HNA
Von Hühnern und Menschen
Die Kasseler Caricatura zeigt ab heute Cartoons von Stephan Rürup

 

Kassel. Die Versorgung der Kranken mag gesichert sein, aber was wird eigentlich aus all den Hypochondern? Und was tut man, wenn der Tod vor der Tür steht, um sich eine Tasse Mehl zu borgen? Stephan Rürup stellt sich solch spannende Fragen - und beantwortet sie in Form von tiefsinnigen Karikaturen. Heute Abend eröffnet die Kasseler Caricatura eine Ausstellung mit Werken des Titanic-Redakteurs.

"Meine Cartoons haben nicht nur scheußliche Inhalte, sie sehen auch schlimm aus", sagt Rürup über seine Bilder. Tatsächlich beschränkt der Cartoonist die Darstellung von Menschen oft auf wenige eindeutige Merkmale. Doch mehr braucht es auch nicht, um Zeitgeschehen, Beziehungsprobleme und Wortspielereien ironisch und fantasievoll in Szene zu setzen.

Rürup nimmt Dinge wörtlich. So wird aus der Redensart "Als die Bilder laufen lernten" eine Karikatur, in der Kunstwerke eigenständig aus dem Museum spazieren. Einzigartig auch seine intelligenten Wortspielereien. So macht der Zeichner aus dem Weltkulturerbe eine "Weltkulturerbse". Die liegt natürlich weich gebettet und von allen bewundert unter einer Glasglocke.

Wie es sich für einen "Titanic"-Redakteur gehört, reflektiert Rürup in seinen Arbeiten meist aktuelle Themen. Derzeit hat es ihm vor allem die Vogelgrippe angetan. In einigen Karikaturen wirft er einen ironischen Blick auf die Tierseuche, die die Menschen seit Monaten beschäftigt. Deshalb fordert das Bundesgesundheitsministerium von der ländlichen Bevölkerung: "Bitte nicht mehr mit den Hühnern ins Bett!"

Vogelgrippe, Gesundheitsreform, Staatsbesuche von Politikern: Rürups Cartoons stecken voller Ideen. Bewusst stößt er manchmal an die Grenzen des guten Geschmacks. So lässt er eine Armee von Selbstmördern durch heimische Schlafzimmer wandeln. Und Schüler fragen sich nach dem Amoklauf eines Klassenkameraden: "Wer macht jetzt den Raum sauber?"

Stephan Rürup: Bitte nicht mehr mit den Hühnern ins Bett!, Caricatura (Kulturbahnhof Kassel), Eröffnung: heute, 19.30 Uhr, bis 28. Mai, Do und Fr 14 bis 20 Uhr, Sa und So 12 bis 20 Uhr.

6.04.2006, www.hna-online.de (erschienen 7.4.2006), Pamela Sommer

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