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Wie sich die „Caricatura“ etabliert hat
Kritzeleien, Bildchen, Verunglimpfungen bedeutender Persönlichkeiten in Wort und Bild – soll das Kunst sein? Ja. Es ist Kunst, komische Kunst. Die Geschichte des Vereins Caricatura in Kassel.
KASSEL. Am Anfang der 80er Jahre erklärten ein paar Studenten der Kasseler Hochschule für Bildende Künste, sie möchten gern mehr als nur die klassische Kunst vermittelt bekommen. So luden sie F.K. Waechter und F.W. Bernstein, Gründungsmitglieder der Neuen Frankfurter Schule, als Gastdozenten ein, die ihnen fortan etwas über Karikatur, Satire und komische Kunst erzählten (Bernstein ist seit 1984 Professor für Karikatur und Bildergeschichte in Berlin).
Daraus entstand der Verein Caricatura, der 1987 in alten Lagerhallen eine umfassende Ausstellung bundesdeutscher Karikatur zeigte. Es war dies ein „documenta“-Jahr und die Macher der Ausstellung komischer Kunst konnten sich des enormen Ansturms kaum erwehren. Frohgemut machte man sich also an die Arbeit, was u.a. zur ersten großen Ausstellung sowjetischer Karikatur nach dem Zusammenbruch der UdSSR führte.
Im Jahr 1992, parallel zur „documenta IX“, gabs dann die „Caricatura II“, wie sich das Unternehmen selbstbewußt und ironisch nannte. Und diesmal sollte die komische Kunst im Kasseler Museum für Sepulkralkultur ihr Unwesen treiben, zwischen Urnen, Grabsteinen und anderen Objekten der Grabkultur.
Seit 1995, als der Kasseler Hauptbahnhof in den ersten deutschen KulturBahnhof umgewandelt wurde, hat das Umherziehen ein Ende: Die „Caricatura“ hat ein festes Domizil, das heißt eine Galerie für komische Kunst, Büros und eine tolle Bar. Catherine David, Chefin der „documenta X“, erwies der bundesweit einmaligen Institution einen gar nicht hoch genug einzuschätzenden Dienst, indem sie ihren „Ausstellungsparcours“, der ja durch die halbe Innenstadt Kassels führt, am KulturBahnhof beginnen läßt. Dort zeigt die „Caricatura“ ihre dritte große Ausstellung, an der Jahr siebzehn der wichtigsten Künstler aus dem Bereich der komischen Kunst beteiligt sind.
In sieben Containern werden junge (wie Rattelschneck, Moers, Krüger, Hansen) und alte (Bernstein, Gernhardt, Waechter) Künstler ausgestellt und miteinander konfrontiert, und die Kunstinteressierten dieser Welt bekommen dort, was sie dieser Tage in Kassel sonst nicht bekommen: bunte Bilder, Malerei, lockeren Umgang mit der Kunst. Und im Gegensatz zum arg kopflastigen Wälzer der Weltausstellung gibt es zur „Caricatura III“ einen wunderschönen Katalog (49,80 DM). |