17.7. 1996, ZDF Morgenmagazin, Annette Hopfenmüller  

 

"Königliches Amüsement" heißt eine Ausstellung, die bis zum 8. September in der Galerie für Komische Kunst CARICATURA in Kassel zu sehen ist. Die schrillen Zeichnungen und bizarren Comics mit viel Liebe zum Detail stammen aus der Feder von Eugen Egner. Der Zeichner, Maler und Schriftsteller veröffentlichte bereits zahlreiche Cartoonbände, Bilder- und Kurzgeschichten, arbeitete für die "Sendung mit der Maus" und erhielt 1992 den Hamburger Comic-Förderpreis. Annette Hopfenmüller zeigt uns den Mann hinter den phantasievollen Bildwelten.

O-Ton Eugen Egner:
"Ich bin an sich ein ganz unscheinbarer Mensch, der in ganz bürgerlichen Grenzen lebt." Dies sprach ein Mann, der jenes malt. Sind wir etwa einem Dr. Jekyll der 90er auf der Spur? Eugen Egner aus Wuppertal lebt in einer Welt aus Abrusitäten, Chaos und Irrsinn. Nimmt er den Pinsel in die Hand, dann wachsen Würste auf Wiesen, haben Menschen Räder statt Füßen, sprich: der heile Alltag gerät komplett aus den Fugen und nichts mehr so, wie wir's gewohnt sind.

O-Ton Eugen Egner:
"Das ist zum Teil vielleicht einerseits ein intellektuelles Vergnügen an solchen Dingen, an Verschrobenheiten, aber das hat damit nichts zu tun, dass man selber sowas lebt." Scheint ja eine ernste Sache zu sein, der neue Wuppertaler Surrealismus. Dennoch läuft die aktuelle Egner-Ausstellung in der CARICATURA, einer Galerie für Komische Kunst in Kassel, unter dem Motto "Königliches Amüsement". Meist sind Egners fiese Helden besoffen oder gaga - am besten aber ist er, wenn er sich vor Angstmachern nicht verkriecht, sondern sie schlicht der Lächerlichkeit preisgibt. Es herrscht arge Diskrepanz zwischen Egner, dem Naturfreund, Nichtraucher und Teetrinker und seinen krassen Figuren.

O-Ton Eugen Egner:
"Ich brauch's immer sehr schön ruhig. Vielleicht ist das aber auch ein Grund, dass man einiges an Ärger auch abarbeitet auf diese Weise; und ich denke, dass ist auch eine sehr gesunde Angelegenheit, wenn man das was an Chaos vielleicht in einem ist, in der Kunst erledigt und nicht nach außen trägt."
Und dann gibt's noch Eugen Egner als Buchautor. In Werken wie "Aus dem Tagebuch eines Trinkers" und "Als der Weihnachtsmann eine Frau war" erzählt er schamlos konfuse Vorfälle.

O-Ton Eugen Egner:
"Erinnerung. Ja, ich habe sie alle noch persönlich gekannt: Beethoven mit seiner Schneisenmusik, Kyoto von Beng und seine Albino-Lokomotive, den Schneesturm, durch den Kyoto von Beng seine Albino-Lokomotive einst steuerte und natürlich Kongo-Liese, die zur ihrer Zeit den Reichszentimeter in Blei goß."

Trotz Hintersinn und perfider Narretei - das Hauptanliegen Egners ist immer noch, mit Spaß zu unterhalten.

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