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Friedrich Jahn und seine Mutter
 
Lesung – Dias – Musik
     
    »Heute bleibt die Küche kalt!«
    Große WiWaLe* mit
Oliver Schmitt, Gerhard Henschel und Christian Schmidt
   

Termin: Do. 25. April 1996, 20.00 Uhr

Ort: CARICATURA Galerie für
Komische Kunst KulturBahnhof
     
     
     
Presse      

 

Eine Milliarde unschuldiger Hähnchenseelen hat Friedrich Jahn schätzungsweise auf dem Gewissen. Er war der König der Grillhendl, der Duzfreund von FJ Strauß und mehrfacher Millionär. In den fünfziger Jahren erfand er den »Wienerwald«, arbeitete sich buchstäblich »Vom Kellner zum Millionär – und zurück« – so auch der Titel seines bislang einzigen und einzigartigen Buches, aus dem die TITANIC-Redakteure Oliver Schmitt, Gerhard Henschel und Christian Schmidt vorlesen werden. Sie werden be-weisen, daß die Behauptungen, der Ex-Millionär könne gar nicht schreiben, böswillige Verleumdungen sind. Im Gegenteil, beredt läßt Jahn Jahrzehnte wechselhafter Firmengeschichte vor den Augen der Leser Revue passieren, voller Sachverstand weiht er sie in die Geheimnisse erfolgreichen Marketings ein und läßt sie teilhaben an all seinen Begegnungen mit den Mächtigen, Reichen und Illustren dieser Welt. Bei allem Geschäftlichen kommt jedoch nie das Private zu kurz: aus der Warte des fürsorglichen Familien-vaters gewährt Jahn Einblicke in die gute Stube und erzählt von Rummy-Abenden und Sauna-Erlebnis-sen. Als besonderes Schmankerl enthält das Buch eine Reihe von Rezepten, für Semmelkren, Erdäpfel-salat, Chicken Las Vegas und viele andere Köstlichkeiten. Jahn schreibt mindestens so gut, wie er singt. Das beweisen die zwanzig Musikkassetten, die es von ihm gibt: »Sing und trink mit mir«, »Ich liebe alle Frauen«, »Fesch und resch« oder »’s ist einmal im Leben so«, um nur einige zu nennen. Auch davon wird im Rahmen dieser Jahn-Verherrlichungs-Veranstaltung zu hören sein. Damit einem das Sehen auch noch vergeht, runden Bilder aus seinem bewegten Leben dasselbe ab. Mahlzeit.

Über die Kindheit
»Mein Großvater besaß ein Gasthaus in der Rosenstraße 1 in Linz/Urfahr. ... Eines Tages habe ich her-ausgefunden, daß manche Leute Geld unter den Tischen verloren. Hauptsächlich dann, wenn Samstag und Sonntag Tanz war. Schon früh am Morgen machte ich mich daran nachzusehen, was unter den Tischen und Bänken lag. Ich lernte damit sehr früh den Wert des Geldes kennen.«

Über den Krieg
»Ob in Deutschland, Belgien, Frankreich, oder Lettland, um uns Flieger war überall ein G’riß. ... So kannte ich eigentlich keinen Notstand, was Liebe betraf, und mein Motto war: ‘Und ist der Zahn auch noch so steil, a bisserl was geht alleweil.’«

Über Konrad Adenauer
»Eines Tages rief mich mein Freund, Konsul Holzmüller, ein Millionär aus München an, und bat mich, Bundeskanzler Adenauer mit meiner Mystere am 28. Februar um 9 Uhr in Bonn abzuholen und ihn um 21 Uhr wieder zurückzubringen. Diesem Wunsch kam ich nur zu gern nach. Es war ergreifend, neben dem alten Herrn zu sitzen und sich mit ihm unterhalten zu können. Adenauer meinte, er verstünde nicht, wie man mit Geflügel so viel Geld verdienen und sich einen Privatjet leisten könne. Böse Zungen behaup-teten später, Adenauer habe die Mystere für eine Bundeswehrmaschine und mich für einen Kellner gehal-ten, aber er wußte sehr wohl, mit wem er es zu tun hatte. ... Mittags aßen wir im ‘Walterspiel’, und Adenauer bestellte, als Ehrerbietung an mich, wie er sich ausdrückte, ein halbes Hendl, das er auch tat-sächlich aufaß.«

Über das Familienleben
»Überhaupt nicht gespart habe ich hingegen, wenn es darum ging, unseren Töchtern die Welt zu zeigen und ihnen Erlebnisse zu vermitteln. Sie hatten ohnehin eine Kindheit in recht einfachen Verhältnissen er-lebt, und erst als sie größer waren, konnte ich mir leisten, in sie zu investieren. So charterte ich zum Bei-spiel im Sommer 1965 kurzerhand eine Motorjacht und hüpfte damit von Insel zu Insel im Tyrrhenischen Meer. Ischia, Capri, die Blaue Grotte, die Liparischen Inseln und Messina waren angesagt, und wir ließen es uns richtig gut gehen. Nichtsdestotrotz hatte die Jacht auch einen Fernschreiber, und jeden Morgen tickten die Umsatzzahlen vom Vortag aus München zu mir hinunter.«

Über die Arbeitsmoral
»Ich war stets ein Mann der ‘Front’. Wie der berühmte amerikanische Panzergeneral Patton, der mit dem Colt in der Hand vor seinen Panzern marschierte, verbrachte ich neunzig Prozent meiner Zeit draußen und nur zehn Prozent im Büro.«

Über die Freundschaft
»Mein bester Freund ist und bleibt auch über seinen Tod hinaus Franz Josef Strauß – Gott hab ihn selig! Was ich mit ihm alles erlebt habe, würde schon allein ein Buch füllen. ... Er war als Person eben einmalig und wie immer man zu seiner Politik stehen mag, man konnte von diesem Mann viel lernen. Für mich als Wirt war er auch deshalb interessant, weil er gut und viel essen und trinken mochte.«

Oliver Schmitt , 1968 in Helsinki geboren. Chefredakteur der Satirezeitschrift Titanic. Veröffent-lichungen u.a. in Der Feinschmecker. Liedveröffentlichung: »My name is Helmut«. 1996 erscheint »Das ‘etwas andere’ Hölderlin-Brevier« (zus. mit Jürgen Jonas).

Gerhard Henschel , 1962 in Hannover geboren. Veröffentlichungen u.a. in Konkret, junge Welt, Frank-furter Rundschau, taz. Mehrere Bücher, u.a. »Das Blöken der Lämmer. Die Linke und der Kitsch« und »Supersache! Das Lexikon des Fußballs« (zus. mit Günther Willen). Letzte Veröffentlichung: »Lesen ist Essen auf Rädern im Kopf. Elegante Geschichten«.

Christian Schmidt , geboren 1956 in Gießen. Mehrere Bücher: »Das Buch Genschman: Ein deutsches Superheldenschicksal« und »Die roten Strolche« (zus. mit Achim Greser, Heribert Lenz u. Hans Zippert). Letzte Veröffentlichungen: »Die letzte Stunde des Herrn K. Frühe dramatische Texte für Abiturfeiern« und die CD »Herr K. und die Kinskis: Erdbeerschlund«.