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Rockstar Mick Jagger als Kasperlepuppe in der Hand seines Gitarristen Keith Richards, die Feministin und Journalisten Alice Schwarzer als biedere Mitspielerin des heiteren Beruferatens und der PDS-Lenker Gregor Gysi in selbstgefälliger Politiker-Pose – es sind die großen Medienstars, die der Karikaturist und Maler Sebastian Krüger auf die Pinselspitze nimmt. Mehr als 100 seiner Arbeiten sind noch bis zum 1. Juni in der Galerie für komische Kunst im Kasseler Kulturbahnhof zu sehen.
Krüger schaut hinter die Kulissen.
Die Ausstellung „Backstage“ zeigt, wie vielfältig der für Spiegel, Stern und viel renommierte Tageszeitungen tätige Karikaturist ist. Während die Porträts Michael Jackson (die lockige Haarpracht vor der Stirn in die Form eines Dollarzeichens gebracht), Madonnas oder Tina Turners sehr plakativ gemalt sind, entpuppen sich andere Bilder als einfühlsame, differenzierte Studien der Persönlichkeiten aus Pop, Politik und privaten Umfeld.
Die Farbflächen sind in diesen Bildern stärker strukturiert und wirken damit belebt – ebenso wie die gezeigten Personen. Das gilt vor allem für etliche Arbeiten aus der umfangreichen Rollings-Stones-Serie.
Die Rock-Musiker waren von ihren Konterfeis aus der Hand Sebastian Krügers so angetan, dass sie sich mit dem Künstler anfreundeten. „It must have been a good pencil“, urteilte Keith Richards wohlwollend.
Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass die Karikaturen und Porträts Krügers meist entlarvend sind, aber nicht verächtlich machen. So zeigt er die Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth als listigen Medienstar (der Marcel Reich Ranicki Hasenohren aufsetzt) und Pablo Picasso als alternden, eitlen Mann mit überdimensionalen Geschlechtsteil.
„Backstage“ ist die achte Ausstellung der vor mehr als einem Jahr eröffneten, bundesweit einmaligen Galerie für komische Kunst. Hatte der Verein „Caricatura“ bereits zuvor mit einer Reihe großer Karikaturen- und Cartoon-Ausstellungen (beispielsweise zu Neuen Frankfurter Schule ) von sich reden gemacht, so schuf er mit der Stadt einen 300 Quadratmeter großen, ständigen Veranstaltungsort.
Während der docomenta X, der internationalen Kasseler Schau der Gegenwartskunst (21. Juni bis 28. September), wagt der Verein seine dritte Bestandsaufnahme zur aktuellen Lage der komischen Kunst im deutschsprachigen Raum. |