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Auch
wenn die großen, abendfüllenden Animationsfilme am Computer
entstehen, ist der kurze, traditionelle Zeichentrickfilm keineswegs
tot. Denn die Zeichnung ist nach wie vor die Grundlage des Animationsfilms
und somit originärer Bestandteil der universitären Ausbildung
der Trickfilmer.
Dennoch ist
der traditionelle künstlerische Zeichentrick aus dem Bewusstsein
der breiten Masse gewichen und droht vielleicht der Vergessenheit
anheim zu fallen. Letzteres liegt nicht zuletzt daran, dass das
Publikum kaum Gelegenheit hat, diese Filme zu sehen und breite Foren,
insbesondere für junge Trickfilmer, fehlen.
Schon aus dem
Grund ist die Caricatura für ihre aktuelle Ausstellung "Trickreich"
zu loben, denn sie bietet jungen Animationsfilmern in den kommenden
zehn Tagen Gelegenheit, ihre Arbeiten vorzuführen. Gezeigt
werden sieben Animationsfilme und mehrere Loops (kurze animierte
Endlosschleifen) von Studierenden des Fachbereichs Visuelle Kommunikation,
Abteilung Trickfilm, an der Kasseler Kunsthochschule. Es sind allesamt
Arbeiten, die unter den Professoren Thomas Meyer-Hermann und dem
mittlerweile emeritierten Paul Driessen entstanden.
Die Ausstellung
ist zweiteilig konzipiert. Zum einen laufen auf 25 Bildschirmen
die sieben Filme und die Loops im Dauerbetrieb. Zum anderen informieren
Bilder, Zeichnungen und Storyboards über Entstehungsprozesse
und technische Besonderheiten. Dabei fällt auf, dass alte und
neue Techniken so eingesetzt werden, wie sich mit ihnen die gewünschten
Resultate erzielen lassen: Raphael Wahl hat etwa seinen Film "X"
zwar vollständig am Computer geriert, ihm aber nachträglich
eine "zeichnerische" Optik verpasst, die an Zeichentrick
der Sechzigerjahre erinnert.
Drei der sieben
Filme hatten bereits im vergangenen Jahr im Bali-Kino Premiere:
"Ego Sum Alpha et Omega" von Jan-Peter Meier, "Phänotyp"
von Ulf Ligniez und "Leben hinterm Mond" von Martin Schiffter.
Ganz neu sind der erwähnte "X" von Raphael Wahl,
"Mondspaziergang" von Jutta Schünemann und Till Mertens
sowie der Puppentrickfilm "Sprössling" von Anne Breymann
(von dem allerdings nur ein Trailer zu sehen ist).
Wollte man verbindende
Gemeinsamkeiten herauskristallisieren, ließe sich sagen, dass
es sich bei allen Themen um kleine (menschliche) Dramen handelt,
die ohne Dialoge auskommen. Das grafische Moment, die Entwicklung
einer originären Bildsprache und die Verdichtung einer Emotionen
weckenden Kürzesthandlung stehen im Vordergrund. Vielleicht
ist das das Signum der "Kasseler Schule des Animationsfilms".
Trickreich -
Die Trickfilmklasse der Kunsthochschule Kassel. Bis 12.2. Öffnungszeiten:
werktags von 14-20 Uhr, Samstag und Sonntag 12-20 Uhr.
3.02.2006,
HNA, Andreas Gebhardt
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