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Cartoons, Comics und Karikaturen, diese Kunstformen werden seit
der Wende außer in Kassel nur noch an zwei anderen Orten in
Deutschland gehegt und gepflegt: im thüringischen Greiz und
in Berlin. Im Kulturbahnhof ist in diesem Jahr nun schon die vierte
Schau zu sehen. Rainer Schumann hat Ihnen Bilder und noch mehr Eindrücke
mitgebracht.
Diese,
übrigens vierte, Karikaturenausstellung hat ein Motto: "Glücklich
ist, wer vergißt, daß er - oder sie - nicht zu retten
ist". Auch Spruch von Eugen Egner, der von heute an in KuBa
weilt. KuBa? Der Kasseler Kulturbahnhof, der immer mehr an Kontur
gewinnt. Königliche Klänge zur Eröffnung der Schau,
gespielt von Studenten der Universität Kassel. Und das hat
diesen Bezug: ein dickes Ei, wie Egner beschreibt, wie echte Könige
mit Kindertröten, Tuben und Trompeten spielen - "Königliches
Amüsement". Das wurde der Titel der Ausstellung, an der
natürlich bis zur letzten Minute zu arbeiten war: hier an dreidimensionalen
Übersetzungen der Egnerschen Figuren, skurrile, komische Wesen
aus fernen Welten. Sein Humor ist schwarz: "Wir könnten
unser Kind stundenweise verleihen", sagt die Mutter, "und
vom Erlös ein zweites kaufen". "Dann säg' ich
beide durch", antwortet der immer bereite Sägewolf. Oder:
zwei Vermummte sitzen am Ufer, der eine droht der Sonne mit einem
Stock. "Sie hat tatsächlich Angst", sagt der andere
mit Blick auf die Uhr: es ist mittags, und sie geht nicht auf. Beängstigend
aktuell: Egners "Tagebuch eines Trinkers", hier effektvoll
in einer Champagnerbatterie dekoriert. Weiß Gott nicht das
einzige Buch, der Mann ist fleißig. Comics und Postkarten,
alle in diesem makber-skurrilen Stil, prall und schrill. Kleine
Auswahl: Hilferuf einer Bauchrednerin: "Sanitäter, meine
Puppe kriegt Junge!" - "Glücklich ist, wer "
- oh, das hatten wir schon. Aber die Teddybären-Operation noch
nicht, die kann keine Holzwolle sehen.
O-Ton
Eugen Egner
" Dadurch, daß ich zwei Berufe ausübe, habe ich
ungefähr monatlich ein halbes Gehalt, so ist die Rechnung,
aber ich tu nichts anderes. Ich versuche tatsächlich davon
zu leben, und wenn man sich nicht ganz dumm anstellt, kann man das
auch. Also, ich arbeite für den Hörfunk, schreibe Hörspiele
und mache auch verschiedene, ich will nicht gerade sagen: Auftragsarbeiten,
aber doch etwas angewandtere Dinge, was das Zeichnen jetzt angeht,
und dadurch kommt, mit den regelmäßigen Veröffentlichungen
der Cartoons, doch schon so viel zusammen, daß man naja, es
ist etwas oberhalb der Armutsgrenze."
Wer dagegen etwas tun will, kann diese Ausstellung besuchen: noch
bis zum 8. September. Originale, auf denen ein würgender Mann
sich wundert, welch putzige Figuren seine Frau mit den Händen
reißt, kosten um die Mark, Postkarten gibt's für Kleingeld.
Wo? In der ehemaligen Kleiderkammer der Deutschen Bahn, wo einst
Lokführer, Schaffner und Stationsvorsteher ihr Dienstklamotten
erhielten. Heute baumeln dort Gags und Witze und Phantasiefiguren
von der Decke.
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