Deutsche Presseagentur
Komische Kunst im langen Schatten der documenta X

 

Die enge Verbindung der Konkurrenten zeigt sich schon in der räumlichen Nähe. Einträchtig buhlen im Kasseler KulturBahnhof die Weltkunstausstellung documenta und die Bilderschau die Schau CARICATURA um die Gunst des Publikums. Im langen Schatten der documenta bitte die Karikaturenschau mit dem Untertitel >Die komische Kunst< zum Kunstgenuß der anderen Art – und tritt bereits zum dritten Mal zeitgleich mit der Weltkunstschau an.
>Wir profitieren natürlich davon, daß dann viele Leute kommen<, meint Caricatura-Sprecherin Gudrun Hölz. Werke zwischen Komik und Hintergründigem von 17 Künstlern haben die Veranstalter für die derzeitige Ausstellung in der ehemaligen Kleiderkammer des Bahnhofsversammelt. Zu sehen bekommen die Besucher dabei vor allem eines: >Hier gibt es richtige Bilder<, kann sich Sprecherin Hölz einen Seitenhieb auf die große Kunstschwester nicht verkneifen. >Das haben viele bei der documenta zu selten gesehen.<
Die CARICATURA hat es in sich: Mal steht in Gerhard Glücks >Mit Marx im Baumarkt< der Verlierer des ausgehenden 20. Jahrhunderts im Blaumann vor den Regalen und begutachtet Hämmer und Sicheln. Mal wird Alltägliches aufs Korn genommen, etwa bei Gerhard Haderers >Frankfurt Airport<: Noch in voller Blässe schaut eine Schlange urlaubsreifer Männer unter dem Schild >Abflug< ihrem zukünftigen Ebenbild hinterher, das soeben in schönster Urlaubsbräune aus den Sommerferien heranmarschiert.
Trotz des Angebots von Klassikern wie F.W: Bernstein und Robert Gernhardt bis hin zu jüngeren Künstlern wie Rattelschneck hat die CARICATURA III bisher nur mäßigen Erfolg. Gerade etwas mehr als 10.000 Besucher konnte die Schau seit dem 21. Juni verbuchen, 1992 waren es insgesamt rund 26.000. >Das in diesem Jahr enttäuschend<, gesteht Hölz – und blickt bei den Erklärungsversuchen wieder auf die große Konkurrenz. >Die documenta ist gedämpft und sehr intellektuell, vielleicht kommen ja andere Leute als vor fünf Jahren.<
Doch diejenigen, die den Weg in die umfunktionierte Kleiderkammer gefunden haben, scheinen mehr als zufrieden. >Sehr erfrischend – verglichen mit der todernsten, didaktischen documenta<, schrieb ein Besucher der CARICATURA ins Gästebuch. Und ein anderer ging sogar noch einen Schritt weiter: >ES war hier viel leichter, Kunst zu finden als nebenan.<

Zurück

Startseite