Ausstellung vom 22. Juni bis 15. September 2002
  BrendaX
CARICATURA IV
»English Lessons«
learning humour — the komische kunst in 10 units
 
Orte: CARICATURA Galerie für Komische Kunst
  im KulturBahnhof und
  gegenüber in temporärer Zweigstelle
Öffnungszeiten: täglich von 10-20 Uhr  


Ab 6. Juni läuft in Kassel die Documenta11, und aus diesem Anlass öffnet am 21. Juni die CARICATURA IV ihre Pforten. Denn neben ihren vielfältigen anderen Aktivitäten begleitet die CARICATURA seit 1987 die auf der Documenta gezeigte Welthochkunst mit einer eigenen Ausstellung: 100 Tage Komische Kunst. Nach einer Bestandsaufnahme deutscher Gegenwartskarikatur »70 mal die volle Wahrheit« in der ersten CARICATURA 1987, präsentierte die CARICATURA II mit »Schluss jetzt!« 1992 eine Ausstellung zum Thema Tod im Museum für Sepulkralkultur, und die CARICATURA III legte als Antwort auf die praktisch malereifreie documenta X den Schwerpunkt auf den gut gemalten Witz.

In diesem Jahr nimmt sich die CARICATURA IV eines lange überfälligen Themas an: dem englischen Humor. Hartnäckig hält sich nämlich die Behauptung, er sei besser als der deutsche. Auf der Insel glaubt man das ohnehin, hierzulande gelegentlich auch. Aber stimmt das auch? Gut, die Briten haben Monty Python. Aber ist »Dinner for one« wirklich so komisch? Muss man nicht Engländer sein, um über so etwas lachen zu können? Die Liste der gegenseitigen Ressentiments und gängigen positiven und negativen Klischees ist lang. Zeit also für eine Klarstellung. Rund 60 deutsche Zeichner und Autoren haben es sich zur Aufgabe gemacht, unter dem Titel »English Lessons« den englischen Humor würdigend zu erschließen: in übersichtlichen Units vom Witzkrieg bis zur Huldigung

Denn eine ernstgemeinte Würdigung erschöpft sich nicht in Schmeicheleien. Die Zeichner und Autoren, die dieses Feld mit Lust an der komischen Auseinandersetzung beackern, nutzen das Projekt vielmehr als Positionsbestimmung mit offenem Ergebnis. Die zu verhandelnden Inhalte sind dabei naturgemäß ebenso vielfältig wie der Gestus und die künstlerischen Formen. Erlaubt ist alles, was der Wahrheitsfindung dient und komisch ist. Klischees wie englischer Nebel oder die englische Küche werden ebenso verlässlich und unbestechlich ausgelotet wie die Trauma-Themen Fussball und BSE oder das Traum-Thema Royals. Es wird Verneigungen und Seitenhiebe geben, Kniefälle und Provokationen, Umzingelungen und Entlarvungen - in Zeichnungen, Videos und Texten, in Devotionalien, Gemaltem und Gereimtem. Ziel dieses Arbeitsprozesses ist ein Beleg der Arbeitshypothese: Der deutsche Humor ist besser als sein Ruf - auf der Insel und daheim. Er ist natürlich auch viel besser als der englische. Und in Wort und Bild erst recht besser als das, was derzeit in der deutschen TV-Comedy-Wirklichkeit veranstaltet und behauptet wird.

Wir freuen uns, dass auch in diesem Jahr der Bundesminister der Finanzen, Herr Hans Eichel, die Schirmherrschaft über diese Ausstellung übernommen hat.

 
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