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"Caricatura III" in Kassel neben der ernsten "documenta"
An die Cartoonseelsorge mit Drick, Dreck und Scheißdreck würde sich wohl gern so mancher wenden. Versprechen die drei rosa Schweinchen doch: "Alles halb so wild". Aber leider nur auf dem Papier, skizziert vom Münchner Gunter Hansen, dem Tierspezialisten unter den Zeichnern. Das Beste vom Komischen zeigt die "Caricatura III" in der Galerie am Kulturbahnhof sowie in sieben eigens aufgestellten Containern am Bahnhofsplatz.
Werke von 17 Karikaturisten aus dem deutschsprachigen Raum sind zu sehen. Nicht nur Zeichnungen wie die von Altmeister Robert Gernhardt und dem hintersinnigen Ernst Kahl, auch Gemälde von Michael Sowa und Skulpturen sind ausgestellt. Und wie das bei Karikaturen so ist, reicht die Spanne der Themen von banal bis politisch, die Umsetzung von bitterböse bis poetisch.
Auch mit der Kunst setzt sich so mancher auseinander. Walter Moers läßt seien Comic-Helden "Das kleine Arschloch" in Baselitz-Manier auf dem Kopf stehen, huldigt mit einem "Strahlenarschloch" Keith Haring und verbannt sie in Öl eingelegt in eine Campbells-Suppendose à la Andy Warhol.
Als erfrischende und lebendige Ergänzung zur Hochkunst soll die "Caricatura" gesehen werden. Und das ist sie auch, denn fast alles ist wirklich witzig. Beim New Yorker Til Mette etwa vertreibt sich ein Passagier im Flugzeug die Langeweile, indem er mit dem Handy die Landeklappen rein und rausfährt. Heribert Lenz gießt mal eben Lothar Matthäus in Kunstharz, und bei Gerhard Haderers "Rot" stehen die Menschen selbst in der Wüste brav an der roten Ampel.
Auf den Anspruch einen repräsentativen Überblick zu geben oder die Arbeiten thematisch zu gliedern, verzichtet die Galerie - und das ist ganz erfrischend. Verspielter Nonsens und boshafte Schärfe stehen nebeneinander und sorgen so für Abwechslung. Auch wenn nicht alles überzeugen kann: Die "Caricatura" macht klar, dass sich die Karikaturisten längst davon gelöst haben, nur Leitartikel zu kommentieren oder Witzseiten zuzumalen.
Galerie im Kulturbahnhof, Bahnhofsplatz 1, Kassel. Täglich von 10 bis 21 Uhr. Bis zum 5. Oktober |