Ab 6. Juni läuft in Kassel die Documenta11, und aus diesem Anlass
öffnet am 21. Juni die CARICATURA IV ihre Pforten. Denn neben
ihren vielfältigen anderen Aktivitäten begleitet die CARICATURA
seit 1987 die auf der Documenta gezeigte Welthochkunst mit einer eigenen
Ausstellung: 100 Tage Komische Kunst. Nach einer Bestandsaufnahme
deutscher Gegenwartskarikatur »70 mal die volle Wahrheit«
in der ersten CARICATURA 1987, präsentierte die CARICATURA II
mit »Schluss jetzt!« 1992 eine Ausstellung zum Thema Tod
im Museum für Sepulkralkultur, und die CARICATURA III legte als
Antwort auf die praktisch malereifreie documenta X den Schwerpunkt
auf den gut gemalten Witz.
In diesem Jahr nimmt sich die CARICATURA IV eines lange überfälligen
Themas an: dem englischen Humor. Hartnäckig hält sich
nämlich die Behauptung, er sei besser als der deutsche. Auf
der Insel glaubt man das ohnehin, hierzulande gelegentlich auch.
Aber stimmt das auch? Gut, die Briten haben Monty Python. Aber ist
»Dinner for one« wirklich so komisch? Muss man nicht
Engländer sein, um über so etwas lachen zu können?
Die Liste der gegenseitigen Ressentiments und gängigen positiven
und negativen Klischees ist lang. Zeit also für eine Klarstellung.
Rund 60 deutsche Zeichner und Autoren haben es sich zur Aufgabe
gemacht, unter dem Titel »English Lessons« den englischen
Humor würdigend zu erschließen: in übersichtlichen
Units vom Witzkrieg bis zur Huldigung
Denn eine ernstgemeinte Würdigung erschöpft sich nicht
in Schmeicheleien. Die Zeichner und Autoren, die dieses Feld mit
Lust an der komischen Auseinandersetzung beackern, nutzen das Projekt
vielmehr als Positionsbestimmung mit offenem Ergebnis. Die zu verhandelnden
Inhalte sind dabei naturgemäß ebenso vielfältig
wie der Gestus und die künstlerischen Formen. Erlaubt ist alles,
was der Wahrheitsfindung dient und komisch ist. Klischees wie englischer
Nebel oder die englische Küche werden ebenso verlässlich
und unbestechlich ausgelotet wie die Trauma-Themen Fussball und
BSE oder das Traum-Thema Royals. Es wird Verneigungen und Seitenhiebe
geben, Kniefälle und Provokationen, Umzingelungen und Entlarvungen
- in Zeichnungen, Videos und Texten, in Devotionalien, Gemaltem
und Gereimtem. Ziel dieses Arbeitsprozesses ist ein Beleg der Arbeitshypothese:
Der deutsche Humor ist besser als sein Ruf - auf der Insel und daheim.
Er ist natürlich auch viel besser als der englische. Und in
Wort und Bild erst recht besser als das, was derzeit in der deutschen
TV-Comedy-Wirklichkeit veranstaltet und behauptet wird.
Wir freuen uns, dass auch in diesem Jahr der Bundesminister der
Finanzen, Herr Hans Eichel, die Schirmherrschaft über diese
Ausstellung übernommen hat.
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