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Das heitere Kontrastprogramm zur allzu ernsten documenta X präsentiert gleich nebenan die Caricatura III. Sie bietet komische Kunst in allen Facetten: Til Mettes Zeichenfiguren beweisen trockenen Witz im Alltag, Ernst Kahl malt abgründige Idyllen, während Rudi Hurzlmeier „anrüchiges“ Fußporträt sicherheitshalber im Kühlschrank steht, weil es aus echtem Käse geschnitzt ist.
Die Caricatura konzentriert sich auf 17 Spitzenkräfte aus dem deutschsprachigen Raum. Im alten Hauptbahnhof und auf dem Platz davor präsentieren sie ihre Bilder und Objekte in selbstbestimmter Auswahl. Trotzdem hat sich ein Hauptthema eingestellt.: So gut wie keiner konnte es sich verkneifen, der sogenannten „Hochkunst“ vertraulich auf die Schulter zu klopfen. Und auch der Kunstdilettanten wird gedacht. Achim Greser zeigt Adolf Hitler, der auf Kinderart ein Landschaftsbild gemalt hat. Eva Braun urteilt mit aller gebotenen Vorsicht: „Ich finde es ein Ideechen zu entartet, Schatz.“
Etliche Karikaturisten haben für sich die von der documenta schnöde vernachlässigte Malerei entdeckt. Walter Moers schleust seine Kultfigur „Kleines Arschloch“, die dieses Jahr sogar zum Kinostar avancierte, in die Gemälde berühmter Künstler ein. In einer Pablo Picasso „zugeschriebenen“ Version von „Guernica“ kreischt der Knabe mit der Riesennase und den vier Haarstoppeln entsetzt auf. Nebenan hat F.W. Bernstein mit Klecksern und Gestrichel ein schönes Erlebnis in der Frankfurter Untergrundbahn verewigt – „Neulich in der U 9: Dürers Mutter und ihr Pudel“.
Sebastian Krüger mag da nicht zurückstehen: Ihm ist Joseph Beuys erschienen. Nun hängt er in überdimensionaler Nahsicht wie ein Außerirdischer mit riesigen Insektenaugen unter der Sonnenbrille inmitten von Krügers Porträtkarikautren heftig verzerrter Filmgrößen und Rockstars.
Auf einem penibel realistisch gemalten Bild Gerhard Haderers begegnen wir ihnen wieder. Er hat Edward Hoopers melancholisches Gemälde „Nighthawks“ (1942) einer fröhlichen Korrektur unterzogen: Jetzt drängeln sich die Rolling Stones, Bob Dylan und Pavarotti an der Theke, während Michael Jackson den Barkeeper mimt.
Die schillerndste Figur der Karikaturistenszene aber ist Eugen Egner, der Erfinder des „komischen Surrealismus“. Mit Tusche und Wasserfarbe hat er ein wahnwitziges Panoptikum skurriler Typen zusammengesponnen, die auf merkwürdigen Fortbewegungsmitteln rastlos in einer bizarren Welt unterwegs sind.
Ein dreiarmiger Bursche, der eine Leine hält, an die eine Leiter gebunden ist, deren Sprossen ein gelb gepunkteter blauer Esel mit Puppe auf dem Rücken hinabsteigt, steht mit zurückgebundenen Ohren vor einer Trinkhalle, streckt eine Flasche vor und fragt: „Entschuldigung, können Sie mir sagen, ob in der Flasche noch gesprochen wird?“ Da wird nicht nur dem Budenbesitzer schwindelig.
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