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MorgenMagazin; Bericht: Alexander Hesse und Christian Kirsch

 

Zum Schluß werfen wir einen Blick auf eine Ausstellung in Kassel, die sich seit Jahren schon auf dem Platz vor der berühmten documenta angesiedelt hat. Das Anliegen der Künstler ist besonders schwer und kontrovers. Es gibt Kulturen in Europa und darüber hinaus, die felsenfest die Ansicht vertreten, uns Deutschen liege die ganze Stilrichtung nicht: der Humor. Ich sage schon mal Auf Wiedersehn, und Christian Kirsch und Alexander Hesse nehmen uns an die Hand und wandern mit uns das Repertoire und die Stationen ab, der CARICATURA: von munterer Ausgelassenheit über verspielten Unsinn bis hin zur boshaften Schärfe.

Kassel, dieser Tage: alles stürmt zur documenta – fast alles. Ignoranten der selbstverliebten Hochkultur zieht es reichlich zur Kunst der anderen Art, zur CARICATURA. Das Treffen der Spötter am Zeichenbrett zeigt sich voller Selbstbewußtsein.

O-Ton Achim Frenz, Caricatura: >Wir betrachten die documenta als eine Veranstaltung, die in unserem Beiprogramm stattfindet.<

O-Ton Robert Gernhardt (vor einer seiner Zeichnungen): >Da muß man, wenn man die Höhung draufsetzt, auch ziemlich präzise sein – wegwischen geht zwar, aber dann wird’s immer matter, immer grauer, und dann sieht’s nicht mehr aus. Man ist ziemlich unter Strom, wenn man sowas zeichnet.<

Auftritt des Meisters seiner Zunft, nie kopiert, weil schwer erreichbar.

O-Ton Robert Gernhardt: >Lesen und denken, dann manchmal auch lachen – also lesen, lachen, denken.<
O-Ton Redakteur: >Der Aufhänger bei diesen Zeichnungen ist Lichtenberg – und dann kommen Sie?<
O-Ton Robert Gernhardt: >Dann komm´ ich. Ja, er ist mein Ghostwriter, mein Stichwortgeber. Und da er so lange schon tot ist, kann er Gottseidank auch keine Tantiemen mehr einfordern. Es ist eine sehr gute Zusammenarbeit.<

O-Ton Ernst Kahl: >Ich hätte nie gedacht, daß mehr Zuschauer zur CARICATURA gehen würden als zur documenta. Das ist ja Wahnsinn, was hier los ist auf dem Bahnhofsplatz.<
O-Ton Achim Greser: >Ein Weltereignis, eine Weltausstellung ...Ich finde, es ist sehr fragwürdig, was auf der documenta gezeigt wird. Ich habe heut´ Nachmittag den Schweinestall gesehen, und das kenn´ ich von daheim zur Genüge, dazu ist es eigentlich nicht notwendig ...<
O-Ton Ernst Kahl: >... das muß man nicht zeigen. Also wenn, dann hätte ich ein Meerschweinchenkunstdorf gemacht.<
O-Ton Achim Greser: >Hier bei der CARICATURA gab´s zur Vernissage oder zur Ausstellungseröffnung Leberwurstbrötchen, und ich glaube, das ist das angemessene Verhältnis, das der Mensch zum Schwein haben sollte ...<
O-Ton Ernst Kahl: >... ich habe dazu eine Fotogeschichte gemacht, und die resümiert am Schluß:
<Wenn der Mensch, wie grad´ gezeigt,
sich vor´m Tier im Schwein verneigt,
wenn er füttert und verehrt,
was ihn täglich einst ernährt,
dann wird ihm wohl jedes Schwein
eine Bockwurst gern verzeihn.<<<

(Rattelschneck beim Live-Zeichnen, damit verbundener Tonausfall)

Erfrischend: oft genug haben Deutschlands Zeichner Probleme mit dem guten Ton.
O-Ton Redakteur: >... Ton läuft. Die Frage war, ob ihr mit den Eindrücken, die ihr heute hier gesammelt habt, einverstanden seid – ist es o.k.?<
O-Ton Marcus Weimer, Rattelschneck: >Ja.<
O-Ton Olav Westphalen, Rattelschneck: >Ja, das ist gut. Gute Ausstellung.<

O-Ton Robert Gernhardt: >Sie setzt nicht mehr so auf den breiten Konsens , auf den großen Lacher, diese komische Kunst hier, sondern man muß da sogar manchmal schon etwas warten, bis der Groschen fällt – aber meistens fällt er ja.<

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