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Zeitgleich zum Erscheinen des Buches „Sondermann kommt!“ (2006, Steidl) zeigt die CARICATURA die gleichnamige Ausstellung zum Andenken an den im Sommer 2004 verstorbenen kongenialen Cartoonisten Bernd Pfarr. Seine wohl populärste Figur ist Herr Sondermann, in dessen skurrile Welt der Besucher durch über 100 Werken aus drei Jahrzehnten eintauchen kann. Zur Kultfigur wurde Sondermann, der Büromensch mit Anzug und Krawatte, durch das endgültige Satiremagazin Titanic, in dem er ab 1987 sein Unwesen trieb.
Die Laudatio zur Eröffnung hält der Schriftsteller, Journalist und Sänger Wiglaf Droste. Der in Westfalen geborene Satiriker lebt heute in Berlin. Seine Kolumnen erscheinen wöchentlich auf der Wahrheit-Seite der taz; gemeinsam mit dem Essener Spardosenterzett geht er auf Lese- und Konzertreisen. Außerdem ist er Juniorherausgeber der kulinarische Kampfschrift "Häuptling Eigener Herd" mit dem Sternekoch Vincent Klink. Ben-Witter-Preis 2003, Annette-Droste-von Hülshoff-Preis 2005.
Droste schrieb in seinem Nachruf über Bernd Pfarr: „Seine Bilder hauchen dem Alltag traumhaftes Leben ein und gewinnen ihm die entzückendsten Überraschungen ab. Sie gehören zum Besten, das die Komischen Künste hervorgebracht haben.“
Über Sondermann:
Meist betulich und gewissenhaft, dann und wann aber auch beseelt von Enthusiasmus, Größenwahn oder gar Boshaftigkeit, verrichtet der Buchhalter Sondermann sein bizarres Tagwerk aus Büroarbeit, Essen, Glück, Fotografie, Reisen und Feierabend. Dabei gerät er immer wieder in absurde Alltagsituationen begleitet von sonderbaren Wesen wie dem sprengfreudigen Nachbarn TNT Schulze und allerlei Getier wie Bären, Pinguinen, Krokodilen und Hunden. Ob im „Verein der Freunde der Würzmittel“, beim „Negerschrubben im Büro“ oder beim Bespitzeln der Yeti-Schwarzhändler, Sondermann agiert stets an der Grenze zwischen Biedersinn und Abgründigkeit und meidet dabei aufs Erfreulichste jedwede political correctness. Die Sondermannsche Realität mag oft absonderlich anmuten, ist aber nach Bernd Pfarr vielleicht nicht absonderlicher als unsere eigenen individuellen Wahrheiten:
„Realität ist für mich immer nur das, was jeder als Realität empfindet. Wir leben alle in verschiedenen Welten. Wir haben zwar eine Schnittmenge, wo wir uns verständigen können, doch das emotionale Empfinden ist sehr subjektiv. Ich würde gerne allen Leuten austreiben, dass sie glauben, dass ihre Realität "die Realität" ist und nicht nur eine bizarre Sicht der Dinge.“ (Bernd Pfarr im Interview mit dem Subway Magazin, April 2004)
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