger süffisante Anspielung auf Marco Ferreris Meisterwerk zu Beginn der 70er Jahre. Doch hätte dies zumindest in Deutschland mißverstanden werden können, denn die Verfilmung des Romans "Au petit Marguery" ist alles andere als provozierend oder eine Tabuverletzung.

Melancholie und Glück
Jetzt heißt das kleine Meisterwerk aus Frankreich Hippolytes Fest - nach dem Namen des Kochs (gespielt von Michel Aumont), der mit seiner Frau Josephine (Stepahne Audran) das Restaurant "Petit Marguery" viele Jahre betrieben hat, nun aber schließen muss, weil er einen längeren Krankenhausaufenthalt vor sich hat. Das Abschiedsbankett für die Freunde, deren Erinnerungen, ihr Lachen, ihre kleinen Dramen und Problemen stimmen melancholisch und glücklich zugleich.
Ein stimmungsvoller Ensemblefilm, der zur Zeit täglich um 17 Uhr und 19.30 Uhr im Bali-Kino zu sehen ist, bis in die kleinste Nebenrolle brillant besetzt (bundesdeutsche Erstaufführung).
Zum Bundesstart am 15. August zeigt das Bali-Kino auch Woody Allens neues Meisterwerk Mighty Aphrodity im Original, auf deutsch unzulänglich mit "Geliebte Aphrodite" übersetzt. Auf Filmfestspielen wurde die Komödie aus New York - mit Anklängen an eine griechische Tragödie - mit Preisen geradezu überhäuft, und für Mira Sorvinos Darstellung eines leichten Mädchen gab es sogar einen Oscar.

Film und Leben
Indirekte Parallelen zu Allens Privataffären sind nicht6 ganz abwegig, wenn sich z. B. der Protagonist in die Mutter seines Adoptivkindes verliebt, der Film ist aber auch eine Anspielung an die "Political Correctness", die hier gleich mehrmals attackiert wird. Highlight ist übrigens eine Szene, in der eine Forrest-Gump-Type über "Schindlers Liste" redet - mehr wird nicht verraten.

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